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Ärger wegen Nachbars Bäumen

Ärger wegen Nachbars Bäumen

Schattenwurf, über die Grundstücksgrenze hängende Äste, unerwünschtes Laub, unzureichende Abstände. Bäume im eigenen und in Nachbars Garten beschäftigen immer wieder die Gerichte.

Bad Münstereifel. Dem einen spenden sie im Hochsommer Schatten, je nach Art im Herbst auch kostenlose Vitamine, den Vögeln Brutplätze, den Hausbewohnern Wind- und Sichtschutz. Dem Nachbarn sind sie aber oft ein Ärgernis: die Bäume im Garten.
Grundsätzlich müssen Nachbarn einen Mindestabstand zur Grundstücksgrenze einhalten, wenn sie Bäume oder Hecken pflanzen. Der Abstand ist nicht bundesweit geregelt und hängt von Bundesland und Baumart ab. Üblich sind Abstände von zwei bis vier Metern. Hält sich der Nachbar nicht an die Abstände, heißt es, sich zu beschweren, solange die Bäume noch klein sind und nicht erst, wenn sie groß sind und Schatten werfen.
Sind mehr als fünf Jahre seit der Pflanzung vergangen, kann man in der Regel nicht mehr verlangen, dass der Nachbar die Bäume entfernt. Darf der Nachbar aber überhängende Zweige abschneiden? "Grundsätzlich muss der Nachbar weder Zweige noch unterirdisch hinüberwachsende Wurzeln dulden", informiert die Stiftung Warentest. "Er darf Zweige aber nur abschneiden, wenn der Baumbesitzer Gelegenheit hatte, sie innerhalb einer angemessenen Frist zu beseitigen."
Oft kommt es auf die Umstände des Einzelfalls an. Selbstjustiz mit der Heckenschere kann leicht zu Schadenersatzforderungen führen. Das Landgericht Coburg urteilte: Baumbesitzer können verpflichtet sein, Äste zu entfernen, die weit über das Nachbargrundstück ragen (Az.: 33 S 26/08). In diesem Fall standen 18 Fichten und eine Birke seit über 30 Jahren an der Grenze. Als die Äste bis zu vier Meter weit in sein Grundstück ragten, wurde es dem Nachbarn zu viel - zu Recht, befand das Gericht. Der Beklagte musste die herüberragenden Äste stutzen.
In den meisten Fällen müssen Nachbarn Laub, Nadeln und Fallobst von anderen Grundstücken hinnehmen. Wenigstens darf der Nachbar das Fallobst, das vom Baum nebenan stammt, auflesen und behalten. Nachhelfen durch Baumschütteln darf man nicht. Auf der anderen Seite darf der Baumbesitzer zur Obsternte nicht Nachbars Grundstück betreten. Mit dem Apfelpflücker über den Zaun zu langen, um das Obst des eigenen Baumes zu ernten, ist aber erlaubt.
Durch große Bäume werden oft ganze Gärten in den Schatten gestellt. Allein wegen Schattenwurfs kann man allerdings nicht gegen Nachbars Bäume vorgehen.
Das Oberlandesgericht Hamm entschied in einem entsprechenden Fall: Wächst ein Baum in ausreichendem Abstand zur Grundstücksgrenze, muss er nicht gestutzt werden, wenn sich der Nachbar an seinem Schatten stört (Az.: 5 U 67/98). Denn in Wohngegenden mit Gärten und Bäumen gilt Schatten dem Richterspruch zufolge durchaus als ortsüblich.
Ein Recht, Bäume zu fällen, hat allerdings selbst der Grundstückseigentümer nicht immer. Auf manchen Grundstücken liegen Baumfällverbote als Baulast. Andere Bäume gelten als Naturdenkmal und sind aus diesem Grund besonders schutzwürdig. "Auch wer bei einem alten Baum auch nur einen Ast absägt, kann sich einen Bußgeldbescheid einhandeln", warnen die Autoren Andrea und Robert Schweizer in ihrem Ratgeber "Recht in Garten und Nachbarschaft".