1. Magazin
  2. Auto & Motor

Der Fünfer mit dem Ein-Finger-Fahrgefühl

Der Fünfer mit dem Ein-Finger-Fahrgefühl

Ein Touring war schon immer die schönste Form, einen 5er-BMW zu fahren. Und der Bayer verwöhnt mit Oberklasse-Luxus.

Aus Freude an der Schönheit: in puncto Ausstattungsqualität setzt BMW aktuell Maßstäbe.
Auch beim Stauraum legt der Edelkombi zu: Bei umgeklappter Rückbank steckt er 1700 Liter weg.

München Eigentlich hätte es ja keinen Neuen gebraucht. Begegnet einem der 5er-Touring auf der Straße, der unglaublicherweise bald zum Alteisen zählen soll, sieht man diesen zeitlos schönen Wagen: feinste BMW-Eleganz eben. Für die das Kürzel Kombi allzu schnöde tönt. Und selbst der Vorvorfahr des taufrischen Oberklasse-Bayern, ein Kind noch der Bangle-Ära, 2010 letztmals aus dem Blech gepresst, hat keine Patina angesetzt. So leistet sich der neue 5er, der im Juni ein halbes Jahr nach der Limousine startet, in puncto Design auch bloß Evolution. Klar, ein paar Kanten wurden kühner geführt, die Muskeln gestählt. Die Scheinwerfer reichen nun bis zur Doppelniere. Da guckt der Neue ganz schön grimmig. So wie der Söder halt, wenn der Seehofer ihm mal wieder klar macht: Mit dem Ministerpräsidenten in Bayern wird das nix!
Das wahre Meisterstück der Designer besteht ohnehin in dem, was man übersieht. Was man nämlich nicht merkt: Der Nobelfrachter ist nicht bloß rund 100 Kilogramm leichter, er streckt sich im Vergleich zum Vorfahr auch um knapp vier Zentimeter so merklich, dass man in Front und Fond luftiger logiert und mit mehr Kopffreiheit zusteigt. Auf die Rückbank passen jetzt sogar drei Kindersitze. Nicht nur in der Qualität, auch in den Ausmaßen rückt der neue 5er da dem Bayern-Flaggschiff 7er bedrohlich nahe.
Auch bei jenem Punkt, der bei Kombi-Käufern doppelt zählt, legt der Transporter zu: 570 Liter Stauraum sind es, bleibt die Rückbank aufrecht. Rund zehn Liter mehr als zuvor. Und 1700 Liter sind es, fallen alle Lehnen. 30 Liter beträgt dann das Plus. Die Fondlehnen lassen sich übrigens im Verhältnis 40:20:40 per Knopfdruck umlegen. Okay, nicht weltbewegend der Raumgewinn, aber manchmal bringt das doch das entscheidende Quäntchen mehr, versucht man nach dem Besuch im schwedischen Möbelhaus, Billy und Björksnäs noch reinzuquetschen. Was Viellader ohnehin schätzen: Nach wie vor lässt sich die Heckscheibe separat öffnen. Und für die Kassetten mit Heckrollo und Laderaumabdeckung gibt's auch endlich eine bessere Lösung, als sie vor dem Großeinkauf in der Garage zu deponieren. Unterm Ladeboden lassen sich die Kassetten nun fix verstauen. Selbst, wenn man einem Edelkombi wie dem 5er-BMW das Lastesel-Dasein eigentlich gar nicht zumuten möchte, geht der Touring dank serienmäßiger Luftfederung an der Hinterachse und automatischer Niveauregulierung so schnell jedenfalls nicht in die Knie. 730 Kilogramm Höchstzuladung schafft er jetzt. Da könnte man locker zwei Zentner Zement mehr reinwuchten als früher. In die Verlegenheit werden 5er-Touring-Käufer aber wohl seltener kommen. Wer Minimum 47 700 Euro (520d mit 190 PS und Sechsgang-Schaltung) für ein Auto ausgeben kann, lässt wahrscheinlich eher bauen. Einmal mehr allerdings wundert man sich auch, wie BMW bei den Preisen draufpackt: Der Touring ist gut 2500 Euro teurer als das Stufenheck. Heftig.
Dafür bekommt man allerdings einen Wagen, der dank elektronisch regelbarer Fahrprogramme von dynamisch bis kommod alles kann. Selbst die Belästigung durch Holperpisten hält der Bayer erfolgreich von seinen Passagieren fern. So bleibt Muße, sich an der Sinfonie aus Edelholz, geätztem Metall und Leder zu ergötzen, mit dem BMW seinen Touring adelt. Und in den schier unendlichen Möglichkeiten der Bordelektronik zu versinken, die auch auf Gestensteuerung reagiert. Ein riesiger Bildschirm fesselt die Aufmerksamkeit, während der voll vernetzte Wagen schon mal die freie Parklücke in der City aufspürt. Und die Außen- und Fahrschalldämmung ist nun so überzeugend, dass auch Klassikfreunde ihren rollenden Konzertsaal gar nicht mehr verlassen möchten.
Dank diverser Assistenzsysteme wie Abstandstempomat, Spurhalteassistent und selbsttätiger Spurwechsel könnte man sogar das Lenkrad loslassen. Nach rund 30 Sekunden wird man aber genötigt, wieder zuzugreifen. So legt man dann eher einen Finger lässig ans Lenkrad - und lässt sich quasi chauffieren. Nur selbst zu fahren, ist dann noch schöner. Und ob kleiner oder großer Diesel (530d mit 265 PS) oder die vorerst zwei Benziner (530i mit 252 PS und 540i Xdrive mit 340 PS), es geht auch dank der Acht-Stufen-Steptronic stets zügig voran. Schwächere Benziner und der Dampfhammer, der M550d mit 400 PS, folgen noch. Beim Tritt aufs Gaspedal und der ersten Kurve weiß man's dann sicher: Der 5er-Touring ist ein echter BMW. Schick und schnell auf allen Straßen.