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Ein gelungener Tabubruch im Süden

Ein gelungener Tabubruch im Süden

Alles neu bei BMW: Kompaktvan, Vorderradantrieb, Dreizylinder. Der 2er Active Tourer kommt spät, doch dank vieler Motoren und Ausstattungen hat er in seinem Segment gute Chancen.

Es war einmal: 1992 hat der Designer Giorgetto Giugiaro ein siebensitziges Konzeptfahrzeug mit BMW-Technik vorgestellt. Dieser Van mit V12-Motor und 300 PS/220 kW hieß Columbus und ging nicht in Serie. Foto: Italdesign

München. Lange hat sich BMW mit der Entscheidung schwer getan. Im Hause gab es offensichtlich eine starke Fraktion, die die Marke in zwei wesentlichen Punkten nicht verwässern wollte: kein Vorderradantrieb und keine kompakten Vans. Nun sind diese Tabus Geschichte. Am 27. September kommt der neue 2er Active Tourer in den Handel, ein frontgetriebener Kompaktvan.
Trotz des neuen Konzepts ist der Wagen von außen sofort als BMW zu erkennen. Und er lässt sich auch so fahren. Neue Konkurrenz also für die B-Klasse von Mercedes und den VW Golf Sportsvan. Der komplett neu entwickelte 2er Active Tourer bietet auf 4,34 Metern Länge viel Platz für bis zu fünf Insassen und einen großen, vielseitig nutzbaren Gepäckraum. Dieser fasst 468 Liter, bei umgeklappter Rückbank bis maximal 1510 Liter. Der Lade boden mit Staufach ist in Ab teilungen faltbar. Die hintere Sitzbank lässt sich dreiteilig (40:20:40) umklappen. Gegen 300 Euro Aufpreis kann man die Sitze verschieben und per Knopfdruck umklappen. Es entsteht eine durchgängige Ladefläche. Sogar Sportgeräte bis 2,40 Meter Länge passen hinein. Zweifellos bringt der Frontantrieb Vorteile bei der Fuß- und Beinfreiheit.
Interieur und Cockpit - mit Tacho und Drehzahlmesser als große Rundinstrumente - sowie die Materialien lassen keinen Zweifel daran aufkommen, in einem BMW zu sitzen. Gegen Aufpreis ist eine große Zahl an Individualisierungsmöglichkeiten erhältlich, dazu zahlreiche Fahrer assistenten aus den größeren Modellen. Neben der Basis ausstattung gibt es die Stufen Advantage, Sport Line, Luxury Line und M Sport, die zwischen 1350 und 4650 Euro mehr kosten.
Bis Ende des Jahres stehen drei Benzin- und drei Dieselmotoren zur Verfügung. Bei ersten Testfahrten ließ der BMW 225i Active Tourer mit 231 PS/170 kW starkem 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner und serien mäßigem Automatikgetriebe (ab 37 950 Euro) leistungsmäßig kaum Wünsche offen. Er verbraucht nach der Norm 6,0 Liter Super (CO{-2}-Ausstoß: 139 g/km). Während einer Tour durch die Alpen waren es gut zehn Liter. Ab November wird der 225i auch als Allradversion XDrive ausgeliefert. Gleich zu Beginn gibt es den 218i mit 1,5-Liter-Dreizylinder (136 PS/100 kW) ab 27 200 Euro. Der 220 i (192 PS/141 kW) kommt später.
Als echtes Sahnestück hat sich der 218d entpuppt. Er leistet 150 PS/110 kW und 330 Newtonmeter Drehmoment, besticht durch einen leisen und vibra tionsarmen Auftritt. Nach der Norm begnügt der Diesel sich mit 4,1 Litern (CO{-2}: 109 g/km). Erhältlich ist er ab 31 050 Euro. Der Dreizylinder-Diesel 216d mit 116 PS/85 kW ist für November ab 28 950 Euro angekündigt. Auch der 220d (190 PS/140 kW) kommt später.
Ambitionierte BMW-Fahrer brauchen keine Sorgen zu haben, der 2er lenke sich nicht dynamisch genug. Den ersten Frontantrieb der Neuzeit haben die Münchner sehr gut hinbekommen, bis hin zur zielgenauen Sportlenkung. Der Active Tourer wird seinem Namen gerecht und lässt sich durchweg agil fahren. Auch die Fahrwerksabstimmung - eine geschmeidige Mischung aus etwas straffer und komfor tabler Ausrichtung - ist gelungen. Der Fahrer hat zudem die Wahl zwischen drei Stabilitätsmodi. Sie reichen vom frühen Eingriff bis zum ausgeschalteten DTC-Modus. Bei Spurwechsel-Messungen soll der 2er Active heckgetriebenen BMWs in nichts nachgestanden haben.
Künftig wird BMW die Plattform des 2ers in allen Modellen vom Mini bis zu den Fahrzeugen von etwa 4,50 Metern Länge verwenden. Dabei werden auch die Drei zylinder-Turbomotoren eine tragende Rolle spielen.