Lärmende Nachbarn: Was kann man als Hausbesitzer da machen?

Lärm macht krank. : Lärmende Nachbarn: Was kann man als Hausbesitzer da machen?

Lärm macht krank. Allerdings gilt das nicht nur für Anwohner von Hauptverkehrsachsen und Einflugschneisen, sondern auch in vermeintlich "stillen" Wohngebieten. Doch was tun, wenn die Lärmquelle im Nachbarshaus liegt?

Eigentlich könnte es das perfekte Idyll sein: Man bezieht sein neues Häuschen oder wohnt sogar schon länger darin. Ruhige Gegend, wenige Autos, typisch verträumte Lage im "Speckgürtel" der Stadt. Doch eines Tages ziehen neue Nachbarn ein und das Idyll wandelt sich ins Gegenteil. Denn die Neuen sind alles andere als ruhig. Und plötzlich wird der Rückzugsort, an dem man sich vom Krach des Arbeits-Alltags erholt, zur regelrechten "Krawallzone". Was man dann tun kann (und sollte) erklärt der folgende Artikel.

1. Freundlicher Hinweis

Mit Honig fängt man Fliegen weitaus besser als mit Essig. Dieses bekannte Sprichwort sollte man auch in diesem Fall zum Leitbild erheben.

Wenn einige Wochen ins Land gezogen sind und der Lärm nicht stark abgeebbt ist, braucht man sich nicht länger passiv zu verhalten. Dann sollte man, idealerweise wenn gerade gelärmt wird, zu den Nachbarn gehen.

Aber: Dabei sollte man maximal freundlich sein. Da man sich ja bereits zu einem früheren Termin vorgestellt hat, kann man nun auf freundschaftlich-nachbarschaftliche Weise vorgehen. Etwa mit einer Frage "Das klingt bei mir als wäre hier mächtig was los. Kann ich Ihnen vielleicht etwas helfen?".

Damit zeigt man unmissverständlich an, dass die "Lebensgeräusche" auch jenseits der Grundstücksgrenze hörbar sind - vielen ist das vielleicht schon deshalb nicht bewusst, weil sie ihr neues Haus noch nicht genau kennen.

Je nachdem, wie die Antwort darauf lautet, sollte man weiter agieren. Gut ist immer der Vorschlag, mit hinüber zu gehen und sich den "Sound" aus Ihrer Wohnperspektive anzuhören. Wie gesagt, alles in einem freundlichen Rahmen. Gerade bei selbstbesessenen Häusern schalten sonst viele Neubesitzer auf stur.

Und erst wenn das keine Früchte trägt, kann man bei einem weiteren "Termin" auch mal einen dezenten Hinweis darauf geben, dass es in Rheinland-Pfalz ein Landes-Immissionsschutzgesetz gibt. Vielleicht lässt sich ja anhand der dort aufgeführten Ruhezeiten ein beiderseitiger Kompromiss finden.

2. Eigene Maßnahmen

Dabei sollte man die Lärmschutzzeiten aber nicht nur als Werkzeug begreifen, das für einen arbeitet. Tatsächlich tut es auch das Gegenteil, denn es lässt Freiräume, in denen auch größerer Lärm gestattet ist. Gerade bei bewohntem Eigenbesitz wiegt das schwer, denn ungleich zu Mehrparteienhäusern gibt es keine Hausverwaltung, die strengere Vorschriften erlassen könnte.

Sofern sich die Nachbarn an diese Zeiten halten und sich ihr Lärm im Rahmen gesetzlicher Grenzen bewegt, hat man praktisch keine Handhabe. Ordnungsamt und Co. zu rufen würde nichts bringen, außer vielleicht Widerstand zu provozieren.

Bedeutet, wenn einem das Gesetz nicht weiterhilft, sollte man überlegen, selbst für mehr Ruhe zu sorgen. Die einfachste bauliche Maßnahme dazu ist es, Lärmschutzfenster zu installieren. Zumindest in den Wänden, die zur Lärmquelle weisen und/oder den Räumen, in denen man sich besonders gestört fühlt (etwa im Schlafzimmer). Das hat meist einen sehr nachhaltigen Effekt.

Ferner kann es auch helfen, auf der Grenze zum Nachbarn "Schallschlucker" zu installieren. Tatsächlich können schon dichte Büsche Lärm recht effektiv mildern. Darüber hinaus bieten sich geschlossene Zaunelemente an, dazu auch Gabionen usw. Dabei muss man keine massive Dichte/Dicke anstreben. Alles, was eine optische Barriere darstellt, ist auch dazu geeignet, Schallwellen abzuhalten, abzuschwächen und zu zerstreuen.

3. Selbst die Ruhe bewahren

Wenn man bislang in Haus und Garten gnädige Ruhe genießen durfte und plötzlich von nebenan wummernde Bässe, laute Stimmen oder Werkzeuggeräusche dröhnen, schreckt man natürlich im ersten Moment auf. Schließlich ist es ein krasser Bruch in der bisherigen Ruhe.

Dennoch sollte das nicht den eigenen Blutdruck hochtreiben - noch nicht. Auch bei derartigen Störungen ist Ruhe nach wie vor erste Bürgerpflicht. Tatsächlich kann es sein, dass man den Lärm nur im ersten Moment als Lärm empfindet, weil vorher totale Ruhe herrschte. Kommt beispielsweise oft vor, wenn das nebenstehende Haus länger unbewohnt war.

Vor allem wenn die Nachbarn noch beim Umbau/Einzug sind oder erst ganz frisch im Haus, stehen die Chancen gut, dass es sich dabei um ein temporäres Problem handelt:

· Es müssen noch Renovierungs- oder Reparaturarbeiten durchgeführt werden und fast kein Werkzeug lässt sich wirklich leise betreiben.

· Der Garten soll umgestaltet werden oder braucht eine "Grundpflege", weil er lange vernachlässigt wurde.

· Die Einzugsarbeiten benötigen viele Helfer, vielleicht klappt alles nicht so, wie es gedacht war und darüber geraten viele in lautes Fluchen.

· Gerade für Kinder ist ein Umzug bzw. das Einleben sowohl abenteuerlich wie stressig. Vielleicht freut sich da auch nur jemand, dass er plötzlich viel mehr Platz hat.

· Abgeschlossene Renovierungen und Umzüge sind für die meisten Leute ein Grund zum Feiern. Und natürlich sind Feiern selten eine stille Angelegenheit.

Zusammengefasst: Gerade bei neuen Nachbarn stehen die Chancen gut, dass der Lärm nur für wenige Tage/Wochen besteht. Und auch wenn es einen stört, sollte man diese Zeit tendenziell eher abwarten. Das neue Nachbarschaftsverhältnis gleich mit einer Beschwerde einzuleiten, kann langfristig mehr Probleme auslösen als es nützt. In jedem Fall sollte man die nächste Gelegenheit nutzen, um sich freundlich vorzustellen - aber ohne den Lärm zu erwähnen.

4. Kinderlärm ist hinzunehmen - in Grenzen

Sofern es sich dabei um Kinderlärm handelt, muss man auch wissen, dass man in diesem Fall, egal wie lange es anhalten sollte, eher schlechte Karten hat.

Denn mehrere Gerichtsurteile sagen ganz klar, dass Kinderlärm hinzunehmen ist. Nur im Einzelfall und mit hinreichendem Nachweis kann man dagegen angehen.

5. Wenn nichts mehr hilft

So viel vorweg: Mit den bisherigen Punkten wird sich ein Großteil aller Lärm-Situationen in den Griff bekommen lassen. Doch wenn es gar nicht mehr anders geht, empfehlen Experten folgendes:

· Ein aussagekräftiges Lärmprotokoll über mehrere Wochen anfertigen. Dazu kann man auch Smartphone-Apps zur Hilfe nehmen, die eine Lautstärkemessung ermöglichen - die sind zwar nicht sonderlich genau, aber geben im Gegensatz zu subjektiven Aussagen wie "sehr laute Musik" einen Messwert in Dezibel an.

· Einen Anwalt einschalten. Manchmal hilft schon ein Brief mit seinem Siegel, um das Problem zu beheben.

Erst wenn das nichts hilft, muss man in den sauren Apfel beißen und eine zivilrechtliche Klage anstreben. Dabei sollte man sich aber gewiss sein, dass spätestens damit sämtliche weiteren Möglichkeiten, sich über irgendetwas gütlich zu einigen, verloren sind. Wer einmal vom Nachbarn vor den Kadi gezerrt wurde, wird in Zukunft nicht mehr bereit sein, sich auf Kompromisse und Lösungen "auf dem kleinen Dienstweg" einzulassen.

Insbesondere, weil eine solche Maßnahme oft jahrelange Rechtsstreits nach sich zieht, die einem erst recht die Ruhe rauben, sollte man deshalb zuvor alle Möglichkeiten ausschöpfen - und vielleicht auch prüfen, ob man dazu nicht auch seine eigene Toleranzschwelle etwas höherschrauben sollte.

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