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Abzocke durch Notdienst – was man wissen muss

Notdienst via Internet : Abzocke durch Notdienst – was man wissen muss

Freche Monteure, horrende Rechnungen und Firmen, die es nicht mehr gibt - die Branche der Rohrreinigungsbetriebe ächzt unter den Machenschaften der Betrüger. Es könnte alles so einfach sein. In der Küchenspüle läuft das Wasser nicht mehr ab oder die Toilette ist verstopft und der Betroffene sucht sich schnell einen Notdienst via Internet.

Klar, dass das nicht am Freitagvormittag, sondern am Samstagnachmittag zur besten Zeit passiert. Dennoch ist der Klempner im Internet schnell gefunden. Dieser kommt innerhalb von 30 Minuten vorbei, hat das Rohr in 10 Minuten frei und verlangt 250 Euro. Das ist nun vielleicht nicht gerade wenig, aber für einen Notdienst am Wochenende durch einen Profi durchaus gerechtfertigt. Schließlich muss gutes und zuverlässiges Handwerk auch bezahlt werden.

Doch der Alltag sieht häufig völlig anders aus. Der Betroffene findet im World Wide Web eine Vielzahl von Angeboten. Schnell das Beste ausgesucht und unter örtlicher Nummer angerufen. Eine freundliche Dame erklärt, dass der Klempner-Notdienst in Kürze vor Ort sein wird. Wird nach dem Preis gefragt, erhält der Anrufer entweder keine Auskunft oder den Hinweis, dass es aus der Ferne nicht möglich sei, eine zuverlässige Einschätzung abzugeben. Der Experte der Rohrreinigung werde das aber direkt bei Ankunft besprechen.

Ein solches Vorgehen treibt ehrlichen Handwerkern, wie die hier gefundenen geprüften Partner, die Sorgenfalten auf die Stirn. Denn die Masche ist immer die Gleiche und bringt nicht nur Ärger für den Kunden, sondern auch massive Missgunst für die Branche. Schließlich weiß am Ende niemand mehr, wem noch vertraut werden kann.

Nach einigen Stunden kommt der "Profi" dann auch schon in einem Pkw angefahren. Von Handwerkswagen, Blaumann und Ähnlichem fehlt jede Spur. Das Auto gibt er als geliehen an, da seines gerade in der Werkstatt ist. Auch Werkzeuge hat er nicht viele dabei. Eine Rohrzange, Schraubenzieher und eine Spirale trägt er in der Hand. Auf die Frage, welche Kosten für die Rohrreinigung fällig würden, bekommt der Betroffene meist eine sehr vage oder erst einmal gar keine Antwort. Schließlich sind das Ausmaß und die Materialkosten noch nicht bekannt.

Also macht sich der "Klempner" ans Werk und ist auch schon wenige Minuten später fertig. Wasser läuft ab und alles scheint gut - bis er die Rechnung präsentiert. 500 Euro und mehr sind in solchen Fällen keine Seltenheit. Ein Protest ist meist zwecklos, da diese Menschen keinen Widerspruch zulassen. Schon gar nicht, wenn es um die Bezahlung geht. Bar oder EC-Karte - etwas anderes wird nicht akzeptiert. Wird bezahlt und prüft der Betroffene die Rechnung später, kam der "Handwerker" als Beispiel gar nicht aus Bremen, sondern aus Berlin.

Dass es Betrügereien gibt, wie etwa, dass mit einem Trick Schmuck gestohlen, viel Geld für Arbeit bezahlt wird, deren Ausführung auf sich warten lässt und Ähnliches, ist hinlänglich bekannt. Diese betrügerische Masche jedoch, die die Notlage von Menschen ausnutzt, erreicht bundesweit eine ganz neue Qualität. Denn jeglicher Bereich im Dienstleistungssektor, der sich für dieses Vorgehen anbietet, wird genutzt: Rohrreinigung, Schlüsseldienst, Kammerjäger. Wie lukrativ das Geschäft ist, zeigt auch die Zusammenarbeit mit Callcentern, in der nette Telefonisten, wie hier beschrieben, Kundenanrufe unter örtlicher Nummer entgegennehmen und dann vermitteln.

Verbraucherschützer und Staatsanwaltschaften warnen seit Jahren. In diesem Zusammenhang gilt es den Notdienst ganz genau zu wählen. Selbst, wenn es schnell gehen muss. Am besten fährt, wer sich bereits ohne einen bestehenden Auftrag persönlich an einen örtlichen Rohreinigungsbetrieb wendet und die Nummer für den Ernstfall notiert.