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Immobilien am Wasser: ein neuer Wohntrend

Immobilien am Wasser: ein neuer Wohntrend

Ob Paris, London oder München - überall herrscht großer Wohnungsmangel. In diese Riege reiht sich eine Stadt wie Berlin ein, so könnte man meinen.

Aber dennoch hat Deutschlands Hauptstadt noch eine ganz andere Facette. Der Berliner Norden lockt am Tegeler See mit Wassergrundstücken. Und die finden reißenden Absatz.

Die Erfüllung des romantischen Wohntraums

Was im ersten Moment surreal klingen mag, wird bei diesen Immobilien dennoch zur Gewissheit. Bewohner der Immobilien leben in idyllischer Lage am See und sind dennoch nur wenige Minuten vom nächsten Shoppingcenter oder der S-Bahn entfernt. Eines dieser Wohnviertel ist die Tegeler Insel, auf der knapp 50 Drei- und Vierraumwohnungen mit bis zu 140 Quadratmeter entstanden sind. Die Nachfrage nach den Eigentumswohnungen ist groß. Die Quadratmeterpreise schwanken zwischen 3.450 sowie 4.300 Euro. Auch das Interesse an den Wohnungen auf der Humboldtinsel ist bemerkenswert groß. In der Tat waren die Hälfte aller Immobilien am Wasser auf diesem Eiland bereits beim Setzen des ersten Spatenstichs vermarktet. Doch das Schönste an den Wohnungen auf der Humboldtinsel sind vermutlich die schwimmenden Häuser, die Floating Houses.

Erste Wohnkonzepte werden in vielen deutschen Städten umgesetzt

Immobilien wie diese üben auf Menschen eine besondere Faszination aus. Denn Gewässer in unmittelbarer Nähe vermitteln einen Eindruck der Ruhe. Vermutlich ist es das Stückchen Urlaub vor der Haustür , das Mieter und Besitzer der Wohnungen tagein, tagaus erwartet. Immobilien am Wasser sind eine vielversprechende Möglichkeit, dem Alltagsstress zu entfliehen. Auch in anderen Regionen Deutschlands wie dem Starnberger See locken Wohnobjekte, die vis-à-vis zu Gewässern gelegen sind, die Bewohner an. Andere Beispiele befinden sich beispielsweise in Schleswig oder dem Hainer See in der Nähe von Leipzig. An Optionen mangelt es nicht. Und überall verbreiten die Immobilien einen Hauch von Exklusivität.

Nicht in jeder deutschen Großstadt sind die Bauvorhaben realisierbar

Experten des Immobilienverbands Deutschland, des IVD, bestätigen die steigende Nachfrage nach Wohnobjekten am See. Häufig sind Interessenten von dem Wunsch nach einem kreativen und individuellen Wohnerlebnis getrieben. Wie viele dieser Häuser in Deutschland mittlerweile tatsächlich existieren, lässt sich nicht genau übermitteln. Diese schwere Ermittelbarkeit ist in erster Linie dem Umstand geschuldet, dass ein fließender Übergang zwischen Häusern am Wasser sowie schwimmenden Häusern besteht. Immobilienspezialisten sehen in Immobilien am Wasser eine gute Lösung, angespannten Wohnsituationen entgegenzuwirken. Allerdings gehen Insider nicht von einem Massenandrang auf die Häuser und Wohnungen aus. Ein Grund sind die verhältnismäßig hohen Preise. Wohnobjekte am Wasser wechseln aktuell für Preise von 350.000 bis 500.000 Euro den Besitzer. Zudem sind potentielle Gewässer natürlich nicht in allen deutschen Großstädten vorhanden.

Behörden stehen vor einem großen Problem

Und noch ein Problem eröffnet sich. Weil die meisten Bauordnungen schwimmende Häuser überhaupt nicht berücksichtigen, ist für jedes der Objekte eine Einzelgenehmigung erforderlich. Denn immer wieder stehen Behörden vor der Frage, ob es sich bei den Häusern und Wohnungen um ein Haus oder ein Schiff handelt. Eine andere Situation herrscht in den Niederlanden vor. In diesem Land gehören Häuser am See überall zum städtischen Erscheinungsbild dazu. Hierzulande bleibt abzuwarten, ob der Anteil an Häusern am See jemals den Exotenstatus übersteigen wird. Allerdings ist es relativ vorhersehbar, dass neue Bauprojekte in ähnlicher Form folgen werden.

Umweltfreundliche Wohnobjekte

Als Gründe führen Immobilieninsider die steigenden Meeresspiegel aufgrund des Klimawandels an, die Küstenregionen wichtiges Bauland entziehen. Zudem fließt die Komponente der erneuerbaren Energien in diese Entwicklung ein. In Immobilien am Wasser ist es möglich, dass die in den Gewässern gespeicherte Wärme direkt für die Heizungen in den Wohnobjekten genutzt werden kann. Im Sommer bietet dasselbe System die Möglichkeit, die Häuser und Wohnungen mit Wasser zu kühlen. Die ersten Schritte, um den Traum vom idyllischen Wohnen an einem See sowie Energiefreundlichkeit noch enger miteinander zu verbinden, wurden nun mit einem Bauprojekt in Südbrandenburg realisiert. Hier kooperierten Forscher wie das Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme miteinander, um ein Haus zu konzipieren, das sich komplett mit Strom, Wasser und Wärme allein versorgt. Inwiefern dieser Präzedenzfall für ein schwimmendes Gebäude als Inspiration für neue Wohnobjekte dient, wird die Zukunft zeigen.