Lust am Auffallen: Unter Schmerzen zum Glück

Lust am Auffallen: Unter Schmerzen zum Glück

Die Nadelstiche der Tätowiermaschine bedeuten für den 32-jährigen Matthias Taubert weniger Schmerz als vielmehr die Erfüllung eines Wunsches - und damit Glück.

Trier. Rhythmisch-summend sticht die Nadel der Tätowiermaschine in die Haut von Matthias Taubert. Die schwarze Farbe verteilt sich gleichmäßig über der aufgemalten Vorlage und wird später einmal zwei Schwalben darstellen.

Dieser Moment ist für den 32-Jährigen ein Glücksmoment, obwohl er nicht ganz schmerzfrei ist. Aber Taubert hat eineinhalb Jahre auf diesen Augenblick gewartet und freut sich deshalb sehr, dass es endlich soweit ist.

Symbole für Veränderungen

"Aus Kostengründen musste ich so lange warten. Ich habe viel dafür gespart", erzählt er. Der junge Mann, der von sich selbst sagt, dass er Tattoos sammelt, hat bereits den rechten und den halben linken Arm voller Motive, die unter die Haut gehen.

"Jedes Tattoo ist eine Erinnerung für eine Veränderung in meinem Leben. Mit der Zeit entwickelt man sich immer weiter, und so habe ich etwas, das ich aus diesen Zeiten mitnehmen kann", erklärt er. Mit den Schwalben belohne er sich nun selbst, da er auf dem Weg zu einem persönlichen Ziel eine Etappe weitergekommen sei.

Sein Tätowierer, Thomas Hromada vom Piercingstudio Inside in Trier, kann seinen Kunden verstehen. "Für die meisten symbolisiert ein Tattoo einen Lebensabschnitt. Man möchte sich an etwas erinnern oder auch daran erinnert werden, nicht zu sehr in der Vergangenheit zu leben", sagt er. Leider nehme die Zahl derjenigen, die sich lange und gründlich ihr Motiv überlegten und für die die Tätowierung auch eine Bedeutung habe, ab. "Nur noch rund 40 Prozent der Kunden überlegen sich ihr Motiv gründlich und empfinden das Tattoo dann als großes Glück. Manche kommen sogar schon mit der Frage, wie sie die Tätowierung später wieder entfernen lassen könnten, zum Termin", erzählt Hromada.

Das Resultat zählt, nicht der Schmerz

Matthias Taubert kann das nicht passieren. Der Dachdecker hat sich zwar bei mancher Verschönerung gefragt, ob diese wirklich nötig war, aber wirklich bereut hat er noch keine.

Den Schmerz gehört für ihn einfach dazu: "Wenn er zu verhindern wäre, wäre das natürlich gut. Aber es gehört nunmal dazu, und die Freude auf das Resultat ist einfach größer", sagt er, schließt wieder die Augen und gibt sich ganz seinem persönlichen Glücksmoment hin.