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Malven statt Mais - Alternative Energiepflanzen im Test

Malven statt Mais - Alternative Energiepflanzen im Test

Naturschützer versprachen sich von der Bioenergie vielfältigen Anbau und mehr Artenreichtum auf den Feldern. Stattdessen sorgen Monokulturen für eine „Vermaisung“ der Landschaft. In Oberschwaben testen verschiedene Projekte Alternativen.

Maiskulturen bis zum Horizont, Rapsfelder soweit das Auge reicht: Der Anbau von Energiepflanzen hinterlässt überall seine Spuren. Obwohl sie einen relativ kleinen Anteil am Energieträger-Mix ausmachen und ihr Anteil inzwischen stagniert, haben Silomais und Raps die Agrarlandschaft verändert.

Nach Zahlen des Statistischen Landesamtes wurde 2013 auf 14,2 Prozent der baden-württembergischen Ackerfläche Silomais angebaut, ein Großteil davon zur Energiegewinnung. Raps wächst auf 7,2 Prozent der Felder. Das bringe vielerorts Ökosysteme aus dem Gleichgewicht, warnen Naturschützer. „Wo Grünland umgebrochen wurde, ist das immer ein Anschlag auf die Artenvielfalt und auf den Klimaschutz“, sagt Gottfried May-Stürmer vom BUND Baden-Württemberg in Stuttgart.

„Wird Mais angebaut, wo vorher Wiesen waren, ist alles, was auf Wiesen angewiesen ist, dann natürlich weg“, sagt er. Dazu gehörten etwa Singvögel wie das Braunkehlchen oder die langschnäbeligen Bekassinen. Auch Kiebitze mit ihren charakteristischen schwarzen Hauben seien „in vielen Landkreisen schon komplett weg“. Ebenso bräuchten viele Schmetterlingsarten, Wildbienen und andere Blütenbesucher bunte Wiesen zum Überleben.

Beim Rapsanbau sei insbesondere der Einsatz von Pestiziden problematisch: „Es gibt keine andere Ackerkultur, bei der so viel gespritzt wird“, warnt der Biologe. Viele Blüten des bei Bienen als Nektarquelle beliebten Rapses enthielten dann Pestizidreste.

In Oberschwaben untersucht Landschaftsökologe Martin Dieterich in einem vom Bundesumweltministerium unterstützten Forschungsprojekt die Auswirkungen von Energiepflanzen auf die biologische Vielfalt. Auf Versuchsfeldern im Kreis Sigmaringen bauen die Wissenschaftler der Universität Hohenheim in Kooperation mit Bauern sechs Kulturen an: Mais als für die Biodiversität ungünstigste und Wildkräutermischungen als schonendste Energiepflanzen, Raps für Biodiesel, Zuckerrüben für Industriealkohol, das Chinaschilf Miscanthus als Festbrennstoff und unreifes Getreide für die Biogasanlagen.

„Wir sehen uns dann die Artenvielfalt auf jedem einzelnen Feld an“, erklärt Dieterich. Gezielt erfassen die Forscher Gruppen, die verschiedene Funktionen im Ökosystem abdecken, darunter Wildpflanzen, Vögel, Insekten, Spinnen und Würmer. Bis Ende März 2014 sollen Ergebnisse vorliegen.

Auch das Landesprojekt „Plenum“ testet seit 2011 mit knapp 30 Landwirten in den Kreisen Konstanz, Tuttlingen, Sigmaringen und im Bodenseekreis den Anbau von Wildpflanzenmischungen für Biogasanlagen. Statt eintönigem Mais schmücken auf rund 50 Hektar Pimpernelle, Sonnenblumen, Malven oder Ackerwildmöhren die Felder.

„Zwar sind die Erträge geringer, doch weil viele mehrjährige Pflanzen darunter sind, können die Landwirte die Kosten für Aussaat und Dünger reduzieren“, erklärt Michael Baldenhofer von „Plenum Westlicher Bodensee“ in Konstanz. Auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gehe zurück, wie erste Ergebnisse zeigten.

Zu einer etwas anderen Biogasanlage haben sich vier Landwirte in dem kleinen Weiler Hahnennest bei Ostrach im Kreis Sigmaringen zusammengeschlossen. In einem Zehn-Punkte-Papier verpflichten sie sich, in der 1,5-Megawatt-Anlage mindestens 50 Prozent Gülle, biologische Abfälle und Biomasse aus der Landschaftspflege einzusetzen und den Maisanteil auf maximal 35 Prozent zu begrenzen.

Statt Monokulturen soll es auf ihren Feldern dreigliedrige Fruchtfolgen geben. Damit wollen die Bauern verhindern, dass Nährstoffe ausgewaschen werden. Zudem sollen der Einsatz von Pestiziden minimiert sowie Flora und Fauna geschützt werden.

Projektseite der Uni Hohenheim

Energiepark Hahnennest

Zehn-Punkte-Papier Hahnennest (pdf)