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Der neue Countryman macht sich lang

Der neue Countryman macht sich lang

Unter den Spielarten des Mini ist das kompakte sportliche Mehrzweck fahrzeug (SUV) eine der erfolgreichsten. Die neueste Generation ist auf Golf-Format gewachsen.

München Mächtig maxi, dieser Mini. Nichts aber wolle die Kundschaft mehr als Größe, sagen die Mini-Macher. Denn viele Mini-Fans sind nun in diesem gewissen Alter. Dem Familienalter nämlich, in dem sie Platz brauchen für ihre Kinder. Deshalb streckt sich der neue Countryman kräftig. Dabei war schon sein Vorgänger eine Art Gulliver im Reich der Auto- Liliputs. 20 Zentimeter in der Länge, drei in der Breite hat das britisch-bayerische Kompakt-SUV in der zweiten Auflage draufgepackt - und zudem gute 100 Kilogramm mehr Gewicht samt satten 3000 Euro Preisaufschlag. Dafür ist er nun einen Tick länger als ein aktueller VW Golf.
Das zahlt sich aus: Hinter einer auch per Fußbewegung schließbaren Heckklappe gibt es mit 450 bis 1390 Litern genügend Stauraum. Und ein pfiffiges Detail, auf das wohl nur Mini kommt: Die Picknick-Bench dient als Einladeschutz und Pölsterchen zugleich. So kann man auf der Kofferraumkante bequem sitzen und einen Wimbledon-Imbiss - Erdbeeren und Champagner - ver speisen. Weniger snobbish gesinnte Zeitgenossen wechseln darauf zum Beispiel Lauf- oder Skischuhe.
Auf dem regulären Gestühl geht es im Fond wie vorne sehr an genehm und geräumig zu. Der Fahrer weiß zudem das SUV-Plus an Höhe zu schätzen, das mehr Überblick über Straße und Ge lände beschert - falls der Countryman tatsächlich mal raus darf in Matsch und Modder. Den passenden, cleveren Allradantrieb dazu hat er jedenfalls. All4 getauft, kann man ihn nun in Kombination mit allen Motorvarianten ordern.
Im Grunde bleibt der Countryman damit jedoch ein erfreulich agiler Fronttriebler. Ist dann doch mal mehr Traktion nötig, gibt's auch hinten Schub. Und die elektro nische Regelung wie auch die Achtgang-Steptronic ver richten ihre Dienste mit der unerschütterlichen Souveränität eines englischen Butlers. Der Motorsound ist jedoch nicht wirklich von Adel: Der 192 PS/141 kW starke Vierzylinder im Cooper S gibt den kernigen Landmann, hat dafür aber reichlich Kraft. Im Basismodell Cooper Countryman werkelt ein 1,5-Liter-Dreizylinder mit 136 PS/100 kW. Mit vier Motoren - zwei aufgeladene Diesel (150 PS/100 kW und 190 PS/140 kW) sowie die beiden genannten Turbobenziner - geht der Countryman an den Start. Noch dieses Jahr folgen Kraftprotz John Cooper Works und Saubermännchen Cooper SE mit beachtlichen 224 PS/165 kW System leistung. Rein elektrisch schafft dieser Plug-in-Hybrid 40 Kilo meter - genug immerhin, um abgasfreie Innenstädte anzusteuern.
Auch im Fahrverhalten zeigt sich der Wagen erwachsener, geschmeidiger. Man könnte auch sagen langweiliger, weil weniger hart und giftig. Gewiss, die wieselflinke Verwandtschaft ist noch zu ahnen. Von der hoch gerühmten Kart-Flinkheit eines Mini jedoch bleiben bloß Relikte, selbst wenn man unter den drei wählbaren Fahrmodi auf Sport schaltet. Dafür sind auch lange Touren mit dem Countryman eine Freude.
Das typische Mini-Feeling transportiert sich eher durchs Design. Zum Knuddeln ist der Countryman entschieden zu groß, die charakteristischen Proportionen weisen ihn aber unverkennbar als Mini aus. Selbst wenn er mit den ovalen Scheinwerfern und den hängenden Lefzen der Chromspange im Frontgrill (beim Cooper S) wie eine Bulldogge beim Mittagsschläfchen aussieht.
Innen aber herrscht vollkommenes Mini-Glück. Das Zentraldisplay, das in bunten Farben schillert, lässt sich via Touch screen überzeugend intuitiv bedienen. Dank Head-up-Display kann zudem der Blick während der Fahrt auf der Straße bleiben.