Geburtstag einer Legende

Ältere Leser werden die kleinen, wendigen und scheinbar un zerstörbaren Fahrzeuge der US-Armee aus den letzten Kriegs tagen oder den Folgejahren noch im Original kennen. In diesem Jahr feiert jenes Auto seinen 70. Geburtstag, dessen Name zur Legende wurde und das heute mit modernster Technik an die Zeit von Untergang und Erneuerung gleichermaßen erinnert: der Jeep.

Trier. Es war im Jahr 1941, als die US-Armee nach einer landesweiten Ausschreibung das Modell von Willys Overland für ihre Bedürfnisse auswählte. Ein 61 PS starker, 2,2 Liter großer Vier zylindermotor mit dem Spitz namen Go-Devil rumpelte unter der Haube des ersten Modells Willys MA. Dem folgte später die verbesserte Auflage, der Willys MB, von dem insgesamt 360 000 Exemplare gebaut wurden. Eine Ikone für das Gelände war geboren - gerade wegen oder trotz der Wirren der Zeit.
Zwischen Entwicklungsbeginn und Übergabe der ersten Fahrzeuge an die Army standen nur 50 Tage. Das Konzept war klar: Robust musste er sein, für Einsätze in unwegsamem Gelände geeignet, ein Mehrfaches seines eigenen Gewichts transportieren können und selbst transportabel im Bauch großer Flugzeuge oder Schiffe sein. Willys MB und der amerikanische Soldat waren fortan die perfekte Kombination in den Schrecken des Kriegs. An der Front oder auch auf der Leinwand: Der GI und der Jeep, sie wurden eins.
Das Fahrzeug mit den für uns ungewöhnlichen Schaltwegen - Rückwärtsgang links oben, erster Gang links unten - wurde später in der Region, in Eifel und Hunsrück, an der Mosel und der Saar auch zum beliebten Erntehelfer, Lastenträger oder zum Freizeitobjekt. Wenn es nicht dreckig und matschig, nicht unwegsam genug sein konnte, dann half nur einer, um dem Verlangen Genüge zu tun: das Original, der Jeep. Allgemeiner Tenor: "Das ist wenigstens noch Material, das was aushält. Da komme ich noch selbst dran, wenn was repariert werden muss."
Zum Starten des Urahns braucht man ein wenig Gefühl: linker Fuß auf der Kupplung, rechte Fußspitze auf dem Starterknopf im Fußraum und gleichzeitig mit der rechten Ferse das Gaspedal bedienen. Geht\'s einfacher? Der frühe Jeep glänzte schon mit dem Luxus eines synchronisierten Getriebes. Dem ersten folgten zwei weitere Gänge, die in wundersamer Weise mit einem Ungetüm von knochigem Schalthebel ausfindig gemacht werden mussten. Auf der Ebene ging es bis zu 100 km/h schnell voran.
Der Jeep überwand Steigungen bis zu 60 Prozent. Wüste und Eis waren ihm kein Hindernis. Für die US-Soldaten wurde er zum Lebensretter in den entlegensten Winkeln der Erde. Ob als Einsatzfahrzeug, Verletzten-Transporter oder Nachschub-Beschaffer.
Auch 70 Jahre nach der Auslieferung der ersten Originale hat sich die Marke Jeep gehalten. Sie gehört heute zum italienischen Fiat-Konzern. Das Flaggschiff, der Grand Cherokee, ist eine moderne, mit allen möglichen Sicherheits- und Komfortdetails gespickte Hightech-Variante für Asphalt und Gelände. Nur eines verbindet sie mit dem einstigen "Eisenschwein", das neben Millionen von GIs auch Filmdiva Marlene Dietrich trug: der Name Jeep.