Kusntwerk der Woche: Bettina Reichert

Kunstwerk : Kunst, um Atem zu holen

Künstler sind auf öffentliche Räume angewiesen, in denen sie ihre Werke zeigen. Was machen sie eigentlich während der Pandemie? In unserer Serie zeigen wir jede Woche das Werk eines Künstlers aus der Region. Heute: Bettina Reichert

Nachhaltigkeit heißt das Gebot der Stunde. Für Bettina Reichert ist das nicht nur eine gesellschaftliche Herausforderung sondern auch Grundlage ihres künstlerischen Schaffens. Seit vielen Jahren  verwendet die 1967 geborene Malerin als Farbmittel Rußpartikel, die sie aus verbrannten Hölzern gewinnt. Der dabei erzeugte Kohlenstoff enthält das Mineral Graphit, das alltäglich aus Bleistiftminen bekannt ist und zum Schreiben und Zeichnen verwendet werden kann. Eine Eigenschaft, die auch die Malerin nutzt. Andere von Reicherts bevorzugten Gestaltungsmittel sind der Honig und das Wachs, das bei der Honigproduktion zum Bau der Waben durch die Bienen abgesondert wird. „Es sind eigentlich Abfallprodukte, die ich verwende“, sagt die Künstlerin. „Beide sind regional zu beziehen“. Die Wahl der Mittel ist durchaus autobiografisch fundiert. Die in der Hochwald-Gemeinde Kell am See  lebende Künstlerin ist in Westafrika aufgewachsen, wo ihr Vater  tätig war. Dort habe sich ihr Interesse an anderen Kulturen entwickelt. Aber sie habe auch Armut erlebt, berichtet Reichert, und gelernt, wie wichtig der verantwortungsbewusste Umgang mit Ressourcen sei. Ökologisch bewusst zu leben, sei ihr seitdem ganz selbstverständlich, erklärt die Malerin. Bettina Reicherts „Ruß-Gemälde“ sind zurückhaltende abstrakte, dennoch hochsinnliche Bilder, die zuweilen eine lebhafte, an feine Zeichnungen erinnernde Binnenstruktur besitzen. Auch für Reichert bedeutete die Zurückgezogenheit des Lockdowns manchen Einschnitt. So konnte sie im Atelier keine Besucher empfangen. Derart auf sich selbst  zurückgeworfen  hat die Künstlerin in der Abgeschiedenheit des Ateliers eine ebenso reizvolle wie aussagekräftige Arbeit geschaffen. „Atem“ heißt die Installation aus hohlen Kugeln aus Wachs und Ruß, die an feinen Fäden hängen und die der Betrachter  durch eigenen Atem bewegen kann. Eine ausgesprochen subtile Form der Gesellschaftskritik und der Mahnung.

Weitere Informationen finden Sie unter bettinareichert.de