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Anbieterwechsel.
Ein Profi verrät Tipps und Tricks

Wer liefert den Strom aus der Dose? Ein Online-Vergleich ist nicht per se der beste Weg zum neuen Anbieter.
Wer liefert den Strom aus der Dose? Ein Online-Vergleich ist nicht per se der beste Weg zum neuen Anbieter. FOTO: CC0-Lizenz / Pixabay
Gas- und Stromversorger lassen ihre Preise Achterbahn fahren. Die Reaktion der Verbraucher sieht dann meist so aus, dass diese sich aufmachen, um im Internet Vergleichspreise einzuholen. Verglichen wird dabei viel - vor allem der Preis und die Leistung. Weniger von Bedeutung scheint der Anbieter selbst, obgleich es mittlerweile nicht nur Anbieter gibt, die sich nicht zuordnen lassen, sondern auch regionale Anbieter überregional Strom und Gas zur Verfügung stellen. Was von ihnen zu halten ist, verrät Kai Böning, ein Beobachter der Branche, der wertvolle Tipps für Verbraucher bereithält.

Herr Bönig, worauf achten die Verbraucher, die ihren Gas- oder Stromversorger wechseln wollen?

Kai Böning: Leider fallen viele darauf rein, was in den Online-Vergleichsmaschinerien möglichst prominent platziert ist. Das heißt: Das Angebot, welches oben steht, wird schon das Beste sein. Das glauben wahrlich viele und vergeben sich damit die Chance, ein wirklich gutes Angebot zu bekommen.

Warum ist das so?

Kai Böning: Natürlich weil auch die Vergleichsportale leben müssen. Sie verdienen an jedem Verkaufsabschluss. Und wenn der Anbieter seine Abschlussrate positiv beeinflussen will, bucht er ein spezielles Anzeigenpaket und steht weiter oben im Ranking. Das ist keine Atomwissenschaft. Das ist klassisches Online-Marketing.

Das heißt, Sie raten davon ab, Online-Vergleichsportale zu nutzen?

Kai Böning: Nein, ganz und gar nicht. Ich rate sogar zu, diese Vergleichsoption zu nutzen. Aber ich empfehle, kritisch zu überprüfen, welche Angebote leuchtend hervorstechen oder auf Rang 1 stehen. Ein Online-Vergleich ist grundsätzlich ein guter Zugang zum Thema "wie wechsle ich meinen Gas- oder Stromanbieter", denn er zeigt dem Verbraucher auf, worauf er achten soll.

Und das wäre worauf genau?

Kai Böning: Wichtige Vergleichsparameter sind die Grundlaufzeit, die Erstvertragslaufzeit, die Kündigungsfrist, der Lieferbeginn, die Preisbestandteile, die Preisgarantie, die Service-Leistungen des Energielieferanten und die Zahlweise. Weitere Details zu diesen Faktoren weist auch die Verbraucherzentrale online aus. Allerdings gilt es auch regionale Veränderungen wahrzunehmen und ihre Möglichkeiten zu begreifen. Aktuell ist es beispielsweise spannend zu verfolgen, ob Klausen ein Nahwärmenetz bekommt.

Und an welcher Stelle kommt dann der Anbieter selbst ins Spiel?

Kai Böning: In der Praxis meist gar nicht. Und an dieser Stelle passt das Verhalten vieler Verbraucher nicht zum individuellen Sicherheitsbedürfnis.

Auch die Frage nach dem Gaslieferanten kann nicht ausschließlich über das Online-Vergleichsportal beantwortet werden.
Auch die Frage nach dem Gaslieferanten kann nicht ausschließlich über das Online-Vergleichsportal beantwortet werden. FOTO: pixabay.com / stevepb (CC0 Public Domain)

Welches Sicherheitsbedürfnis?

Kai Böning: Internetanbieter sind vielen Verbrauchern suspekt. Locken aber gute Konditionen, die oft nur auf den ersten Blick wirklich gut sind, weil die Preise attraktiv scheinen, Bonuszahlungen aber de facto erst im zweiten Vertragsjahr gut geschrieben werden und dann wird der Vertrag per se wieder teurer. Den Sprung zu einem Anbieter, hinter dem ein valides Großunternehmen steckt, machen dennoch nur wenige.

Gibt es dafür ein Beispiel?

Kai Böning: Sicher bzw. ist es eher eine Empfehlung meinerseits. Egal welcher Anbieter gut im Vergleich abschneidet - ein Klick auf die Seite des Anbieters macht in jedem Fall Sinn, denn dort gibt es detaillierte Informationen, die jeder Verbraucher haben sollte. Doch nun kommt wirklich ein Beispiel. Original Energie, eine Marke der Stadtwerke Oranienburg, hat diesen Punkt vorbildlich gelöst. Online gibt es einen Artikel, der da heißt "Erst mal kennenlernen: Hallo Heizstrom".

Ist das nicht auch nur ein pfiffiger Marketing-Gag?

Kai Böning: Das mag sein. Dennoch: Ich finde diesen Ansatz genial, der zeugt von einem tiefen Verständnis des Anbieters und von viel Kundenservice obendrein. Beschrieben wird unter der Überschrift dann genau das, was der Verbraucher erwartet: die wichtigsten Parameter. Heizstrom kommt demnach in der Nachtspeicherheizung und in der Wärmepumpe zum Einsatz. Der Anbieter offeriert 12 Monate Preisgarantie auf alle Preisbestandteile, offeriert Ökostrom und lässt seine Kunden bei Bedarf sogar monatlich kündigen.

Bleiben wir noch einen Moment bei diesem Beispiel. Was macht diesen Anbieter in Ihren Augen so solide?

Kai Böning: Original Energie ist eine Marke der Stadtwerke Oranienburg. Zuverlässig werden die Kunden in der Region Oberhavel versorgt. Das Tochterunternehmen selbst arbeitet mit 120 Mitarbeitern. Angeboten werden Strom, Heizstrom, Gewerbestrom und Gas.

Das heißt im Umkehrschluss: Beim Vergleichsrechner Tipps holen und dann extern den Vertrag wechseln?

Kai Böning: Wo der Vertrag abgeschlossen wird, ist letztlich eine Sache des Angebots. Ich plädiere nur dazu, außerhalb der Verkaufsplattform zu recherchieren, wer hinter dem Anbieter steckt und welches Angebot der Anbieter für Verbraucher bereithält, die keinen Online-Vergleichsrechner nutzen.

Das heißt, der weitere Weg zum neuen Anbieter ist gleich?

Kai Böning: Sicherlich in weiten Teilen. Zunächst müssen die alten Vertragskonditionen mit den neuen verglichen werden. Verbessern sich die Konditionen, wird der neue Vertrag ausgefüllt. Geklärt werden muss nun noch, wer die Kündigung beim alten Anbieter übernimmt. Häufig ist das eine Leistung des Kundenservice des neuen Anbieters. Wer nicht genau weiß, wann sein eigener Vertrag endet, bekommt den Wechseltermin meist mit der Bestätigung des Vertragsabschlusses mitgeteilt.

Herr Böning, vielen Dank für diesen spannenden Einblick.

Kai Böning: Sehr gerne.