Fahrbericht Mercedes-Benz E 300 Coupé

Test : Magie der Schönheit: TV-Fahrbericht Mercedes-Benz E 300 Coupé

Keine Karosserieform spaltet die Auto-Liebhaber mehr als die des Coupés: Unsagbar elegant, von bewundernswerter graziler Attitüde. Aber auch alles Andere als ein Fahrzeug, das man seiner funktionellen Vorteile wegen kauft. Kein Familienwagen, umständlich, auf die Plätze zu gelangen, eingeschränkte Rundumsicht.

Ja was denn nun: Dr. Jekyll oder Mr. Hyde? Die Schöne oder das Biest? Der Praktische oder der Unvernünftige? Der Genießer oder der Malocher? Wir wollten es wissen und fuhren das neue Coupé der E-Klasse von Mercedes-Benz. In diesem Fall den 300er mit einem aufgeladenen Vierzylinder-Turbo und 245 PS.

Der Stuttgarter Autobauer bietet seit den 1960er Jahren Coupés seiner mittleren Baureihe an. Doch erst seit der neuesten Generation der E-Klasse ist auch bei der zweitürigen Karosserie-Variante E drin, wo E draufsteht. Lange wurde diese Option des stählernen Körpers von der C-Klasse abgeleitet. Das trügerische Kleid der Mogelpackung haben die Schwaben dem Beau in Blech jetzt ausgezogen

Foto: Jürgen Braun

Bewusste Abgrenzung

Coupé-Fahrer gehen mit anderen Präferenzen an den Kauf eines Fahrzeugs heran. Weshalb das, viele tägliche Teilnehmer am Straßenverkehr als Einschränkung empfinden, von den Besitzern der „abgeschnittenen Autos“ (aus dem französischen couper = schneiden) gar nicht als Solches betrachten. Viel eher als wohl bewusste Abgrenzung von der Masse der Limousinen und Kombis, die sich über unseren Asphalt quetschen. Funktionale Nachteile werden eher goutiert als bedauert: „Brauchen wir nicht. Geht an uns vorüber. Wir sind die Lässigen, die Schönen.“

Kommt dann noch eine perfekte Anmutung und Eleganz hinzu, so wie das bei in diesem Fall durch die Auswahl der Materialien und deren Verarbeitung gegeben ist, dann ist der gewollte Aha-Effekt erreicht.

Dennoch hat der Hersteller auch dem Coupé die Praxis-bezogenen Attribute in dem extravaganten Interieur mit der weiß-beigen Leder-Landschaft nicht versagt: Alle vier Seitenfenster lassen sich herunterfahren, die, Ski-Durchreiche ersetzt die Armlehne, wenn man sie herunterklappt. Zudem lassen sich auch vom knapp bemessenen Kofferraum (425 Liter gegen 540 der Limousine) aus beide Sitzlehnen umlegen.

Wer will schon die Basisversion

Beatmet wird der 300er von einem direkt einspritzenden Vierzylinder-Turbo mit 245 PS und einem stattlichen maximalen Drehmoment von 370 Newtonmeter. Markentypisch erfolgt der Antrieb über die Hinterräder, 4matic gibt es für den 300er nicht. Für die Kraftübertragung sorgt eine seidenweiche Neungang-Automatik. Dass es für Fahrzeuge dieses Herstellers und dieser Bauart so etwas wie eine Basisversion gibt, entlockt ein mildes Lächeln. Die Liste der Aufpreis-pflichtigen Optionen gestattet die Möglichkeit, sich einen gut ausgestatteten kompakten Gebrauchtwagen „nebenher“ zu gönnen. Aber auch hierbei ist es wie bei der Form des Fahrzeugs: Wird nicht als Nachteil, sondern eher als Auszeichnung empfunden.

Der Vollständigkeit halber möchten wir Annehmlichkeiten wie Comand Online (3273 Euro), Fahrer-Assistenzpaket und Luftfederung (beides 2261 Euro) nicht unerwähnt lassen. Wozu wir auf jeden Fall raten, ist, die Hilfe des Head-up-Display (1178 Euro) oder einer Rückfahrkamera (1012 Euro mit Park-Pilot) in Anspruch zu nehmen.

Fazit: Wer sich einmal in die Welt des schönen und abgedrehten, des nonkonformistischen Baus von Automobilen entführen lassen möchte, wer sich auch einmal für drei Minuten ohne Zutun alleine auf der Autobahn chauffieren lassen möchte, der ist bei dieser Explosion der Eleganz richtig. Das Konto sollte allerdings nicht „coupiert“ sein.