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Der Reichweiten-Champion der Elektroautos

Der Reichweiten-Champion der Elektroautos

Opel hat den neuen Ampera-e vorgestellt. Die maximale Reichweite des Kleinwagens mit rein elektrischem Antrieb soll 520 Kilometer betragen.

Rüsselsheim Während Deutschland trotz (verhaltener) staatlicher Förderung noch weit davon entfernt ist, ein Land der Elektroautos zu werden, hat sich Norwegen an die Spitze in Europa gesetzt. Vor allem großzügige Kaufanreize und bessere Lade-Infrastruktur haben für diesen Boom gesorgt. Die Skandinavier sind auch weltweit, neben Kalifornien, die besten Kunden von E-Fahrzeugen.
Im Straßenbild fallen die Stromer auf: Wohin man schaut, begegnen sie einem in großer Zahl. Egal, ob Renault Zoe oder Nissan Leaf, ob VW e-Golf, Tesla oder BMW i3, überall wuseln sie rund um Oslo durch den Verkehr. Da will der neue Ampera-e, den Opel soeben im "Elektro-Land" präsentiert hat, mitmischen.
Der Kleinwagen hat das Zeug dazu, denn er gehört zu den spurtstärksten Vertretern seiner Zunft und bietet die größte Reichweite. Die Elektro-Maschine leistet 204 PS/150 kW und durchzugsstarke 360 Newtonmeter Drehmoment. Heraus kommen Spitzenwerte fast auf dem Niveau eines Sportwagens. Der Ampera-e beschleunigt aus dem Stand auf Tempo 100 in 7,3 Sekunden. Der Schub ist typisch für Elektromobile. Freilich beträgt bei häufigem Abruf der Leistung die maximal angegebene Reichweite nicht 520 Kilometer, sondern eher knapp 400 Kilometer. Aber das sind durchschnittlich 30 Prozent mehr Leistung als bei den Konkurrenten. Ausgenommen ist der Tesla S, der mit 85 kWh rund 525 Kilometer schafft, aber rund 90 000 Euro kostet.
Der 60-kWh-Energiespeicher (Lithiumionen-Batterie) des Ampera-e mit 96 Zell-Paketen befindet sich in einem stabilen, käfigartigen Unterboden. Das Mordsding wiegt allein 430 Kilogramm bei insgesamt 1700 Kilo Leergewicht. Die Akkus setzen den Schwerpunkt tiefer und bewirken eine höhere Sitzposition.
Tritt der Fahrer das Pedal durch, geht der Ampera-e ab wie Schmitz' Katze. Ein Handicap bleibt freilich das Nachladen auf längeren Strecken. Je nach Ladestation dauert es seine Zeit, bis die Akkus wieder voll sind. An öffentlichen Stationen mit Starkstrom werden pro 30 Minuten Ladezeit bis zu 150 Kilometer Reichweite geladen, an der Haushaltssteckdose nur sechs Kilometer. Unterwegs kann es allerdings Erschwernisse geben. Zum Beispiel müssen an der Ladestation auch noch Abbuchungskarte und Stecker passen, nicht zuletzt muss der Parkplatz frei sein. Helfen soll die My Opel App, die den Fahrzeug-Status checkt, mit der Navigation die Route nach Reichweite ausrechnet und eine kompatible Ladestation sucht. Unter anderem kann man per App über die Fernbedienung veranlassen, dass die Standheizung das Auto vorheizt.
Kein Elektroauto ohne Energierückgewinnung. Opel geht einen Schritt weiter und führt den L-Modus bei der Automatik-Einstellung ein. In dieser Wahlhebelposition bremst der zum Generator umfunktionierte Elektromotor, sobald man das Fahrpedal nicht mehr drückt. Die Verzögerung fällt so deutlich aus, dass die Heckleuchten sogar den Hintermann warnen. Wer will, kann das Energiesparen zudem über eine Wippe links hinter dem Lenkrad steuern und muss dann noch seltener auf die Bremse treten.
Das 4,16 Meter lange Auto wird von Opel zu Recht als echter Fünfsitzer bezeichnet, weil kein Mitteltunnel stört, auch keine Seitenschweller. Der Gepäckraum fasst 381 Liter und kann auf bis zu 1274 Liter erweitert werden - ein guter Wert im Kleinwagen-Segment. Auf ein Reserverad verzichten die Rüsselsheimer, weil bei einem Reifenschaden die Stelle automatisch abgedichtet wird.
Opel stattet den Ampera-e mit fast allen Assistenzsystemen (teilweise optional) aus, sogar eine Warnung vor Fußgängern ist an Bord. Bei der Digitalisierung bietet das E-Auto ebenfalls das komplette Programm. Im Cockpit finden sich ein Acht- und ein Zehn-Zoll-Display. Gesorgt ist zudem für die Smartphone-Integration und Opel On-Star, den individuellen Service-Assistenten.
Der Ampera-e wird zusammen mit dem neuen Mittelklassemodell Insignia am 24. Juni bei zunächst 40 ausgewählten Händlern vorgestellt, aber bis zu den ersten Auslieferungen an Käufer wird es noch bis Herbst dauern. Bestellen kann man ihn schon jetzt.
Opel beginnt in Deutschland mit der Vollausstattung First Edition, die nach Abzug des Förderungsbetrages noch 39 680 Euro kostet. Erst später soll die Einstiegsvariante folgen, die mit Förderung für 34 950 Euro statt 39 330 Euro zu haben ist: 2000 Euro vom Staat, 2000 Euro von Opel und auch noch 380 Euro weniger Mehrwertsteuer.
Gebaut wird der Ampera-e im GM-Werk in Orion Township im US-Bundesstaat Michigan zusammen mit dem Schwestermodell Chevrolet Bolt.