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LEICHTATHLETIK : Entscheidung im Wald

Wo geht's weiter? Ein Orientierungsläufer hat seine Kontrollkarte am Posten abgestempelt und sucht mit Karte und Kompass den optimalen Weg zur nächsten Station.Foto: Holger Teusch
Wo geht's weiter? Ein Orientierungsläufer hat seine Kontrollkarte am Posten abgestempelt und sucht mit Karte und Kompass den optimalen Weg zur nächsten Station.Foto: Holger Teusch
REGION. (teu) Wer nicht weiß, wo er ist, kommt nicht zum Ziel. Eine Banalität, die wohl in keiner Sportart mehr Gültigkeit besitzt, als beim Orientierungslauf.

EinLäufer steht im Wald. Er weiß nicht wohin. Für Organisatoren derwöchentlichen Volksläufe ist das eine Horrorvorstellung, währendVeranstalter von Orientierungsläufen dieses Szenario alsKompliment für eine anspruchsvolle Strecke auffassen können. 20Prozent Ausfallquote sind bei den Exoten der Laufszene keineSeltenheit. Einmal verheddert, einen Posten nicht gefunden - undaus ist es. Sport fürs ganze Leben

Wie keine andere Sportart ist Orientierungslauf ein Naturerlebnis pur. "Das reizt mich auch heute noch am Orientierungslauf", erklärt Dirk Hartmann. Der ehemalige deutsche Meister und internationale Spitzen-Orientierungsläufer betreibt (mit Unterbrechungen) seit seinem 13. Lebensjahr die skandinavische Volkssportart (mit mehr als 20 000 Teilnehmern bei einzelnen Mehrtages-Veranstaltungen). "Wenn man einmal Blut geleckt hat, lässt einen das nicht mehr los", meint der Geschäftsführer einer großen Trierer Elektrofirmengruppe, der jüngst in Dresden bei den 40- bis 44-Jährigen Deutscher Meister wurde.

Orientierungslauf als Sport fürs ganze Leben: Als Zehnjähriger begann Hartmann in der Trainingsgruppe des Olympiateilnehmers Manfred Letzerich mit Leichtathletik. Bereits mit Zwölf lief er seinen ersten Marathon. "Weil es noch nicht erlaubt war ohne Startnummer", berichtet Hartmann. Bis zu seinem 14. Lebensjahr steigerte er sich auf der 42,195-Kilometer-Distanz auf 2:58 Stunden. Da hatte er aber seine ersten Orientierungslauf-Erfahrungen bereits gesammelt und sattelte bald ganz um. "Ich bin wegen meiner Körpergröße nicht der typische Läufertyp", erklärt Hartmann, warum er für sich den Disziplinwechsel als goldrichtig erachtet. Ausdauernd und zäh, fehlte ihm aber die Schnelligkeit für Straße und Bahn. In seinen besten Zeiten bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr lief Hartmann seine Zehn-Kilometer-Trainingsbestzeit von etwas unter 33 Minuten. Damit allein lässt sich national kein Blumentopf, zusammen mit exzellenten Orientierungsfähigkeiten aber Deutsche Meistertitel in Serie gewinnen.

"Orientierungslauf wird im Wald entschieden - und im Wald sieht alles ganz anders aus", erläutert Hartmann, weshalb er in seiner Spezialdisziplin läuferisch überlegene Sportler um Längen abhängt. Die Punkte (so genannte Posten), die auf der Karte der Wettkämpfer eingezeichnet sind und angelaufen werden müssen, sind meist abseits der Wege, mitten im Wald, in Gebüschen oder an Abhängen.

Karte und Kompass wichtigste Begleiter

Wer die Karte nicht lesen kann, hat schon verloren. Und wer nicht mit dem Kompass zurecht kommt, muss zumindest lange Umwege und langes Suchen in Kauf nehmen. Glückshormone schießen ins Blut. Trotzdem ist Orientierungslauf mehr Lust als Frust, denn schon unterwegs und für jeden Anfänger gibt es massenhaft Erfolgserlebnisse. Jeder gefundene Posten lässt von neuem Glückshormone ins Blut schießen. "Beim Orientierungslauf kann man sich keine Zeitziele setzen. Das erzeugt weniger Druck", erläutert Robert Wirth aus Saarlouis, Stammgast bei den vom Trimmelter SV organisierten Trierer Orientierungsläufen, einen weiteren Vorteil.

Weil in Minutenabständen gestartet wird, steht außerdem die Konzentration auf sich selbst und nicht die auf den Konkurrenten im Mittelpunkt. "Interessant wird es immer, wenn mit der Ermüdung die Konzentration nachlässt", meint Wirth. Dann sehen auch schon mal die Spezialisten den Wald vor lauter Bäumen nicht. Infos im Internet unter www.orientierungslauf.de