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Ein Auto mit zwei Körpern

Beim Osi Silver Fox von 1967 sitzen Fahrer und Beifahrer in je einem eigenen Fahrzeugrumpf. Foto: karmannghia.it
Beim Osi Silver Fox von 1967 sitzen Fahrer und Beifahrer in je einem eigenen Fahrzeugrumpf. Foto: karmannghia.it
Trier. Die Produktion von Automobilen sollte eigentlich an der alltäg lichen Praxis orientiert sein. Dass es auch anders geht, haben unzählige Tüftler und Bastler in vielen Jahrzehnten unter Beweis gestellt. So auch bei einem italienischen Wagen, der vor 45 Jahren für ungläubiges Staunen sorgte. Denn wer um Himmels willen braucht ein Doppelrumpfauto? Jürgen C. Braun

Trier. Concept Cars nennt man heute im Allgemeinen Fahrzeuge, die als Studien oder auch als fertige Produkte auf Messen gezeigt werden. Danach verschwinden sie entweder wieder in der Schublade oder gehen in Serie. Nicht anders war es beim Turiner Autosalon im Jahr 1967. Dort wurde der Silver Fox (Silberfuchs) vorgestellt, ein Doppelrumpfauto, das von Design-Guru Ghia entworfen worden war. Das Unternehmen Osi (Officine Stampaggi Industriale) in Turin hatte es nach den Vorstellungen eines italienischen Rennfahrers namens Giuseppe Taruffi gebaut. Die Firma Osi war 1960 als Werk für industrielles Blechpressen entstanden. Sie war das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen Ghia und dem Elektronik konzern Olivetti. Osi hatte sich vor allem auf die Produktion von Kleinwagen, Prototypen und Sonderkarosserien spezialisiert. Die Kunden des Hauses waren überwiegend Fiat, Alfa Romeo und Hersteller, die Ford-Komponenten als Basis verwendeten. Der Silver Fox zählte zu den exotischsten Fahrzeugen des Hauses. Bei ihm war der Fahrzeugkörper war wie ein Katamaran aufgebaut. Während der Fahrer mitsamt Cockpit und Lenkeinheit in dem rechten Teil des Fahrzeugs saß, war der Motor im zweiten Teil (daher Doppelrumpf) untergebracht. Dort war auch Raum für eine Begleitperson geschaffen.In den 1960er Jahren war Osi eine italienische Ideenschmiede. Neben dem Doppelrumpfwagen Bisiluro Silver Fox entstanden dort Fahrzeuge wie das Fiat 2300 Coupé, der Ford Anglia Torino, der Alfa 2600 und die Kombi version des Fiat 125. Auch Einzelstücke wie ein Fahrzeug mit niederländischer Daf-Technik und eine Sicherheitslimousine auf Basis des Fiat 1500 mit Namen Osi Secura wurden in dem Turiner Werk produziert. Die Erinnerung an den seltsamen Nischenbetrieb wird noch heute mit viel Liebe zum Detail gepflegt. Auf einer eigenen Website diskutieren Osi-Freunde, die sich auch im wirklichen Leben noch regelmäßig treffen, über die seltenen Kreszenzen des Hauses aus den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.Der italienische Betrieb stellte allerdings nach finanziellen Problemen bereits 1970 den Karosseriebau ein. Bis zum Anfang des neuen Jahrtausends war das Haus noch als Zulieferer in der Autoindustrie tätig. Der Silver Fox dagegen hat nie eine Straße gesehen, er blieb ein Einzelstück. Das Gleiche galt für ein weiteres Produkt aus der Serie "Autos, die die Welt nicht braucht": Der Osi Scarabeo auf technischer Basis des Alfa Romeo 1600. http://osicar.de