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Wie drei Rudel Höllenhunde

Wie drei Rudel Höllenhunde

Mit dem neuen Golf R weckt VW die Lust auf schnelle Kurven. Der kompakte Sportler erreicht die Grenze des technisch Machbaren. Seine Leistungsdaten waren noch vor zehn Jahren undenkbar.

Wolfsburg. Die vierte Generation des Golf R bricht alle Rekorde. Als R32 - noch mit sechs Zylindern und 3,2 Litern Hubraum - ging die Erstauflage 2002 an den Start. Die nun vorgestellte Ver sion schöpft aus 2,0 Litern 59 PS/ 43 kW mehr. Und sie kann vieles besser als der erste. Er sei die Obergrenze des Golf-Potenzials, sagt VWs Entwicklungschef Hans-Jakob Neußer und verweist auf die Runde über die Nürburgring-Nordschleife. Die legt der Golf R 15 Sekunden schneller zurück als sein direkter Vorgänger von 2009. Und der hatte immerhin schon 265 PS/195 kW.
Optisch hält sich die Aufregung eher zurück. Das Interieur ist mit einer Leder-Stoff-Kombination verschönert, das kleine, unten abgeflachte Lenkrad schmiegt sich in die Handflächen, und mit dem verkürzten Schalthebel kann man die sechs Gänge blitzschnell wechseln. Außen fallen die 17-Zoll-Räder auf, größere Bremsscheiben und ein Diffusor samt Vierrohr-Auspuff anlage unter dem Heck sowie die mehrfach angebrachten R-Symbole.
Nach dem Start per Tastendruck klingt die Maschine, die auch im Audi S3 Verwendung findet, noch verhalten. Das ändert sich nach der Auswahl des Race-Modus über die Fahrprogrammwahl. Der Golf strafft sich, macht das Fahrwerk härter und den Antriebsstrang präsenter. Dann stürmt der allradgetriebene Dreitürer los, als gäbe es kein Morgen mehr. Er dröhnt und röhrt wie drei Rudel Höllenhunde und lässt sogar einen Porsche Boxster an der Ampel stehen. 5,1 Sekunden genügen ihm für den Sprint bis 100 km/h. Mit Doppelkupplungsautomatik (für 1925 Euro) geht das noch zwei Zehntelsekunden schneller. Sie senkt auch den Normverbrauch von 7,1 auf 6,9 Liter Super, das Spitzentempo ist dagegen immer elektronisch auf 250 km/h begrenzt.
Das Fahrerlebnis beeindruckt. Neben dem ungestümen Vorwärtsdrang erfreut die elek tro nische Spurstabilisierung, die sich stufenweise abschalten lässt. Hilfreich in allen Situationen ist das nachgeschärfte XDS+, das als elektronische Quersperre in Kurven zwei Räder beim Einlenken leicht abbremst und den 1465 Kilogramm schweren Wagen mit Nachdruck in die Biegung zwingt.
Aber der Golf R kann auch anders. Im Eco-Modus gibt er sich wie ein gezähmtes Wiesel, flitzt immer noch gekonnt um die Kurven und bietet dabei einen an genehmen Fahrkomfort. Motor- und Auspuffklang sind gedämpft - mehr Wolf im Schafspelz geht kaum. 38 325 Euro kostet der Über-Golf. Wem das zu viel ist, der kann zum 10 000 Euro billigeren GTI greifen.