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Mehr Schutz für Fußgänger

Mehr Schutz für Fußgänger

Eine junge Frau will noch den Bus erreichen und läuft quer über eine Kreuzung. Dabei übersieht sie ein herannahendes Auto. Sie wird angefahren und erleidet schwere Kopfverletzungen. Mit neuen Sicherheitssystemen wollen Autohersteller solche Unfälle ver hindern.

Köln. Die Autobauer tun eine Menge für die aktive und passive Sicherheit ihrer Fahrzeuge. Seit einiger Zeit nimmt die Kritik aber zu, es würde sehr viel für die Insassen, aber wenig für die Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer getan. Insbesondere Fußgänger und Zweiradfahrer würden zu wenig geschützt.
Bei zwölf Prozent der Verkehrsunfälle in Deutschland sind Fußgänger betroffen. Ihr Risiko für schwere oder tödliche Verletzungen ist bei diesen Unfällen sehr hoch. Meist sind Beine, innere Organe und Brustpartie betroffen. Als besonders schwerwiegend gelten Kopfverletzungen.
Statistiken geben den Kritikern recht: Während die Zahl der Insassenunfälle mit Todesfolge in den Industriestaaten sinkt, nimmt der Anteil der bei Unfällen getöteten Fußgänger zu. Ein erfolgversprechender Vorschlag, der die Entwicklung aufhalten könnte, kommt von der Ver sicherungswirtschaft: Die "Verletzungsschwere ließe sich bei Fußgängern deutlich reduzieren, wenn das Tempo vor dem Crash nur um 10 km/h verringert würde", heißt es in einer Studie der Unfallforschung der Versicherer. Das Abbremsen um 20 km/h brächte nochmals weniger Kopfverletzungen bei Erwachsenen und Kindern. Notbremssysteme mit Fußgängererkennung sollten deshalb schnellstens in allen Fahrzeugklassen angeboten werden.
Motorhaube wird angehoben


Das amerikanische Unternehmen TRW Automotive Holdings Corporation hat jetzt die zweite Generation eines Fußgängerschutzes entwickelt. Es nutzt eine Kombination verbesserter Beschleunigungs- und Drucksensoren und soll 2016 serienreif sein. Bei diesem System wird allerdings nur der hintere Teil der Motorhaube pyrotechnisch angehoben. Dies schafft immerhin mehr Deformationsraum und bewirkt, dass die Energie, die beim Aufprall eines Fußgängers auf die Motorhaube entsteht, langsamer abgebaut wird. Da der Fuß gängerschutz mittlerweile beim Euro-Crashtest 20 Prozent der Fahrzeuggesamtwertung ausmacht, nutzen Hersteller wie Porsche und Chrysler schon seit 2009 die erste Generation dieser Technik, um die Bestnote von fünf Sternen zu erreichen.
Einen Schritt weiter geht nun der schwedische Hersteller Volvo beim neuen V40. Beim Aufprall eines menschlichen Beins lösen sieben Sensoren an der Fahrzeugfront den Fußgänger-Airbag aus. Dabei wird die Motorhaube an ihrem hinteren Ende eine Handbreit angehoben. Praktisch gleichzeitig legt sich ein 120-Liter-Airbag wie ein U-förmiger Wulst um die Unterkante und die Säulen der Frontscheibe. Alles geschieht in Bruchteilen von Sekunden, sobald die Treibsätze ausgelöst und gezündet sind.
Jan Ivarsson, leitender Sicherheitsmanager bei Volvo, spricht von einem neuen Sicherheitsstandard. Das serienmäßige System im neuen Volvo V40 funktioniert bis Tempo 50. Das reicht insofern aus, da sich die meisten Fußgängerunfälle unter 50 km/h ereignen. Die wenigen, die darüber passieren, enden meist tödlich. Ergänzend trägt der Notbremsassistent (City-Bremse) mit Fußgänger erkennung zu einer geringeren Aufprallgeschwindigkeit bei. Er arbeitet bis 80 km/h. Auch deshalb schätzen Fachleute den Sicherheitsgewinn durch die automatische City-Bremse hoch ein. Selbst VWs Kleinstwagen Up kann schon mit einem vereinfachten System geordert werden.