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Französischer City-Stromer

Französischer City-Stromer

Das Segment der Elektroautos wird nicht nur bunter und viel fältiger. Mit ihren Stärken und Schwächen bietet die E-Mobilität auch Diskussionsstoff zum Thema Antriebssysteme. Wir fuhren den Renault Zoe und kamen zu der Erkenntnis: Zwischen Elektro-Smart, E-Golf oder Tesla Roadster gibt es eine kleine, aber feine Lücke, die mit mancherlei Vor urteilen aufräumt.

Wittlich. Was uns auf den ersten Blick bei dem kompakten französischen Elektrofahrzeug Zoe auffiel, war eigentlich, dass uns nichts weiter auffiel. Will heißen: Der Renault geht als chic geschnittener und praktikabler kompakter Alltagswagen durch, ohne dass er sich optisch sofort als Öko-Wunderwaffe gegen alle Ottomotoren und Selbstzünder dieser Welt positionieren würde. Umso gespannter waren wir auf die Fahreindrücke des Zoe, dessen Vortrieb ein Drehstrom-Elektromotor mit 58 PS/43 kW Dauerleistung besorgt, wobei Getriebe und Differenzial integriert sind. Der Vorteil dieser Art von Mobilität: Das Drehmoment - bei dem kleinen Renault sind es 220 Newtonmeter - ist sofort verfügbar. "Le petit", der Kleine, beschleunigt ohne einen Mucks mit Verve aus dem Stand heraus.
Eco-Modus erhöht Reichweite


Wem das schon wieder zu viel des Guten an Anfangsschwung ist, weil er die Reichweite des Fahrzeugs nicht gleich zu Beginn über Gebühr beanspruchen will, der kann mittels der Eco-Taste die Leistungsabgabe minimieren. Die Höchstleistung des E-Motors gibt Renault mit 88 PS/65 kW an, aber das sind theoretische Werte. Aussagekräftiger sind unsere selbst gemachten Erfahrungen und einige objektive Details.
Die Akkus haben ihr Gutes, schränken aber auch ein: Da sie im Fahrzeugboden verbaut sind und damit für einen tiefen Schwerpunkt sorgen, kommen sie dem Handling des Klein wagens zugute. Der Fronttriebler neigt ein wenig zum Über steuern, gibt sich aber gutmütig bis leicht forsch und antwortet sehr direkt auf jede Lenkbewegung. Abrupte Bremsvorgänge meistert er bedenkenlos. Allerdings leihen sich die Akkus im Kofferraum jede Menge an Nutzfläche aus, was eine geteilt um legbare Rückbank und damit auch das Entstehen einer ebenen Ladefläche verhindert. Ein sowohl bauart- wie auch betriebsbedingter Makel, den die Konkurrenz aber auch noch nicht im Griff hat.
Um zu sehen, dass man es doch mit einem Elektrofahrzeug zu tun hat, darf man sich mit dem Armaturenträger im Cockpit des Zoe anfreunden. Auf einem großen Touchscreen-Monitor wird der Fahrer über Verbrauch und verbliebene Reichweite informiert. Das Ambiente hat einen Hauch von Captain Kirk und Raumschiff Enterprise. Über ein Multimediasystem kann der Fahrer auch das serienmäßige Navigationssystem bedienen. Über dessen Qualitäten können wir uns hier nicht auslassen, da wir bei unseren Testfahrten in der Nähe des Nürburgrings nicht auf seine Dienste angewiesen waren.
Günstiger Einstiegspreis



Was aber macht den Zoe im Vergleich zu den vielen anderen Kandidaten wie - stellvertretend genannt - Nissan Leaf, Mitsu bishi i-MiEV oder Peugeot e-on anders? Es ist zum einen der Einstiegspreis des Kleinwagens, der bei 21 700 Euro - plus 79 Euro monatliche Akkumiete - beginnt. Für ein Fahrzeug dieser Größenordnung immer noch eine Menge Geld, aber erheblich weniger, als es andere Hersteller ausrufen. Auch bei der Reich weite, die vom Fahrverhalten sowie aktivierten Energiefressern (etwa Klima anlage) abhängig ist, punktet der Zoe.
Bei unserer Testfahrt wurde uns nach knapp 50 moderat absolvierten Kilometern eine Reichweite von 124 Kilometern angezeigt. Angesichts des urbanen Einsatzgebiets des Fahrzeugs sehr beachtlich.
Zum Laden gibt es fünf Geschwindigkeiten. Die schnellste lädt die Akkus des City-Stromers innerhalb von 30 Minuten auf 80 Prozent auf. Die sogenannte Wallbox dafür ist im Kaufpreis des Wagens inbegriffen und lässt sich problemlos in der heimischen Garage anbringen.
Und wie ist es beim Zoe mit Ausstattungsdetails, die ein Kleinwagen mit Verbrennungsmotor bietet? Zum Sicherheitssystem des maximal 135 km/h schnellen Autos gehören ein Antiblockiersystem (ABS) mit Bremsassistent, ein Schleuderschutz (ESP) und eine Antriebsschlupfregelung (ASR). Das Fahrzeug wiegt leer 1469 Kilo, es können 440 Kilo zugeladen werden. In der Summe sind das Werte, die den Einsatz eines Renault Zoe im städtischen Bereich überlegenswert machen.