Legendärer Mythos in der Eifel - Nürburgring wird 90

Legendärer Mythos in der Eifel - Nürburgring wird 90

Der heute vor 90 Jahren eröffnete Rennparcours wurde nicht nur zur schönsten und schwierigsten Strecke der Welt, sondern auch zu einer Kultstätte von Mythen, Legenden, Tragik und Triumphen.

Foto: Thomas Frey (g_sport
Die Nordschleife, der 1927 eröffnete und älteste Teil der Rennstrecke. Foto: privat Foto: (g_sport
Auch das ist der Ring: 24h-Rennen, Strongman Run oder Rock am Ring (von oben nach unten).Fotos: dpa Foto: Sebastian Schneider (g_sport
Foto: Thomas Frey (g_sport

Nürburgring Millionen-Projekt zur wirtschaftlichen Förderung einer bitterarmen Region in den späten 1920ern. Schauplatz ideologischen Größenwahns zur Nazizeit. Maßstab allen Könnens der Besten seit den 1950ern. Totgesagt, wieder auferstanden, neu erfunden, wirtschaftlich am Ende und doch wieder wie Phönix aus der Asche nach oben: Der "Ring, das ist nicht nur eine Rennstrecke, von der viele behaupten, sie sei weltweit unvergleichlich.
Dieses aschgraue, fahle, sich neigende, windende, ansteigende, herabstürzende, verwinkelte, verfluchte, heiß geliebte Ungetüm in der Einsamkeit der Wälder der verlassenen Hocheifel ist auch Spiegelbild wechselvoller Zeitgeschichte.
Errichtet nach zweijähriger Bauzeit und eröffnet 1927 als "Gebirgs-, Renn- und Prüfungsstrecke" wurde das Labyrinth mit 33 Links- und 40 Rechtskurven, 17-prozentigen Steigungen und elfprozentigem Gefälle für die nächsten Jahrzehnte zum Maßstab für Fahr- und Ingenieurskunst.
Am Eröffnungs-Wochenende (18./19. Juni 1927) fand nach einem Motorrad-Rennen das erste Autorennen statt. Das gewann der Mann, der ebenso wie die Strecke zum Mythos des Rennsports werden sollte: Rudolf Caracciola, Hoteliers-Sohn aus Remagen, auf Mercedes S. Sein Kommentar nach dem Sieg sollte Bestand bis heute haben: "Ein Sieg hier zählt mehr als auf jedem anderen Kurs."
Doch der Ring wurde auch zum festen, umgangssprachlichen Begriff. Nicht nur bei Menschen, die ein Faible für Motorsport haben. Über 90 Prozent der Deutschen, so hat eine Umfrage aus Anlass des Jubiläums ergeben, kennen den Nürburgring.
Und damit auch (zumindest teilweise) seine lange, faszinierende Geschichte. Eine Chronologie, die nicht nur aus den Rennen der ganz Großen, sondern aus unerbittlichen Duellen von Piloten mit Herzblut für ihre Passion bestand. Von Fahrerinnen und Fahrern rund um den Erdball und aus der Region Eifel, Mosel, Hunsrück, Saar.
"Diese Strecke ist wie ein vielgliedriges Ungeheuer. Mir gefällt sie am besten, wenn ich an Winterabenden an einem Kaminfeuer sitze und nur darüber nachdenke" - Jackie Stewart, dreimaliger Formel-1-Weltmeister.
Der Ring stand in diesen Jahren oft am Scheideweg, ja er steht es heute noch. Als 1976 der Feuer-Unfall Niki Laudas das Ende der Formel 1 auf der zum Mythos gewordenen Nordschleife bedeutete, stand schon acht Jahre später ein komplett neuer Grand-Prix-Kurs in der Eifel.
Als der 2009 eröffnete neue Nürburgring, in den als geplanter Vergnügungspark geschätzte 350 Millionen Euro Steuergelder flossen, und dessen Finanzierungskonzept sich als Seifenblase erwiesen, machte auch dies dem "Ring" nicht den Garaus. Genauso wenig wie die Insolvenz im Jahre 2012, der die Übernahme durch einen russischen Oligarchen folgte. Heute führt die Capricorn Nürburgring GmbH die Geschäfte des Unternehmens, das sich im Mantel der Geschichte dem Alter entsprechend kleidet: stolz auf den erreichten und bewahrten Status, auf Mythen- und Legendenbildung. Nicht jedoch verharrend in der Unfähigkeit eines selbst verliebten Narzissmus und daraus folgender Agonie. Der Nürburgring ist für viele (nur) die Nordschleife, ist die Grüne Hölle, auf den ihn einst Sir Jackie Stewart taufte. Ist Schauplatz des größten Rennens der Welt, des 24h-Rennens. Aber er ist weit mehr. Events wie "Rock am Ring", wie "Trucker", wie Radrennen, wie "Strongman Run", weisen den Weg in eine Zukunft auf einem weiteren Standbein. Eine Zukunft mit der gleichen heutigen finanziellen Strahlkraft auch für unsere Region, wie sie der Nürburg-Ring von 1927 (damalige Schreibweise) hatte. Und das auch noch, so bleibt zu hoffen, in zehn Jahren zum Hundertsten.

Von der Antoniusbuche bis zur Döttinger Höhe

Von Heckenjägern und Ring-Literaten

Ein Hauch von Olympia, Schnee im Mai und Ferrari-Nachtwäsche

"Liebes Gestern, halt mich fest"