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Die neue Art zu wohnen
Minimalismus und schlichtes Möbeldesign gefragt

 Ein Tisch und eine Bank brauchen eigentlich nur vier Beine und eine Platte. Das trendige Design ist auch bei Gartenmöbeln beliebt, auf der Möbelmesse IMM in Köln am Stand von Muuto zu sehen. Foto: Franziska Gabbert
Ein Tisch und eine Bank brauchen eigentlich nur vier Beine und eine Platte. Das trendige Design ist auch bei Gartenmöbeln beliebt, auf der Möbelmesse IMM in Köln am Stand von Muuto zu sehen. Foto: Franziska Gabbert FOTO: Franziska Gabbert
Köln. Minimalismus ist ein Lebenskonzept, das gerade viele anzusprechen scheint. Es geht darum, seinen Besitz auf das Wesentliche zu reduzieren. Auch Designer und Käufer wenden sich dem Konzept zu. Von Isabelle Modler, dpa

Auf der Möbelmesse IMM in Köln (14. bis 20. Januar) waren die gezeigten Wohnwelten merklich reduzierter eingerichtet, und das Design ist schlichter geworden. Drei Leitgedanken für die neue Art des Wohnens:

Klare Formen

Viele Möbel haben aktuell ein reduziertes, geradliniges Design. Sie sind schnörkellos, ohne Chichi. Ein Regal setzt sich aus einem Brett mit zwei filigranen Halterungen zusammen, viele Garderoben bestehen sogar nur aus einem viereckigen Rahmen.

Die Einrichtung kann gut auf das Wesentliche reduziert werden - was ihre Funktion herausstellt. Das hat Vorteile: Das geradlinige Design eigne sich dafür, Dinge in Szene zu setzen, erläutert das Unternehmen&tradition seine neue Regale Column JA1 und JA2. Und derart schlichte Möbel können selbst ein Statement sein. „Denn sie stehen für sich und für einen bestimmten Stil“, sagt Ursula Geismann, Trendanalystin des Verbands der Deutschen Möbelindustrie (VDM).

Hommage an die Vergangenheit

Zum 100. Gründungsjubiläum in diesem Jahr taucht der reduzierte Bauhausstil verstärkt auf den Möbelmessen auf. Wenige Möbelhersteller haben eine Lizenz, um die Bauhaus-Designs auch heute noch zu produzieren - etwa Knoll International, Classicon, Tecta und die Firma Thonet. Letztere bringt gerade den berühmten Kaffeehausstuhl 214 von Michael Thonet aus dem Jahr 1859 neu heraus, wobei das Designduo Besau Marguerre das Farbkonzept abgewandelt hat.

Die Stühle gibt es nun in Schwarz, Weiß, Samtrot und Salbei, die Verbindungsstücke sind einige Nuancen heller gebeizt. Dieser Kniff lässt die minimalistische Konstruktion noch deutlicher werden. „Auch die Maserung des Holzes kommt besser zur Geltung“, erklärte der Designer Marcel Besau auf der Kölner Möbelmesse.

Der Stuhl ist ein Anschauungsbeispiel für die Idee des reduzierten Designs und seine Funktionalität: Er besteht lediglich aus sechs Bauteilen, zehn Schrauben und zwei Muttern. In der Zeit seiner Entstehung ließ der Stuhl sich dank der wenigen Bestandteile leichter produzieren, zerlegen und verschiffen, erzählt Designer Besau. „Dadurch wurde der Stuhl für die Massenproduktion tauglich.“

Weniger Besitz und Dekoration

Minimalisten reduzieren ihren Besitz auf das Wesentliche. Das ist für manchen eine Art Konsumkritik, erklärt Geismann. Achtsamkeit ist vielen wichtig geworden, Nachhaltigkeit ebenso. Aber auch die Lebensrealität vieler Menschen hat sich verändert, gerade die der Generation der aktuell 20- bis 40-Jährigen.

Sie sind mobiler und flexibler, wie Trendanalyst Frank A. Reinhardt erklärt. Die Generation hat teils im Ausland studiert, ist in jungen Jahren schon weit gereist und zieht beruflich bedingt oft um. Sie definiert das Wort Zuhause somit anders: Es gebe keinen Ankerpunkt mehr, an dem man öfters zurückkehrt. „Sondern man ist zu Hause, wo man gerade lebt“, erklärt Reinhardt.

Wer so häufig umzieht, versucht, nur wenig mitzunehmen und seinen Besitz auf ausgewählte Stücke zu reduzieren. „Die Lieblingsstücke, WLAN und iPad bilden den Wohnbesitz“, sagt Reinhardt. Sie werden in möblierte Wohnungen mitgenommen, deren Anteil seiner Meinung nach noch weiter wachsen wird. Für die Lieblingsstücke bietet sich reduziertes Design geradezu an. Es ist zeitlos, und die Möbel finden in quasi jedem Einrichtungsstil ein Plätzchen.

IMM Cologne

Bauhaus: 100 Jahre

 Schlicht gehaltene Möbel liegen im Trend, wie die Wohnwelten von arflex auf der Kölner Möbelmesse IMM zeigen. Foto: Franziska Gabbert
Schlicht gehaltene Möbel liegen im Trend, wie die Wohnwelten von arflex auf der Kölner Möbelmesse IMM zeigen. Foto: Franziska Gabbert FOTO: Franziska Gabbert
 Beliebt sind aufs Wesentliche reduzierte Möbel, wie das Sideboard von Piure auf der Kölner Möbelmesse. Es hat glatte Fronten und keine Griffe. Foto: Franziska Gabbert
Beliebt sind aufs Wesentliche reduzierte Möbel, wie das Sideboard von Piure auf der Kölner Möbelmesse. Es hat glatte Fronten und keine Griffe. Foto: Franziska Gabbert FOTO: Franziska Gabbert
 Schlichte Wohnkonzepte liegen im Trend, wie auch hier am Stand von Montis auf der Kölner Möbelmesse IMM zu sehen. Foto: Franziska Gabbert
Schlichte Wohnkonzepte liegen im Trend, wie auch hier am Stand von Montis auf der Kölner Möbelmesse IMM zu sehen. Foto: Franziska Gabbert FOTO: Franziska Gabbert
 Der Kaffeehausstuhl 214 von Thonet wird in einer farblichen Überarbeitung neu aufgelegt. Foto: Franziska Gabbert
Der Kaffeehausstuhl 214 von Thonet wird in einer farblichen Überarbeitung neu aufgelegt. Foto: Franziska Gabbert FOTO: Franziska Gabbert
 Schlichte einfache Entwürfe wie der Schreibtisch Libri von Swedese sind aktuell beliebt. Foto: Swedese
Schlichte einfache Entwürfe wie der Schreibtisch Libri von Swedese sind aktuell beliebt. Foto: Swedese FOTO: Swedese
 Viele Anbieter setzen derzeit auf Garderoben, die nur aus einem Metallrahmen bestehen. Hier ein Beispiel von Roomsafari auf der Möbelmesse IMM in Köln. Foto: Franziska Gabbert
Viele Anbieter setzen derzeit auf Garderoben, die nur aus einem Metallrahmen bestehen. Hier ein Beispiel von Roomsafari auf der Möbelmesse IMM in Köln. Foto: Franziska Gabbert FOTO: Franziska Gabbert
 Viele reduzierte Möbelentwürfe basieren auf geometrischen Formen, wie hier während der IMM bei Arper zu sehen. Foto: Franziska Gabbert
Viele reduzierte Möbelentwürfe basieren auf geometrischen Formen, wie hier während der IMM bei Arper zu sehen. Foto: Franziska Gabbert FOTO: Franziska Gabbert
 Der Kaffeehausstuhl 214 von Thonet ist ein Anschauungsbeispiel für die Idee des reduzierten Designs: Er besteht lediglich aus sechs Bauteilen. Foto: Thonet
Der Kaffeehausstuhl 214 von Thonet ist ein Anschauungsbeispiel für die Idee des reduzierten Designs: Er besteht lediglich aus sechs Bauteilen. Foto: Thonet FOTO: Thonet
 tradition stellte auf der Kölner Möbelmesse IMM seine neuen, schlichten Regale Column JA1 und JA2 (im Bild) von Designer John Astbury vor. Foto: Franziska Gabbert
tradition stellte auf der Kölner Möbelmesse IMM seine neuen, schlichten Regale Column JA1 und JA2 (im Bild) von Designer John Astbury vor. Foto: Franziska Gabbert FOTO: Franziska Gabbert
 Das Bedürfnis nach Aufgeräumtheit ist längst auch in Europa angekommen und wird von den Möbelfirmen - hier Vitra - gespiegelt. Sie zeigen auf der Kölner Messe IMM volleingerichtete Zimmer - aber wesentlich reduzierter möbliert als noch vor einigen Jahren. Foto: Franziska Gabbert
Das Bedürfnis nach Aufgeräumtheit ist längst auch in Europa angekommen und wird von den Möbelfirmen - hier Vitra - gespiegelt. Sie zeigen auf der Kölner Messe IMM volleingerichtete Zimmer - aber wesentlich reduzierter möbliert als noch vor einigen Jahren. Foto: Franziska Gabbert FOTO: Franziska Gabbert
 Auch 100 Jahre nach der Gründung des Bauhaus finden sich noch viele Möbel im Handel - wie der Beistelltisch von Eileen Gray namens E1027 von Classicon aus dem Jahr 1927. Foto: Franziska Gabbert
Auch 100 Jahre nach der Gründung des Bauhaus finden sich noch viele Möbel im Handel - wie der Beistelltisch von Eileen Gray namens E1027 von Classicon aus dem Jahr 1927. Foto: Franziska Gabbert FOTO: Franziska Gabbert