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Der Micra: Einst Knutschkugel, jetzt polarisiert er

Der Micra: Einst Knutschkugel, jetzt polarisiert er

Nissan hat den erfolgreichen Kleinwagen Micra einem Strukturwandel unterzogen. Aus der ehemaligen „Knutschkugel“ für die Frau von Welt ist ein völlig anderes Auto geworden, das in vielerlei Hinsicht runderneuert antritt.

Sieben Jahren Laufzeit: das ist in der Regel der temporäre Ablauf für den Wechsel einer Modellreihe. Beim Micra ist das nicht anders: Doch das, was jetzt zu einem Preis ab 12.990 Euro als die fünfte Generation des Kleinwagens aus der virtuellen Schublade kommt, ist nur noch nominell der Nachfolger von Micra Nummer vier. Nicht aber optisch und schon gar nicht in punkto Technik.

Wo früher weichgespülte, gefällige Glubschaugen bei einem wohlgeformten halbrunden Etwas an Automobil vorherrschten, spiegeln jetzt divergierende Formen mit einem Design, das zum polarisieren, zumindest aber zum diskutieren, anregt wider: Hier kommt nicht nur eine neue Generation, hier kommt (fast) ein neues Auto.

Wie einst beim umstrittenen BMW-Designer Chris Bangle spiegeln die Ergebnisse der Blechkleid-Schneider von Nissan am neuen Micra mit vielen konvexen und konkaven Form-Elementen den Willen zur Veränderung wider. Nichts ist mehr vorhersehbar, nichts mehr langweilig an diesem vier Meter langen Auto, das in seiner Klasse seinesgleichen sucht. Obwohl um acht Zentimeter in die Breite gegangen, wirkt er nicht satt und breit, sondern eher dominant in seinem wechselvollen Karosserie-Spiel. Ein Alleinstellungsmerkmal des Neuen ist vor allem die auffällig geschwungene seitliche Sicke des City-Japaners.

Um 17 Zentimeter (!) ist der Micra jetzt gewachsen. Kein Wunder, dass sich das im Raumangebot positiv bemerkbar macht. Dank Sitzhöhenverstellung und zweifach einstellbarer Lenksäule lässt sich problemlos eine passende Sitzposition einnehmen. Die Instrumente mit allen wichtigen Fahrdaten und Navi-Karten sind klar gegliedert, in großen Displays (fünf oder sieben Zoll) gut ablesbar. Auch beim Kofferraumvolumen hat der neue Nissan Micra mit 300 Liter zugelegt. Geht man dann noch hin und klappt die asymmetrisch geteilte Rückbank um, kommt man auf 1004 Liter

Für den Antrieb stehen zwei Benzinmotoren und ein Dieseltriebwerk zur Verfügung. Das Einstiegsaggregat ist der 73 PS starke Dreizylinder-Benziner mit einem Liter Hubraum. Darüber rangiert ein kräftiger Turbobenziner mit ebenfalls drei Zylindern, der aber aus nur 0,9 Litern Hubraum 90 PS generiert. Die gleichen Leistungsdaten gelten auch für den 1,5-Liter-Turbodiesel mit vier Zylindern. Neben einer manuellen Gearbox wird es zu einem späteren Zeitpunkt auch eine stufenlose Getriebe-Automatik geben, mit der Nissan vor allem die älteren Käuferschichten ansprechen will. Auch ein weiterer Beninmotor mit deutlich mehr Leistung soll das Angebot noch komplettieren.
Die Ausstattung ist für einen Kleinwagen schon in der Basisversion Visia erstaunlich. Sie beinhaltet unter anderem sechs Airbags und Notbremsassistent sowie Lichtsensor. "Assis" wie Notbremsfunktion mit Fußgängererkennung oder Spurhalte- und Toter-Winkel-Warner findet man in der höchsten Ausstattungsstufe Tekna (ab 19 990) Euro.

Jürgen C. Braun