Lachen über Leichen

Lachen über Leichen

TRIER. (ruf) Wie viele Leichen verträgt ein Theaterstück? Die Zahl gerät in den zweistelligen Bereich, wenn "Arsenic and Old Lace" gegeben wird. In englischer Sprache amüsiert dieser Klassiker vor allem mit Sprachkomik und bösem Humor.

Viel schwärzer kann eine Komödie nicht sein: Über zwei Dutzend Tote fordert das Stück. Und das, weil zwei alte Tanten und ein Kerl mit Frankenstein-Gesicht den Wahnsinn vererben. Joseph Kesselrings Kriminalstück "Arsen und Spitzenhäubchen" ist amüsant dank unglaublicher Übertreibung. Weil der Plot ins Unfassbare läuft, bleibt nichts anderes übrig, als herzhaft darüber zu lachen. Das Stück ist grotesk und wirkt in Originalversion äußerst verschroben. Der Theaterabend mit der "English Drama Group" der Universität Trier in der Kapelle am Geozentrum ist überaus unterhaltsam. Dass sich die Geschichte gut verkauft, belegt nicht nur Frank Capras erfolgreiche Verfilmung von 1944, sondern auch zahlreiche Aufführungen von Laientheater-Truppen und Schul-Projekten. Das Stück dreht sich um zwei Damen, die aus Mildtätigkeit einsame Herren mit dem Gift Arsen von ihrem tristen Dasein befreien. Eines Tages taucht bei ihnen der verschollene Neffe - ein gesuchter Massenkiller - auf, und alles nimmt seinen Lauf. Von Laientheater- und Schul-Aufführungen unterscheidet sich die Inszenierung in Trier vor allem durch die Sprachkomik der Akteure. Wenn etwa Marc Neuman als "German Immigrant" den Dr. Einstein mit hartem deutschem Akzent spricht und den Brutalo-Gangster Jonathan Brewster beschwichtigt, weil er ihm eine fiese Monster-Visage operiert hat. Andreas Lang spielt Jonathan herrlich überzeichnet - mit rollenden Augen und geballten Fäusten - und trifft damit zielsicher den bösen, englischen Humor. Als Schwestern Brewster verteilen Jessica Rosinbum (Abby) und Katharina Steinwedel (Martha) das Arsen mit anmutig gespielter Naivität. Mit kleinen Schritten wackeln sie durch den Raum und kümmern sich um ihren zweiten Neffen Mortimer, der als Einziger aus der Familie vom morbiden Gen verschont geblieben ist. Auch bei dieser Figur zeigt sich die Qualität der Vorführung. Das Englische sitzt bei Darsteller Michael Hinsch wie selbstverständlich. Er versteht es, Mortimer besonders brav auftreten zu lassen. Generell werden die Hauptpersonen sehr gut gespielt. Auch das Bühnenbild mit geblümten Sofakissen und Bauernschränkchen ist ansehnlich. Nur die Akteure in den Nebenrollen tun sich manchmal schwer, den immer doller werdenden Handlungs-Facetten zu folgen. Das kratzt ein wenig am guten Gesamteindruck. English Drama Group der Universität Trier, Christoph und Elke Nonn, Staden 80, 54439 Saarburg, Telefon 06581/3082, Email: Christoph.Nonn@t-online.de