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"Dienstwagen" bei der Rallye-WM: Der Ford Focus ST im TV-Test

"Dienstwagen" bei der Rallye-WM: Der Ford Focus ST im TV-Test

In der Kompaktwagenklasse ist es nicht nur als "Zuckerl" gedacht, dem Kunden eine in Optik und Leistung auf Sportlichkeit getrimmte Version anbieten zu können. Ob GTI, OPC, FR oder wie auch immer: in diesem hart umkämpften Volumen-Segment ist eine puristische Top-Version vonnöten, um mithalten zu können.

Foto: Jürgen C. Braun

Ein solches Fahrzeug fuhren wir zum richtigen Zeitpunkt: Der Ford Focus ST mit dem 250 PS starken 2.0 Liter Ecoboost-Triebwerk des aktuellen Jahrgangs 2014 war unser "Dienstfahrzeug" beim deutschen Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft rund um Trier.

Knappe 200.000 Zuschauer an vier Tagen aus ganz Europa zwischen den Mosel-Weinbergen und den berüchtigten "Hinkelsteinen" auf der Panzerplatte. Da sollte man inmitten der mit Leistung vollgestopften World Rallye Cars (WRC) schon ein wenig auffallen, wenn man im Strom "mitschwimmt." Was wir in diesem Falle auch taten. Alleine schon aufgrund der grellen Farbe: "Sunset-Gelb Metallic" nennt sich der Anstrich für den Focus ST, bei dessen Anblick der Rallyeverrückte Autofahrer schon mal genauer hinguckt. Und wohl auch noch eine Weile dort verweilt. Denn der fünftürige ST mit seiner kurzen Abrisskante (Dachspoiler) am Heck, dem Auspuff mit dem zentralen Doppelendrohr, Heckdiffusor, Seitenschweller und dem Kühlergrill im speziellen ST-Design macht, auf 235er 18 Zöllern ruhend, einen mächtig martialischen Eindruck.

Ford, das haben nicht nur die Herren Elfyn Evans und Mikko Hirvonen bei der WM-Rallye in diesen Tagen mit ihrem Fiesta RS WRC gezeigt, ist in der Lage, ebenso schöne wie schnelle und den Erfordernissen angepasste Autos zu bauen. Doch der Kompaktsportler ist nicht nur ST, er ist auch noch Focus. Und das heißt, er ist ein zwar auf Sportlichkeit, aber auch auf Alltagstauglichkeit getrimmtes Fahrzeug, das zur Familie des weltweiten Ford-Millionsellers gehört. So sehr auch Alu-Pedalerie, Einstiegsleisten, Lederausstattung, Power-Knopf oder die Instrumenten-Anzeige für Öldruck, Öltemperatur und Ladedruck beeindrucken, so sehr ist das Fahrzeug auch von seinen Abmessungen her doch immer noch ein Focus.

Das heißt, er bietet als echter Fünfsitzer auch den Passagieren in der zweiten Reihe genügend Kopf- und Beinfreiheit, er hat einen Gepäckraum (363 - 1148 Liter), der ebenso wie die mögliche Zuladung von 588 Kilogramm auf die Einkaufs- und Urlaubsbedürfnisse einer Familie zugeschnitten ist. Auch wenn er dort in der Regel wohl seltener anzutreffen ist. Denn der 250 PS starke Fronttriebler ist alleine schon aufgrund seiner Fahrwerkskomponenten, seines Drehmomentes (360 Nm bei 2000 - 4500 U/Min), und seiner Höchstgeschwindigkeit (248 km/h) ein Supersportler unter den Kompakten. Der Abgas-aufgeladene Zweiliter EcoBoost-Motor, ein Reihen-Vierzylinder mit zweifach oben liegender Nockenwelle (DOHC), verhilft dem aktuellen Focus ST zu jenem Fahrspaß, der durch die Optik suggeriert wird.

Vom Start weg meldet sich nach kurzem Luft holen der Turbo zu Wort. Auf der freien Autobahn zeigt der ST, was er unter Boost versteht und zieht mit unwiderstehlicher, präziser Kraftdosierung über das manuelle Sechsgang-Getriebe bis an die 250-km/h-Marke heran. Geht man dagegen mit dem Kompaktsportler einmal ins enge Landstraßen-Geschlängel, reagiert die direkte Lenkung eindrucksvoll auf kleinste Bewegungen und das Heck zuckt mitunter ein wenig.

Für derlei Randerscheinungen der Leistungsentfaltung hat Ford im Focus ST vorgesorgt. Neben ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung (EBD) gehören ein elektronisches Stabilitäts-System (ESP), Reifendruck-Kontrollsystem, ein Toter-Winkel-Warner und LED-Tagfahrlicht zum serienmäßigen Sicherheits-Paket.

Ford hat das Fahrzeug aber auch im Innenraum nicht nur optisch der Leistungs-Charakteristik angepasst, sondern auch endlich das zuvor reichlich mit allerlei kleinen Knöpfchen, Rädchen und einem puppigen Bildschirm versehene Cockpit aufgeräumt. Vor den beiden Recaro-Sportsitzen offenbart sich nun ein großer Touchscreen und im (im Falle unseres Testwagens) mit ST-Komfortpaket und Fahrer-Assistenzpaket. Die beiden letzteren zum Aufpreis von 590 und 1200 Euro. Der Grundpreis des Ford Focus ST mit Leder-Exclusiv-Pakt, angetrieben von dem 2.0 Liter Ecoboost mit 250 PS, beträgt 31.750 Euro.