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Gas allgemein als Energie

Erdgas ist er zweitwichtigste Primärenergieträger in Deutschland mit. Der Verbrauch ist seit 1990 um rund 40 Prozent gestiegen und betrug im Jahr 2017 mehr als 90 Milliarden Kubikmeter. Erdgas wird überwiegend für die Wärmeversorgung und Stromerzeugung genutzt. Nur ein kleiner Teil wird für die Herstellung von Chemikalien und Kunststoffen oder als Ersatz für Benzin und Diesel in Kraftfahrzeugen verwendet.

Was ist Erdgas?

Erdgas ist ein farbloses, geruchloses und geschmackloses Gas. Es besteht in der Hautsache aus Methan, einer Verbindung mit einem Kohlenstoffatom und vier Wasserstoffatomen. Um Lecks in Gasleitungen ohne spezielle Messgeräte erkennen zu können, werden dem Gas kleine Mengen organischer Schwefelverbindungen, vornehmlich Tetrahydrothiophen (THT) sowie Mercaptangemische, mit einem an faule Eier erinnernden Geruch, hinzufügt. Ein Kubikmeter des aus unterirdischen Lagerstätten geförderten Gases enthält je nach Qualität und Reinheit die gleiche Energiemenge wie 1,03 Liter Heizöl, 2,1 kg Holzpellets, 2,5 kg Brennholz oder 10,1 kWh Strom.

Das aus einem Bohrloch abgezogene Erdgas wird als nasses Erdgas bezeichnet. Es enthält neben Methan flüssige Kohlenwasserstoffe und andere Gase. Methan und andere verwertbare Gase werden in einer Erdgasaufbereitungsanlage von dem nassen Erdgas getrennt. Das aufbereitete Erdgas wird als trockenes Erdgas bezeichnet. Dieses Erdgas wird über Pipelines zu unterirdischen Gasspeichern und zu den Verbrauchern geleitet. Die Erdgasförderung ist in Deutschland seit Jahren stark rückläufig. Nur noch rund 6 Prozent des hierzulande verbrauchten Erdgases werden in Deutschland als Schiefergas, Kohlegas, Flözgas und Grubengas gewonnen. Der weitaus größte Teil muss importiert werden. Hauptlieferländer die Niederlande, Norwegen, Russland und Dänemark.

Erdgasnutzung in Deutschland

Das Erdgas gelangt über das 511.000 Kilometer lange deutsche Gasnetz bis zu den Verbrauchern. Seit der Liberalisierung des Gasmarktes und Öffnung für neue Anbieter im Jahr 2005 ist die Zahl der Gasanbieter in Deutschland auf mittlerweile rund 700 gestiegen. Verbraucher können heute ihren Gaslieferanten frei wählen. Durch einen regelmäßigen Gasvergleich und gegebenenfalls Wechsel des Lieferanten über Vergleichsportale haben Verbraucher heute eine deutlich größere Marktmacht als noch Ende der 1990er Jahre und die Möglichkeit, den Gaspreis zumindest in Grenzen zu beeinflussen.

Bei der Wärmeerzeugung in privaten Haushalten und der Industrie ist Erdgas mit einem Anteil von mehr als 38 Prozent der wichtigste Energielieferant. Fast die Hälfte aller Haushalte in Deutschland wird mit Erdgas beheizt. Bei der Stromerzeugung liegt Erdgas mit einem Anteil von 12,4 Prozent im Jahr 2016 an vierter Stelle. Die insgesamt in Deutschland zugelassenen 475.000 Flüssiggas-Personenkraftwagen und ca. 16.500 LKWs und Busse mit Flüssiggasantrieb haben nur einen kleinen Anteil am gesamten Erdgasverbrauch.

Erdgas wird oft als sauberer Energieträger bezeichnet, weil es pro Energieeinheit weniger unerwünschte Nebenprodukte erzeugt als Kohle oder Erdöl. Wie bei allen fossilen Brennstoffen entsteht bei der Verbrennung von Erdgas Kohlendioxid. Allerdings nur etwa halb soviel wie bei der Verbrennung von Kohle. Die Gasverstromung ist mit einem Wirkungsgrad von über 40 Prozent zudem effizienter als die Kohleverstromung mit einer Energienutzung von nur rund 33 Prozent.

Erdgas wird in den nächsten Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag zur allgemeinen Energieversorgung in Deutschland leisten. Die Rolle des Erdgases als flexibler Energieträger für die Stromerzeugung wird weiter zunehmen und durch neue Anwendungen, beispielsweise als Ausgleichsspeicher für regenerativen Strom, der Verbrauch in den nächsten Jahren weiter steigen.