Lautern setzt auf die letzte Option

Lautern setzt auf die letzte Option

Zwei Tage nach der 1:4-Heimpleite gegen Schalke 04 hat Bundesliga-Schlusslicht 1. FC Kaiserslautern gestern seinen Cheftrainer Marco Kurz beurlaubt. Vorerst betreuen Co-Trainer Oliver Schäfer und Torwart-Trainer Gerry Ehrmann den Kader. Ein Nachfolger von Kurz soll kurzfristig vorgestellt werden.

Kaiserslautern. Letztendlich kam es, wie es kommen musste. Trotz vorzeitiger Vertragsverlängerung bis 2013, trotz ständiger Lobeshymnen für die Arbeit des Trainers und öffentlicher Rückendeckung vonseiten des Vorstandes bis zum Schluss war die Zeit von Marco Kurz als Chefcoach des Fußball-Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern gestern abgelaufen. Der Schritt, so Vereinschef Stefan Kuntz, sei "sehr schwer gefallen". Jedoch sei man nach der 1:4-Niederlage gegen Schalke und vielen intensiven Gesprächen "zu der gemeinsamen Überzeugung gekommen, dass wir diesen Schritt vollziehen müssen".
In der Tat hatte man rund um das Fritz-Walter-Stadion kaum etwas ausgelassen, um die Mannschaft noch einmal in die Erfolgsspur zurückzubringen, bevor die "letzte Patrone", sprich die Trennung vom Trainer, in den Lauf geschoben wurde. Immer wieder wurde der Zusammenhalt von Mannschaft, Trainer, Gesamtverein und Fans beschworen, wurden Aktionen aus der Taufe gehoben, die eine Wende zum Positiven hätten herbeiführen sollen.
Vorstand fehlen Argumente


Genützt hat aller Aktionismus nichts. Und so sprachen die Fakten gegen die sportliche Leitung. Tabellenplatz 18, seit 16 Spielen nicht mehr gewonnen, nur 17 Tore in 26 Spielen, sechs Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz. Da fehlen jedem halbwegs seriös arbeitenden Vorstand die Argumente, um sich einer Trennung vom Trainer zu verweigern.
Marco Kurz, so Kuntz, verdiene "für seine Arbeit und charakterliche Integrität den höchsten Respekt und Anerkennung. Um aber wirklich jede denkbare Möglichkeit für den Klassenerhalt ausgeschöpft zu haben müssen wir diesen Weg gehen". Die Mannschaft, gegenüber der Aufstiegssaison zwangsweise auf vielen Positionen umgebaut, befand sich in einem Teufelskreis. Mit jeder erfolglosen Partie mehr spielten sich Tiffert & Co. weiter in eine verhängnisvolle, nicht enden wollende Abwärtsspirale hinein. Ein Strudel aus mangelnder Qualität, Pech, Unvermögen sowie daraus resultierendem Frust und Selbstzweifel zog die zum Schluss völlig verunsicherten Roten Teufel in den Abgrund.
Am Samstag hat der FCK beim Tabellen-16. SC Freiburg sein absolutes Endspiel. Die Breisgauer haben als Inhaber des Relegationsplatzes bereits fünf Punkte mehr als die Roten Teufel, für die ein Remis als zu wenig erscheint. Wer auf der Lauterer Bank sitzt, ist ungewiss. Bei der Suche nach einem Nachfolger gab es bereits die ersten Absagen. Der hoch gehandelte Franco Foda, der 1983/1984 sowie von 1987 bis 1990 das FCK-Trikot getragen hatte, sagte laut dem Sender Sport 1: "Ich habe einen Vertrag bei Sturm Graz bis 31. Mai 2012 und den werde ich auch bis zu diesem Tag erfüllen." In den Medien wurde zunächst auch Kaiserlauterns ehemaliger Toptorjäger Klaus Toppmöller aus Rivenich (Kreis Bernkastel-Wittlich) als heißer Kandidat auf die Nachfolge gehandelt. Er glaubt jedoch nicht mehr an eine sportliche Rettung des FCK und möchte deshalb auch nicht neuer Trainer beim FCK werden. "In der Winterpause hätte ich es noch gemacht. Aber jetzt ist es zu spät. Ich glaube nicht mehr an den Klassenerhalt", sagte er. Toppmöller ist mit 108 Treffern der erfolgreichste Torschütze in der Bundesliga-Geschichte des Vereins. Die aktuelle Mannschaft hält er für zu schwach, um den Abstieg noch zu vermeiden. "Der Mannschaft fehlt einfach die Qualität. Die haben bisher insgesamt 17 Tore erzielt, so viele habe ich früher alleine geschossen", kritisierte er.
Meinung

Trumpfkarte, die kaum stechen kann
Eine wohl überlegte Entscheidung - so kommentierte der TV Lauterns Vertragsverlängerung mit Trainer Marco Kurz am 12. Oktober 2011. FCK-Boss Kuntz setzte damals ein Zeichen in einer Zeit, als es nicht so gut lief: Nach acht Spielen hatte Lautern nur fünf Punkte auf seinem Konto. Nun zieht Kuntz nach 16 sieglosen Spielen in Serie die Reißleine. Mit dem 42-jährigen Kurz verliert der FCK einen ehrlichen, emotionalen und hart arbeitenden Trainer, der super in die Pfalz passte. Wieso ist er trotzdem gescheitert? Vorwerfen kann man Kurz nur zwei Dinge: zum einen die verfehlte Personalpolitik vor der Saison und in der Winterpause, an der aber Vorstandschef Kuntz kräftig mitgewirkt hat. Zum anderen weist die Formkurve in der Rückrunde stetig nach unten, vielleicht auch deshalb, weil Kurz sein Team häufig und ohne Not durcheinanderwirbelte. Nun zieht Kuntz seine letzte Trumpfkarte. Ob der Trainerwechsel etwas bringen wird? Heftige Zweifel sind erlaubt. Der FCK ist nicht erstligareif. Die Blockaden lösen könnte eine Ikone wie Klaus Toppmöller, mit 108 Treffern Lauterns Rekordtorjäger. Der 60-jährige Rivenicher steht aber nicht zur Verfügung - er weiß genau, warum. s.strohm@volksfreund.deExtra

Die Trennung des FCK vo n Marco Kurz war der siebte vorzeitige Trainerwechsel in dieser Bundesligasaison: 19. September 2011Michael Oenning (Hamburger SV, beurlaubt), Nachfolger Torsten Fink 22. September 2011 Ralf Rangnick (FC Schalke 04, Rücktritt), Nachfolger Huub Stevens 19. Dezember 2011 Markus Babbel (Hertha BSC, beurlaubt), Nachfolger Michael Skibbe 29. Dezember 2011 Marcus Sorg (SC Freiburg, beurlaubt), Nachfolger Christian Streich 9. Februar 2012 Holger Stanislawski (TSG Hoffenheim, beurlaubt), Nachfolger Markus Babbel 12. Februar 2012 Michael Skibbe (Hertha BSC, beurlaubt), Nachfolger Otto Rehhagel 20. März 2012 Marco Kurz (1. FC Kaiserslautern, beurlaubt) dpa

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