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Familie
Kontaktabbruch: Das können Sie tun

Trier. Zwei Psychologinnen und eine Sozialpädagogin beantworteten Fragen zum Thema „Verlassene Eltern“ am TV-Telefon. Von Katja Bernardy

Familienbande sind vielen Menschen ganz besonders wichtig. Doch nicht immer lässt sich der Kontakt aufrechthalten. Was tun, wenn es zwischen Kindern und Eltern oder Familienangehörigen nicht mehr funktioniert? Drei Expertinnen geben am TV-Telefon Ratschläge.

Seit drei Monaten habe ich den Kontakt zu meiner Mutter abgebrochen, und es geht mir bedeutend besser ohne die Auseinandersetzungen mit ihr und ihren Vorwürfen. Aber da Muttertag vor der Tür steht, fühle ich mich verpflichtet mich zu melden. Wie soll ich mich verhalten?

Christiane Hanke, Psychologin der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Palais e.V. in Trier: Beziehung und Wertschätzung sollten nicht an gesellschaftliche Zwänge wie Muttertag gebunden sein. Nehmen Sie den Kontakt zu Ihrer Mutter auf, wenn Sie sich dazu bereit fühlen.

 Vor gut einem Jahr haben wir unsere Tochter verloren und nach ihrem Tod hat der Schwiegersohn den Kontakt zu uns abgebrochen. Auch zu der Enkelin besteht seitdem kein Kontakt mehr. Wir leiden sehr. Was können wir tun?

Tanja Herz, Diplom-Sozialpädagogin der Lebensberatungsstelle des Bistums Trier in Saarburg: Trauer kann skurrile Formen hervorrufen.
Bleiben Sie liebevoll hartnäckig. Das heißt, senden Sie sogenannte Kontaktangebote und Gesten, die symbolisieren, dass Ihnen die Enkelin weiterhin wichtig ist und dass auch der Schwiegersohn willkommen ist. Trauer braucht viel Zeit.

 Mit der neuen Freundin ist der Kontakt zu meinem Sohn immer weniger geworden. Seit Monaten meldet er sich gar nicht mehr. Ich weiß mir keinen Rat.

Herz: Signalisieren Sie Ihrem Sohn, du bist und bleibst mein Kind, du bist mir wichtig, und ich möchte Kontakt zu dir. Bleiben Sie dran, und nutzen Sie die vielen Möglichkeiten, die es heute gibt: Mails, Kurznachrichten oder Briefe schreiben. Achten Sie aber darauf, dass Sie Ihrem Sohn keine Vorwürfe machen.
Klärung steht erst später an. Erst geht es darum, ein Fundament zu schaffen, den Kontakt überhaupt erst wiederherzustellen. Wenn keine Antwort kommt, haben Sie zumindest das Gefühl, dass Sie alles getan haben, was in Ihrer Macht steht. Danach kann ein weiterer Prozess, etwa der Trauer, erst einsetzen.

Ich hatte mehrere Jahre keinen Kontakt zu meinem Sohn, obwohl wir immer ein sehr enges Verhältnis hatten. Jetzt treffen wir uns wieder gelegentlich, aber ein klärendes Gespräch lehnt er ab. Damit kann ich schwer umgehen. Haben Sie einen Tipp?

 Soi Papanastasiou ist Psychologin der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle der Diakonie in Trier: Geben Sie sich und Ihrem Sohn Zeit. Auf ein klärendes Gespräch zu bestehen, könnte zu einem erneuten Kontaktabbruch führen.

Sie müssen für sich entscheiden, ob Sie den Kontakt ohne klärendes Gespräch weiterführen möchten.