A wie Ami, Z wie Zorro

Citroën galt über Jahrzehnte mit Fahrzeugen wie 2 CV, DS oder dem Traction avant als Vorreiter technischer Innovationen und schwamm oft gegen den Strom. Bestes Beispiel und ein weiteres Indiz dafür ist der 50. Geburtstag des Ami 6, der zu Frankreichs meistverkauftem Auto wurde und auch bei uns ein fester Bestandteil des Straßenbilds war.

Trier. Wer etwas hielt auf sich in den späten 60ern oder frühen 70ern des vergangenen Jahrhunderts, wer zeigen wollte, dass er dem Durchschnitt abgeschworen hatte und neuzeitlichem Denken jedweder Couleur offenstand, der kam als Automobilist an Citroën nicht vorbei. Der 2 CV - als Ente oder deux chevaux in die Geschichte eingegangen - war genauso Beispiel für den mobilen Aufbruch einer neuen Gene ration wie der größere Ami 6.
Wie auch der 2 CV wurde der Ami 6, den der damalige Generaldirektor Pierre Bercot die Lücke zwischen der Ente und der Bourgeois-Limousine DS füllen ließ, von einem luftgekühlten Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor be atmet. Erst 22, dann 24,5 PS schaukelten den Ami 6 durch die Lande. Denn durch das schrullige Äußere des Fahrzeugs bot das Auto mit der zerknautschten, fast traurig dreinblickenden Front und dem hohen Aufbau dem Seitenwind eine ideale Angriffs fläche. Wer bei Wind und Wetter mit diesem Fahrzeug unterwegs war, der durfte sich fühlen wie ein Kapitän auf der Kommando brücke bei Orkanstärke.
Fußgänger in Panik



Ausschlaggebend dafür war nicht nur die Z-Form des Autos mit der sich gegen die Fahrtrichtung neigenden Heckscheibe, sondern auch die Tatsache, dass der Ami 6 technisch fast identisch mit der Ente war. So hatte er auch deren Fahrwerk geerbt. Mit keinem anderen Auto konnte man sich dergestalt spektakulär in die Kurve legen, dass die Fußgänger panikartig davonstoben. Der schaukelnde Vorwärtsdrang des ungewöhnlich geschnittenen Franzosen - Z wie Zorro - versetzte andere Verkehrsteilnehmer oft in Angst und Schrecken. Der geübte Ami-6-Fahrer jedoch verstand es, auf der durchgehenden Sitzbank seinen Körperschwerpunkt so zu verlagern, dass er sich in Kurven mit der Hand am Schaltknauf abstützen konnte. Dieser ragte wie der Griff eines Regenschirms aus dem Armaturenbrett empor.
Eine Fangemeinde hat sich der Ami 6 auch 50 Jahre nach seiner Premiere bei uns noch erhalten. Ein kleines, aber feines Forum pflegt die Erinnerung an das Fahrzeug, von dem zwischen 1961 und 1969 rund 1,1 Millionen Exemplare verkauft wurden. Gerade in unserer frankophilen Region gehörte der Citroën Ami 6 wegen der zahlreichen Grenzgänger zum Alltag im Straßenbild.
Citroën warf später sein Konzept der stetigen Avantgarde ohne Not für lange Zeit über Bord. Die Absatzzahlen der eigen willigen Marke mit dem Doppelwinkel sanken auf ein Minimum. Doch mittlerweile hat sich das Haus der Gründerphilosophie André Citroëns nicht nur wieder erinnert, sondern sich auch auf sie besonnen. In neuen Produktlinien wie dem DS3, DS4 oder bald dem DS5 wird der Geist der Avantgarde wieder wach. Individualisten, die ein Faible für schrullige Autos wie den Ami 6 haben, werden es mit stiller Freude zur Kenntnis nehmen.
Eine Sonderausstellung
zum Citroën Ami 6 im Technikmuseum in Speyer bietet bis zum 16. Oktober eine informative und unterhaltsame Zeitreise an.
Öffungszeiten: Montag bis Freitag, 9 bis 18 Uhr, samstags sowie an Sonn- und Feiertagen von 9 bis 19 Uhr. Infos im Internet: http://speyer.technik-museum.de