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Barrierefrei wohnen - Kosten und Anforderungen

FOTO: unsplash.com / Constellate
Wer mit einer Behinderung lebt, hat auf dem Wohnungsmarkt oftmals das Nachsehen. Barrierefreier Wohnraum ist im Raum Trier schwer zu finden.

Dabei haben die Opfer eines oftmals tragischen Unfalls mit der Einschränkung im alltäglichen Leben eigentlich schon genug zu kämpfen. Wer nicht Glück hat, wie Ulrich Stobel, der seine Wohnung selbst gestalten konnte, da sie sich noch im Rohbau befand, der muss sich eine Alternative suchen. So muss ein Großteil der Betroffenen die eigene Wohnung meist aufwendig umgestalten. Auch hierfür gibt es bestimmte Anforderungen, die unter anderem in der DIN 18024-2 festgelegt wurden. "Glücklich" schätzen kann sich in diesem Fall, wer auf dem offenen Wohnmarkt suchen kann. Damit wird der Umbau der eigenen vier Wände überflüssig und es kann mit etwas Glück der Wohnraum gefunden werden, der den eigenen Vorstellungen entspricht.

Bezieht der Betroffene jedoch Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld, sieht es schon etwas anders aus. Denn dann ist die Rede von "angemessenem Wohnraum". Doch was genau ist angemessen für einen Menschen mit Behinderung? Für Menschen ohne eine Behinderung ist die Sachlage klar definiert und im SGB II verankert. Je nach Kreis können die Quadratmeter zwar etwas variieren, bleiben aber im Grunde immer ähnlich. So stehen einer Einzelperson beispielsweise rund 47 m² zu. Für jede zweite Person können im Schnitt 15 m² hinzugerechnet werden. In dieser Personenangabe wird auch diese mit eingerechnet, die zur Pflege in der Wohnung wohnt.

Dabei benötigen Menschen mit Handicap in der Wohnung bestimmte Voraussetzungen. So muss in jedem Raum eine Bewegungsfläche von 1,5 x 1,5 Metern gegeben sein. Dies schließt auch den Flur ein. Türen müssen stufenlos erreichbar sein und Türschwellen darf es keine geben. Ist dies technisch nicht möglich, muss eine Rampe installiert werden. Bei den Bodenbelägen ist ebenso darauf zu achten, dass diese rutschhemmend sind. Die Bedienelemente in der Wohnung, wie Lichtschalter, Steckdosen oder Fenstergriffe sollten sich auf maximal 85 cm Höhe befinden. Wichtig ist dabei, dass Arbeitsflächen aber auch Wasch- oder Spülbecken unterfahrbar sein sollten.

Um einen solchen Umbau zu finanzieren, kann die Aufnahme eines Darlehens sinnvoll sein. Hier wird für einen bestimmten Zeitraum von einer Bank Geld geliehen. Damit ermöglichen sich Privatpersonen die Finanzierung von größeren Vorhaben, wie dem Kauf einer Wohnung oder eines Autos - oder eben den Umbau der eigenen vier Wände in ein barrierefreies Heim. Der Finanzierungszeitraum ist länger und so handelt es sich dabei im klassischen Sinne um einen Ratenkredit.

Denn schaut man sich die Kosten genauer an, gehen diese schnell in den fünfstelligen Bereich. So werden im Schnitt bei der Umgestaltung für das Schlaf- und Wohnzimmer rund 30.000 Euro veranschlagt. Fußboden, Ablageflächen, Fenster, Lichtschalter und vieles mehr müssen in diesem Bereich exakt angepasst werden. In der Küche kommen nochmals 12.000 Euro hinzu und im Bad, mit befahrbarer Dusche sowie die Installation eines Liftsystems, schlagen nochmals mit 18.000 zu Buche. Ist noch eine Treppe im Haushalt, kommt ein Treppenlift mit etwa 29.000 Euro hinzu. Wer dann noch mobil bleiben möchte, hat mit einem behindertengerechten Fahrzeug ebenfalls Kosten in Höhe von rund 45.000 Euro.

In diesem Beispiel sind 134.000 Euro notwendig, um eine bestehende Wohnung barrierefrei zu machen. "Glück" im Unglück haben hier Menschen, die eine Unfallversicherung besitzen und im Ernstfall die Kosten der Umgestaltung aus der Versicherungssumme finanzieren können. Wer darauf nicht zurückgreifen kann, steht vor hohen finanziellen Aufwendungen, um seinen bisherigen Wohnraum barrierefrei zu gestalten. Somit muss eine Entscheidung pro oder kontra des Umbaus individuell abgewägt werden.