"Liebes Gestern, halt mich fest"

"Liebes Gestern, halt mich fest"

Was fasziniert an Retro-Festivals wie beim Nürburgring-Jubiläum?

Nürburgring 90 Jahre nach Caracciola kam Caracciola. Auf Großonkel Rudolf im Jahre 1927 folgte dieses Mal Groß-Neffe Thomas aus der übernächsten Generation. In dessen Beisein wurde am Freitag zum Auftakt der "Nürburgring Classic" dem Sieger des ersten Automobil-Rennens auf dem Nürburgring am 19. Juni 1927 die ihm zustehende Würdigung zuteil. Seine Büste neben der Stele von Wolfgang Graf Berghe von Trips schmückt jetzt den Aufgang nach dem Tunnel vom alten in das neue Fahrerlager.
Der Siegerwagen von "Carratsch", wie ihn die Fans später nannten, ein Kompressor-beatmeter Mercedes-Benz Typ S, stand auch 90 Jahre später noch einmal im alten Fahrerlager. Gemeinsam mit über 120 Fahrzeugen aus den Jahren 1920 bis 1939.
Oldies, die zum Elefanten-Rennen in einem Demo-Lauf die Nordschleife von damals gegen die Grandprix-Strecke von heute tauschten. Ein beeindruckendes Bild von Fahrzeugen mit einem immensen kulturhistorischen und finanziellen Wert, den es kein zweites Mal mehr gibt. Retro ist in, nicht nur im Motorsport, bestätigte auch Ring-König Klaus Ludwig. Der frühere Seriensieger in der Eifel war wie Jochen Maass einer der Kenner und Könner, die im Auftrag des Mercedes-Benz-Museums dessen Kostbarkeiten aus den Stuttgarter Archiven pilotieren durften. "In diesen turbulenten Zeiten sehnen sich die Menschen nach festen Werten. Dinge aus ihrer Umgebung, die Besonderes und Bewundernswertes darstellen." "Mit alten Rennautos ist das so ähnlich wie mit alten Möbeln oder Klamotten", glaubt auch Ex-Formel-1-Pilot Maass.
"Nostalgie hat immer etwas Positives. Sie beruhigt", hatte uns einmal Ex-Rallye-Profi Walter Röhrl auf unsere Frage nach dem Grund für seine anhaltende Beliebtheit gesagt. Mit einem seiner ersten Einsatzfahrzeuge, einem Ford Capri RS, hatte sich der langjährige Schirmherr des Eifel Rallye Festivals auch auf dem Nürburgring in den Siegerlisten eingetragen.
Boliden dieses Schlages (historische Tourenwagen, GT-Fahrzeuge, Formel-2-Renner, aber auch Motoräder aus den späten 1920er bis in die 1950er Jahre) gehörten zu dem bunten Kaleidoskop des Blicks in eine Zeit, die man auch die gute, alte nennt.
Liebes Gestern, halt mich fest!