Biostoffe im Auto kein Garant für gute Umweltbilanz

Berlin (dpa/tmn) · Recycelbar müssen Autos zu einem großen Anteil schon lange sein. Mittlerweile setzen etliche Hersteller aber auch auf Biomaterialien - vor allem im Innenraum. Ein Allheilmittel ist das nach Expertenmeinung nicht.

 BMW wirbt mit der Verwendung von nachwachsenden Materialien im i3. Über die Ökobilanz des Wagen sagt das aber wenig aus. Foto: Jan Woitas

BMW wirbt mit der Verwendung von nachwachsenden Materialien im i3. Über die Ökobilanz des Wagen sagt das aber wenig aus. Foto: Jan Woitas

Viele Autohersteller werben inzwischen damit, beim Fahrzeugbau Werkstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen einzusetzen. BMW zum Beispiel teilte zum i3 mit, im Innenraum des Elektroautos kämen viele nachwachsende und recycelbare Stoffe zum Einsatz. Und Kia verkündet zum Soul EV: Zehn Prozent der im Innenraum verwendeten Kunststoffe seien biologischen Ursprungs. „Das ist schon eine ganze Menge“, sagte Gerd Lottsiepen vom umweltorientierten Verkehrsclub Deutschland (VCD). Wichtiger als solche Biostoffe sei aber die gesamte Ökobilanz eines Autos.

„Was helfen zehn Prozent biobasierte Stoffe, wenn es sich umwelttechnisch um ein schlechtes Auto handelt?“, gab der verkehrspolitische Sprecher des VCD zu bedenken. Wichtig für die Umweltverträglichkeit eines Autos sei der Blick auf die gesamte Bilanz von der Produktion bis zum Lebensende eines Fahrzeugs. Wie viel Biostoffe ein Auto enthalte, sei etwa gegenüber dem Schadstoffausstoß „wenig relevant“. Allein die Produktion eines Autos verantwortet tonnenweise CO2.

„Wichtiger als biobasierte Werkstoffe ist das Recycling von Autos“, fügte Lottsiepen hinzu. Dabei komme es vor allem auf das Wie an. „Aus hochwertigen Stoffen darf nichts Minderwertiges werden. Aus Armaturenbrettern sollten zum Beispiel wieder Armuturenbretter werden. Sie sollten nicht zu Parkbänken downgecycelt werden.“ Dass ein Stoff mehrfach eingesetzt wird, sei wichtiger als eine biologische Herkunft.

Laut Kia kommen im Soul EV viele Materialien aus Biomasse zum Einsatz. Dies seien zum Beispiel biologisch abbaubare Kunststoffe sowie Schaumstoff und Gewebe auf Biobasis, die im Soul EV in Verkleidungen, Bezügen und Polstern Verwendung finden. Auch Renault, Porsche, Chrysler oder Opel fanden schon für Werkstoffe Verwendung, die auf Baumwolle, Leinen, Holz oder Soja basieren.

Grundsätzlich begrüßt Lottsiepen den Einsatz nachwachsender Stoffe im Autobau - unter einer weiteren Einschränkung: Es dürfe nicht der gleiche Fehler gemacht werden wie beim Biosprit, die Gewinnung der Rohstoffe dürfe nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelindustrie treten.

Dass Autos nahezu vollständig recycelbar sein müssen, ist indes schon Pflicht: Die Altfahrzeug-Verordnung schreibt vor, dass Autos zu 85 Prozent des Gewichts recycelbar sein müssen. Der Wert bezieht sich dabei auf „das durchschnittliche Fahrzeugleergewicht aller pro Jahr überlassenen Altfahrzeuge“. Ab 2015 gilt ein vorgeschriebener Anteil von 95 Prozent.