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Können sich bald nur noch Reiche die Pflege im Alter leisten?

Symbolbild. Foto: Patrick Seeger
Symbolbild. Foto: Patrick Seeger
Trier. In der Region Trier wird die demografische Entwicklung zu großen Veränderungen in der Gesellschaft führen. Werden sich nur noch wohlhabende Senioren eine gute Betreuung leisten können? Dieser Frage gehen wir zum Auftakt der großen TV-Serie „Pflege täglich“ nach. Rainer Neubert

Die Zahl der Pflegebedürftigen in Rheinland-Pfalz steigt unaufhörlich. Nach den aktuellsten statistischen Zahlen lebten Ende 2011 mindestens 113.500 pflegebedürftige Personen im Land, davon 14400 in der Stadt Trier und den vier Landkreisen in der Region. Das waren fast sieben Prozent mehr als zwei Jahre zuvor. Inzwischen wird die Zahl der Menschen, die nicht oder nur noch bedingt selbstständig leben können, auf deutlich über 120000 geschätzt.

"Vor allem in der Vulkaneifel und in Teilen des Hunsrücks ist die medizinische und pflegerische Versorgungssituation schon jetzt schwierig", sagt der Trierer Soziologie-Professor Rüdiger Jacob. Eine Gesellschaft mit immer mehr älteren Menschen bringe für die Allgemeinheit enorme Herausforderungen, ist sich der Wissenschaftler sicher, der sich unter anderem intensiv mit der regionalen Gesundheitsberichterstattung befasst hat. "Es wird immer mehr eingeschränkte und demente Menschen geben, die Betreuung brauchen."

Professor Michael Jäckel, Soziologe und Präsident der Universität Trier, bezeichnet Pflege als gesellschaftspolitischen Großauftrag: Das enorme Streben nach einem selbstbestimmten Sein in jungen Jahren werde bei steigender Lebenserwartung im Alter von einer immer längeren Phase als fremdbestimmter Mensch abgelöst.

"Das wird für viele Menschen ein dramatischer Prozess, zumal sich in der Pflege zunehmend die Ungleichheit der Gesellschaft spiegelt." Jäckel fordert eine Wiederbelebung des Begriffs Solidarität, sonst werde gute Pflege zum Statussymbol.

Der Trierische Volksfreund beleuchtet ab heute in einer großen Serie alle Aspekte zum Thema Kranken- und Altenpflege. Gibt es einen Pflegenotstand? Wie begegnen Politik, Arbeitgeber und Gewerkschaften den Herausforderungen? Welche Angebote gibt es für Hilfebedürftige, Betreuer und Pflegende?

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