Besser spät als nie

Spät steigt Audi ins boomende Segment der kompakten sport lichen Mehrzweckfahrzeuge ein. Der neue Q2, der im November startet, überzeugt stilistisch wie technisch. Er basiert auf dem Audi A3 und fährt sich handlich wie ein Kleinwagen.

Ingolstadt. Bei kompakten kompakten sportlichen Mehrzweckfahrzeugen (SUV) herrscht heute schon ein riesiges Modell angebot: Opel Mokka, Mini Countryman, Ford EcoSport, Honda HR-V, Hyundai ix20, Peugeot 2008, Renault Captur, {Scaron}koda Yeti, Suzuki Vitara, der neue Seat Ateca und etliche weitere. Hat da ein Neuling Chancen, der spät kommt und teuer ist? Die Neu erscheinung, die im November eingeführt wird, stammt von Audi, heißt Q2 und hat sogar sehr gute Chancen.
Zum einen, weil kompakte SUV-Modelle in der Gunst der Käufer ganz oben stehen. Aber vor allem, weil der Hersteller das Kunststück fertig brachte, ein handliches Sports Utility Vehicle als stilistisch wohl geratenen Kombi auf die Räder zu stellen - 4,19 Meter lang und damit kürzer als ein Golf, 1,51 Meter hoch und damit nur zwei Daumenbreiten mehr und ohne aggressives Imponiergehabe. Der Q2 sieht einfach gut aus. Trotz kompakter Außenmaße bietet auch die zweite Sitzreihe genügend Knie- und Kopfraum zumindest für zwei Erwachsene. Acht Zentimeter höhere Sitze als im A3 erleichtern das Ein- und Aussteigen. Hinten stören dabei etwas die engen Türausschnitte.
1050 Liter Gepäckraum bei umgeklappten Lehnen bot allerdings schon ein Fiat Panda vor 30 Jahren, und der war fast einen Meter kürzer. Dafür ist der Q2 nicht schwerer als ein Golf (Leergewicht ab 1205 Kilogramm). Sein Luftwiderstandsbeiwert (cw-Wert) von 0,30 liegt für die Klasse vorbildlich niedrig.
Farben und Materialien innen er innern an die Oberklasse. Neu für Audi ist, dass kunterbunte Sitzbezüge zur Wahl stehen, dass Zierkonsolen in verschiedenen Farben von innen beleuchtet werden können, und dass sich die hintere Dachsäule in Kontrastlack ordern lässt. Ein Fortschritt ist das auf Wunsch erhältliche umschaltbare digitale Cockpit, das an Brillanz und Schärfe kaum zu übertreffen ist. Dazu gibt es - meist wieder gegen Aufpreis - die neuesten elektronischen Assistenz- und Infotainmentsysteme bis hin zu ständigem Internet über die eingebaute Sim-Karte. Pre-Sense ist sogar Serie. Es erkennt kritische Fahrsituationen wie plötzlich querende Fuß gänger, warnt den Fahrer und aktiviert die Bremse, wenn dieser nicht richtig re agiert.

Drei Diesel und drei Benziner


Technische Basis für den Q2 ist der jüngst überarbeitete A3. Einstiegsbenziner ist ein 1,0-Liter-Dreizylinder mit 116 PS/85 kW und 200 Newtonmetern Drehmoment bei 2000 U/min. Der 1,4-Liter-Vierzylinder bringt 150 PS/110 kW und 250 Nm, mit 2,0 Litern 190 PS/140 kW und 320 Nm. Für die drei Diesel werden die gleichen Leistungs werte genannt und dazu stolze Dreh momente bis 400 Nm.
Mit vergleichsweise kurzem Radstand sowie vor allem mit der serienmäßigen neuen und sehr direkten Progressivlenkung wirkt der Q2 handlich wie ein Kleinwagen und schon mit 116 PS/85 kW sehr munter: bis zu 190 km/h, Beschleunigung aus dem Stand auf Tempo 100 in 10,7 Sekunden. Der Dreizylinder lässt sich kaum heraushören. Im Verbrauch bringt er aber gegenüber dem 150-PS-Vierzylinder nur einen sehr geringen Vorteil: nach Norm 4,8 statt 4,9 Liter.