LEGO – Der Hobbit

Ein erneuter Ausflug nach Mittelerde lässt Lego-Fans die spannende Reise von Bilbo Beutlin und seinen Gefährten noch einmal erleben. Doch erst wenn das eigentliche Abenteuer vorbei ist, beginnt es so richtig …

Nachdem die Entwickler von Traveller's Tales den bunten Lego-Figuren der "Herr der Ringe"-Trilogie bereits vor zwei Jahren virtuelles Leben eingehaucht hatten, war es nur eine Frage der Zeit, bis auch "Der Hobbit" seinen Klötzchen-Auftritt bekommen sollte. Einmal die drei Filme in Lego-Optik nachzuspielen und danach in Mittelerde auf Schatzsuche zu gehen, kann für einen echten Fan der Spiele eine verlockende Herausforderung sein. Moment mal: Alle drei (!) Filme? Da der Abschluss der Trilogie erst für Ende des Jahres geplant ist, könnte man hier also eine Art Sneak Preview erhaschen - immerhin halten sich die Macher sehr eng an die Filmvorlage, was den besonderen Charme der Lego-Spiele ausmacht. Aber bevor hier einer unruhig wird: Das Abenteuer auf den Konsolen endet dort, wo es bereits im letzten Jahr auf der Kinoleinwand geendet hat … Es wird gemunkelt, dass ein DLC die "fehlenden" Missionen nachliefern soll, sobald der Film in den Kinos war. Schade … Aber der Rest des Spiels braucht sich deswegen noch lange nicht zu verstecken.

Gewohnte Action

Sollte jemand von euch schon einmal in den Genuss gekommen sein, ein Lego-Spiel von Traveller's Tales zu zocken, wird er sich hier wie zu Hause fühlen. Denn am eigentlichen Spielprinzip hat sich kaum etwas geändert - wie bereits in den letzten fünf oder sechs Lego-Versoftungen. Selbst wenn es nun Team-Angriffe, neue Mini-Spielchen - sehr niedlich ist das Erstellen von Gegenständen per Bauplan - und einen Tag-und-Nacht-Zyklus gibt, stagnieren die Titel der Reihe ehrlich gesagt etwas - immerhin auf einem sehr hohen Niveau. Bei diesem speziellen Fall kommt noch hinzu, dass sich die Filmvorlage eh nicht sonderlich ernst nimmt und die überzogenen Witze während des Spiels manchmal an den Haaren herbeigezogen wirken. Aber genug über solche Luxusprobleme gemeckert: "Lego - Der Hobbit" ist und bleibt ein lohneswertes Spiel.

Auf Entdeckungstour

Für Neulinge - Profis machen dies sowieso - sei soviel gesagt: Spielt die Story einfach einmal komplett durch, bevor ihr euch wild in die offene Spielwelt stürzt. Natürlich dürft ihr vor und nach den Missionen kurz mal Open-World-Luft schnuppern - doch richtiger Spaß kommt erst nach dem Absolvieren der Story auf. Wieso? Ganz einfach: Erst wenn ihr alle oder die meisten Missionen gemeistert habt, stehen euch neue Charaktere zur Verfügung. Diese sind nämlich bitter nötig, um die Rätsel oder Geschicklichkeitseinlagen im Rest des Spiels zu knacken. Auf genau dieselbe Art und Weise funktioniert übrigens auch das Sammeln der Schätze während der einzelnen Story-Missionen: Beim ersten Durchgang ist es unmöglich an alle versteckten Extras eines Levels zu gelangen. Weil ihr sowieso noch einmal in einen Level müsst, wenn ihr alles freischalten wollt, könnt ihr also beim ersten Durchspielen die Sache ganz gemütlich angehen.

Wie immer sind die Zwischensequenzen herrlich durch die animierten, bunten Lego-Steine in Szene gesetzt - die Macher besitzen eine unglaubliche Liebe zum Detail, die sich in der kompletten Spielwelt widerspiegelt. Was schon bei den Vorgängern galt, kann diesmal ebenso übernommen werden: Für die einzelnen Missionen - 16 an der Zahl - braucht es keine besonderen spielerischen Fähigkeiten, um sie zu bestehen. Hier steht eindeutig der Unterhaltungsfaktor im Vordergrund - egal, ob alleine oder zu zweit. Die leichten Knobelaufgaben sind flugs gelöst und die Minispiele werden vielleicht nur die Kleinsten auf eine echte Probe stellen. Aber dennoch: Der Spaß stimmt.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Nicht erschrecken: Nachdem alle Story-Missionen mit Bravour bestanden wurden, zeigt euch der Spielstand lediglich um die 25 Prozent an. Danach geht die Arbeit erst richtig los. In ganz Mittelerde, das nun frei bereist werden darf - weite Strecken auf per Adler - sind Aufgaben, Rätsel und freischaltbare Charaktere verstreut. Nur wer alles sammelt, was es zu sammeln gibt, wird seinen Spielstand auf 100 Prozent bugsieren können. In dieser Hinsicht ist der Titel ein Biest von einem Spiel - denn die Bewältigung sämtlicher Aufgaben kann Wochen dauern. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt also.

Wer die Chance hat, sollte unbedingt zu einer der Versionen greifen, die sich auf den neuen Konsolen, sprich PS4 oder Xbox One, spielen lassen. Warum? Weil die Optik einfach bezaubernd ist. Nicht nur das Laden der Spielstände verläuft etwas flotter, auch die Weitsicht in der Spielwelt trägt zur Atmosphäre bei. Bereits "Lego Marvel Super Heroes" konnte in dieser Hinsicht komplett überzeugen.

Fazit

Die Umsetzung der Filmvorlage ist grandios. Spielerisch zeigt sich "Der Hobbit" allerdings von seiner gewohnten Seite - was nicht unbedingt schlecht sein muss. Fans - oder welche, die es werden wollen - dürfen hier wieder bedenkenlos zugreifen. Man könnte aber von Stagnation auf hohem Niveau sprechen. Für diesen Titel lasse ich das noch einmal durchgehen - immerhin liebe ich das Szenario rund um Mittelerde. Doch für die kommenden Lego-Spiele sollten sich die Macher von Traveller's Tales etwas Neues einfallen lassen - sei es ein anspruchsvolleres Kampfsystem, mehr Rollenspielelemente oder vielleicht mal ein völlig neues Grundkonzept; ein Rennspiel mit aufrüstbaren Vehikeln bietet sich doch an. Aber egal - denn so schön das kommende Setting auch sein mag, es muss auch inhaltlich überzeugen. Ich bin schon mal gespannt.

Genre: Abenteuer, Knobeln, Geschicklichkeit
Für: Xbox One, PS4, Xbox 360, PS3, Wii U, PS Vita, 3DS, PC
Entwickler: Traveller's Tales Games // Publisher: Warner Bros.
Spieler: 1-2 // Online: nein // USK: Ab 6 Jahren
Internet: thehobbit.lego.com/de-de‎