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Dieses Gespräch verändert das Leben

In welche Pflegestufe auf Hilfe angewiesene Menschen eingestuft werden, ermitteln Gutachter des Medizinischen Dienstes der Kranken- und Pflegekassen (MDK). Die Einschätzung erfolgt nach bundesweiten Begutachtungs-Richtlinien. Der TV spricht mit Fachleuten über Missverständnisse, eine neue Studie und darüber, worauf es bei dem entscheidenden Hausbesuch ankommt. Katja Bernardy

Der Zustand von Hedwig M. hat sich in den vergangenen Wochen verschlechtert. Ihre Tochter beobachtet, dass die Demenz fortgeschritten ist und die 82-Jährige zunehmend mehr Hilfe braucht. Sie hat einen Antrag auf Einstufung in eine höhere Pflegestufe bei der Pflegekasse gestellt. Der Medizinische Dienst hat sich angemeldet. Der MDK ist der Beratungs- und Begutachtungsdienst der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen. Die Gutachter ermitteln, in welche Pflegestufe der Pflegebedürftige eingestuft wird und damit, wie viel Geld am Ende aus der Pflegekasse gezahlt wird.
Eva-Maria Schwerdtfeger leitet den MDK Trier, einem der insgesamt fünf rheinland-pfälzischen Beratungs- und Begutachtungszentren (BBZ). Im BBZ Trier arbeiten 13 Pflegegutachter. "Im vergangenen Jahr haben wir 12 600 Gutachten erstellt", sagt Schwerdtfeger. 99 000 waren es insgesamt in Rheinland-Pfalz. Der MDK kommt, wenn bei der Pflegekasse ein Antrag auf Leistungen aus der Pflegeversicherung gestellt wurde. Der Termin wird frühzeitig angekündigt.
Worauf sollten Pflegebedürftige und ihre Familien achten, wenn der MDK klingelt? Laut Gisela Rohmann von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz kursieren in der Bevölkerung häufig falsche Vorstellungen davon, was Pflegestufen bedeuten und was der MDK prüft. Die Gutachter schauen nach dem Hilfebedarf bei der Körperpflege, der Ernährung, der Mobilität und der hauswirtschaftlichen Versorgung. Medikamente richten, Blutdruckmessen oder das Reinigen von Hörgeräten etwa zählen nicht für die Pflegestufe.
Gisela Rohmann rät: "Machen Sie sich vorab schlau, worauf es ankommt." Hilfreich können dabei Broschüren oder eine Beratung im Pflegestützpunkt sein. Auch die Frage, wer soll dabei sein, sollte vor dem MDK-Besuch geklärt werden. Soll der Pflegebedürftige alleine sein, oder jemand mit dabei sein, der mit der Pflege betraut ist?
Achtsamkeit sei besonders bei Demenzpatienten geboten, da sie sich häufig gut darstellen.
"Es ist ratsam, dass dann jemand dabei ist, der beschreiben kann, wie die Situation tatsächlich ist", empfiehlt die Expertin. Zur Vorbereitung rät sie auch, ein Pflegetagebuch zu führen: "Halten Sie über einige Tage die Zeiten fest, die für die sogenannten Verrichtungen Körperpflege, Ernährung, Mobilität und Hauswirtschaft benötigt werden." Berichte von Hausärzten oder von Krankenhausaufenthalten sollten bereitliegen. Am Ende des MDK-Besuchs stehe immer die Frage, ob man das Gutachten haben wolle. "Ja! Auf jeden Fall kontrollieren", sagt Rohmann.
Können die Angehörigen von Hedwig M. die Einschätzung des Gutachters später nicht nachvollziehen, sollten sie schnellstens Widerspruch einlegen. Zum Lesen der Gutachten rät auch Eva-Maria Schwerdtfeger. "Die Gutachter des MDK fragen bei jeder Begutachtung, ob Interesse daran besteht. Jeder Versicherte kann sich das Gutachten zusenden lassen", sagt sie. Grundsätzlich stellt die MDK-Leiterin fest: "Wir gehen nach den bundesweit geltenden Begutachtungsrichtlinien vor, so dass alle Versicherten in Deutschland einheitlich behandelt werden."
Derzeit wird auch in Trier im Rahmen einer bundesweiten Modellphase das von der Bundesregierung angekündigte neue Begutachtungsverfahren getestet. So kann es sein, dass Pflegebedürftige in der Region Trier testweise nach zwei Systemen begutachtet werden - nach dem jetzigen und dem geplanten.
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