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Sozialverbände: Zu wenig Geld für Betreuung von Alten und Behinderten

Die Pflege in Heimen hat sich verbessert - dennoch ist es oft schwer, herauszufinden, ob eine Einrichtung gut ist. Foto: Franziska Kraufmann
Die Pflege in Heimen hat sich verbessert - dennoch ist es oft schwer, herauszufinden, ob eine Einrichtung gut ist. Foto: Franziska Kraufmann
Trier. Die hauptamtliche Betreuung für behinderte, kranke und alte Menschen ist gefährdet. Weil die zuständigen Vereine ihre Kosten nicht mehr decken können, droht ihnen die Pleite. Rainer Neubert

Wenn Menschen nicht in der Lage sind, ihre Angelegenheiten selbst zu regeln, werden sie von gesetzlichen Betreuern vertreten, die von den Amtsgerichten bestellt sind. Etwa 3000 Menschen betrifft dies in der Region, davon 1800 in Trier. Zu Beginn übernehmen häufig besonders geschulte Fachkräfte von Sozialverbänden diese Aufgabe. Sie sind bei Betreuungsvereinen angestellt. Die aber geraten zunehmend in finanzielle Not. Denn die gesetzlich festgelegte pauschale Vergütung pro Mitarbeiter und Fall ist seit 2005 nicht erhöht worden. Die Zahl der Hilfsbedürftigen ist seitdem allerdings gestiegen. Viele Betroffene sind jünger und benötigen eine intensive Betreuung.

"Wir brauchen dringend eine Erhöhung der Vergütung", sagt Günter Crames vom Katholischen Verein für soziale Dienste (SKM). "Wir schaffen es finanziell nicht, eine weitere Legislaturperiode zu überleben." 3,5 Stunden pro Monat werden für jeden betreuten Menschen angerechnet, wenn dieser in der eigenen Wohnung lebt. Für Heimbewohner sind es zwei Stunden. Die Vergütung sei dadurch häufig unangemessen, sagt Caroline Klasen vom Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF) Trier. Sie nennt einen Fall, bei dem in zehn Monaten 105 Stunden Betreuung notwendig gewesen seien. Durch die pauschalierte Rückvergütung seien nur 32,5 Stunden bezahlt worden. "Und das ist nur ein Fall von vielen."

Der Deutsche Caritasverband, SKM und SKF fordern deshalb eine deutliche Erhöhung der abrechenbaren Stunden und des Stundenlohns. Andernfalls sei die vom Gesetzgeber gewünschte intensive persönliche Betreuung der Menschen nicht mehr zu leisten. Auch schwierige und aufwendige Fälle müssten dann von selbstständigen Berufsbetreuern und ehrenamtlichen Helfern übernommen werden.

SKM und SKF haben nun Bundestagsabgeordnete aus der Region eingeladen und diese über die prekäre Situation der Betreuungsvereine informiert. Katarina Barley (SPD) und Bernhard Kaster (CDU) sicherten auch im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund zu, sich für eine Gesetzesänderung und eine bessere Vergütung starkzumachen.

Extra:
Stellungsnahmen der regionalen Bundestagsabgeordneten zum Thema