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Nachhaltig in modularer Bauweise bauen

Hoher Bedarf an neuen Wohnungen : Nachhaltig in modularer Bauweise bauen

Die klassische Art zu bauen, ist nicht mehr ganz zeitgemäß. In Zeiten von Industrie 4.0, dem Internet der Dinge und schnellen Veränderungen wollen alle flexibel sein, ohne sich lange zu binden. Ein Eigenheim zu planen und zu bauen, kostet nicht nur viel Zeit und Nerven, sondern vor allem auch sehr viel Geld. Dabei sind viele Häuser sehr individuell, was sie sehr teuer macht. Darüber hinaus sind sie für Fehler anfällig.

Auch wenn sie also noch die Regel ist, passt die üppige Bauweise eigentlich nicht mehr in die heutige Zeit. Im Gewerbebau hat sich längst die Systembauweise durchgesetzt: modulares und serielles Bauen. Inzwischen gibt es im privaten Wohnungsbau auch immer mehr Bauherren, die sich für die Systembauweise entscheiden. Modulares Bauen galt lange Zeit als billig und schnell. Heute betonen die Anbieter, wie nachhaltig modulares Bauen ist.

Hoher Bedarf an neuen Wohnungen

Einer Studie des IW Köln (Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln) zufolge, fehlen jährlich rund 342.000 neue Wohnungen. Um diesen Mangel etwas abzumildern, sind viele Städte und Gemeinden von der Idee begeistert, seriell Wohnungen zu bauen. Das bedeutet, die Wohnungen entstehen mithilfe standardisierter Entwürfe und Grundrisse und mit Fertigmodulen. Bis vor wenigen Jahren war diese Bauweise verpönt als langweilig, monoton, unflexibel und wenig nachhaltig. Heute beweisen die modernen Bauspezialisten das Gegenteil: Modulares Bauen und Nachhaltigkeit schließen sich nicht mehr aus.

Computersimulationen helfen bei der Planung

Mithilfe von Computersimulationen ist es möglich, vom geplanten Gebäude ein dreidimensionales Modell zu erstellen, das auch exakt die künftige Umgebung abbildet. Auf diese Weise ist es möglich, sämtliche Wettereinflüsse im Jahresverlauf darzustellen, wie Sommerhitze, Aprilwetter und tiefstehende Wintersonne. Aufgrund dieser Daten ist es dann möglich, die zukünftigen Verbrauchswerte realistisch zu berechnen. Auch die effiziente Bewirtschaftung der Gebäude lässt sich analysieren und anhand der so gewonnenen Daten lassen sich Schwachstellen aufzeigen und die Gebäudetechnik optimieren. Das hilft beim Einsparen von Energie.

Synergieeffekte durch Fertigbausysteme

Die Einzelfertigung ist zeitaufwendig und teuer. Viel effizienter ist es, Prototypen zu planen, die sich anschließend deutschlandweit in Serie umsetzen lassen. Ein Fertigbausystem ist nicht zwingend kostengünstiger als die massive Bauweise. Doch durch den Einsatz vorgefertigter Elemente entstehen Synergieeffekte, die sich positiv auf die Energiebilanz auswirken. Beispielsweise spart gebündelte Logistik sehr viel Energie, weil nur wenige Fahrten pro Baustelle erforderlich sind.

Zudem lassen sich die Kosten und auch die Bauzeit mit der Serienbauweise viel besser planen, als wenn jeder Bauherr sein individuelles Haus baut. Zudem ist bei der Fertigung von Systemteilen unter Fabrikbedingungen eine standardisierte Qualitätskontrolle möglich. Abfall lässt sich kontrolliert beseitigen. Baustellenlärm ist reduziert, denn die Montagezeit ist im Vergleich zur herkömmlichen Bauweise bei der modularen Bauweise wesentlich geringer.

Flexibel bauen

Einige Anbieter haben sogenannte Raumzellen, die die Basis ihres Konzepts bilden. Werden diese Raumzellen horizontal und vertikal kombiniert, entstehen Gebäude in fast grenzenloser Vielfalt. Das bestätigt auch die Fraunhofer Allianz Bau. Diese Bauweise lässt sich flexibel auf verschiedene Gebäude- und Grundrisskonzepte anwenden. Damit sind im Wohnungsbau beispielsweise barrierefreie Wohneinheiten möglich, die für Singles bis hin zu Familien konfigurierbar sind. Modulbau ist nicht einfach ein Konzept, das auf alle passen muss. Modulbau ermöglicht individuelle Architektur.

Je nach Lebenssituation und Hersteller ist es möglich, verschiedene Module zeitweise zu nutzen, hinzuzufügen und wieder abzubauen. Teilweise ist es sogar möglich, die gewünschten Module auf Zeit zu mieten. Es entsteht keine feste, unflexible Lösung, in die Bauherren viel Geld investieren müssen.

Wie funktioniert modulares Bauen?

Modular gefertigte Gebäude werden industriell vorgefertigt. Das spart Zeit und Kosten. Die in der Fabrikhalle gefertigten Bauteile sind sehr präzise, damit steigt die Gebäudequalität. Vor Ort stellen die Bauarbeiter die Teile nur noch auf, verankern sie und schließen alles an. Damit reduzieren sich für Bauherren die Unsicherheiten, gleichzeitig steigen Planungs- und Kostensicherheit. Das ist der große Unterschied zu klassischen Fertighäusern. Dennoch lassen sich die fertigen Module wohnlich, ansprechend und individuell gestalten.

Modulare Häuser lassen sich versetzen und sind recyclebar

Durch die Bauweise in einzelnen Modulen ist es nicht nur möglich, Gebäude schnell und einfach vor Ort aufzubauen. Es ist auch möglich, ein Haus ab- und an anderer Stelle wieder aufzubauen. Darüber hinaus sind die einzelnen Bauteile komplett recyclingfähig.

Nachhaltige Bauen hat Zukunft

Nachhaltiges Bauen hat zum Ziel, mithilfe einer angemessenen Bauweise eine hohe ökologische Qualität sicherzustellen. Beim konventionellen Bauen sind die Energie- und Stoffströme sehr groß. Durch nachhaltiges Bauen werden bewusst Ressourcen geschont und die negativen Effekte des Bauens auf die Umwelt reduziert. Das schützt das Ökosystem. Modulares Bauen als eine Form des nachhaltigen Bauens hat ein hohes Innovationspotenzial. Dazu gehören Technologien für eine umweltgerechte und saubere Energiegewinnung, leistungsfähige und biologisch abbaubare Materialien. Dazu gehört auch High Tech für eine intelligente Gebäudesteuerung. Das schützt den Planeten und schont das Budget. Nachhaltige Gebäude haben niedrigere Lebenszykluskosten. Das Prinzip sollte nicht nur bei Neubauten Anwendung finden. Auch bei der Sanierung und Modernisierung von Bestandsimmobilien lassen sich die Prinzipien anwenden.