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Advent, Advent, die Wohnung brennt

Advent, Advent, die Wohnung brennt

Die Advents- und Weihnachtszeit ist jedes Jahr aufs Neue Brandzeit. Die Zahl der Schäden ist um 40 Prozent höher als während der restlichen Monate, so der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Ist das Haus ganz oder teilweise abgebrannt, so ist für Hausbesitzer die Wohngebäudeversicherung der Ansprechpartner. Beschädigte Einrichtungsgegenstände, dazu zählen auch die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum, sind ein Fall für die Hausratversicherung. Neben brennenden Adventskränzen und Weihnachtsbäumen gehören querfliegende Silvesterraketen und unachtsam gezündete Feuerwerkskörper zu den häufigsten Schadenursachen am Jahresende. Manche Fälle landen vor Gericht, weil Versicherungen die Zahlung verweigern.
So hatte ein Mann am Silvesternachmittag "zwei Sekt" getrunken und anschließend seinen Partykeller für die am Abend anstehende Feier vorbereitet. Dazu schob er zwei wertvolle Teppiche an die Seite und zündete gleichzeitig Kerzen auf einem Ständer an - in unmittelbarer Nähe zu den zusammengerollten Teppichen. Er legte sich hin, eine Kerze fiel auf einen Teppich und beschädigte diesen schwer. Er verlangte von seiner Hausratversicherung, dass die den Teppich ersetze. Die weigerte sich und behielt schließlich vor dem Oberlandesgericht Köln die Oberhand; der Versicherer musste nicht zahlen (Az.: 9 U 113/09). Allerdings: Der Fall passierte vor dem 1. Januar 2008, weswegen der Mann komplett leer ausging. Mittlerweile dürfen sich Versicherungen nicht mehr total verweigern, sondern dürfen die Leistungen nur noch kürzen. Um wie viel hängt von der Mitschuld des Versicherten ab.
Nur bei grober Fahrlässigkeit


In einem Fall vor dem Bundesgerichtshof (BGH) hatte eine Mieterin vermutlich einen Brand verursacht, weil sie wohl Kerzen an einem Adventskranz nicht gelöscht hatte, bevor sie ins Bett ging. Sie bestritt das. Jedenfalls verlangte die Wohngebäudeversicherung des Vermieters, die den Schaden regulierte, Regress von der Bewohnerin. Es ging um 25 750 Euro.
Der BGH urteilte, dass die Versicherung nur dann Schadenersatz gegen die Mieterin - beziehungsweise gegen deren Privathaftpflichtversicherung - durchsetzen könne, wenn die beweisen kann, dass die Dame "grob" fahrlässig gehandelt habe. Einfach fahrlässiges Handeln reiche nicht aus (Az.: VIII ZR 67/06).

Vierjährige Zwillinge wedelten unmittelbar am Weihnachtsbaum mit Wunderkerzen herum, so dass der Feuer fing und das ganze Haus abbrannte. Die Feuerversicherung des Hausbesitzers warf den Eltern der Kinder (als Mieter) vor, die Aufsichtspflicht verletzt zu haben und verlangte Schadenersatz von den Eltern. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main wies die Forderung ab. Mangelnde Aufsichtspflicht könne den Eltern nicht angelastet werden, weil sie nicht damit rechnen mussten, dass die Aktion derart verheerende Folgen haben würde. Das gelte zumal dann, wenn der Baum - hier am zweiten Weihnachtsfeiertag - noch nicht ausgetrocknet war. Damit lag keine grobe Fahrlässigkeit vor. Dass die private Haftpflichtversicherung der Eltern Gebäudeschäden mit umfasste, führe auch zu keinem anderen Ergebnis. Diese muss nicht an Stelle ihrer Versicherten die Feuerversicherung entschädigen (Az.: 3 U 104/05).

Eine Mieterin ging zur Toilette, während ein Adventskranz mit brennenden Kerzen auf ihrem Tisch stand. Im Anschluss daran schellte es an der Tür, und sie öffnete einem Gast. Dabei fiel die Wohnungstür zu. Die Kerzen verursachten in der Zeit, in der sie versuchte, wieder ins Innere zu gelangen, einen Wohnungsbrand, den die Wohngebäudeversicherung des Vermieters regulierte - und Schadenersatz von der Frau verlangte. Vergeblich, so das Landgericht Nürnberg-Fürth. Diese "menschliche Unzulänglichkeit" entspreche lediglich "leichter Fahrlässigkeit" (Az.: 7 5 4333/01).
Ein Mann und seine Freundin beendeten ein Frühstück statt am Frühstückstisch, auf dem der Adventskranz mit angezündeten Kerzen stand, im Bett. Sie bemerkten nicht, dass in der Küche ein Feuer ausbrach, das später die halbe Wohnungseinrichtung zerstören sollte. Die Hausratversicherung weigerte sich, den Schaden von 32 000 Euro zu regulieren. Ihr Argument: Das Paar habe den Vorfall grob fahrlässig verursacht. Das Oberlandesgericht Düsseldorf widersprach dem: "Vergesslichkeit aufgrund körperlicher Reize unter Partnern ist ein entschuldbares Fehlverhalten" (Az.: 4 U 182/98). np