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Putz ist nicht gleich Putz - Neues Outfit für die Fassade

Welcher Putz an die Wand kommt, bestimmen vor allem die klimatischen Verhältnisse am Standort. Foto: Roland Weihrauch
Welcher Putz an die Wand kommt, bestimmen vor allem die klimatischen Verhältnisse am Standort. Foto: Roland Weihrauch
Frankfurt/Main (dpa/tmn). Die Farbe blättert ab, der Putz bröselt von der Hausfassade. Heimwerker dürfen nicht jedes Material für Ausbesserungen oder Neuverputzen nehmen. Denn nicht jeder Putz eignet sich für jeden Standort. Von Katja Fischer, dpa

Der Frühling ist eine gute Zeit, sich neu einzukleiden. Auch Häusern tut ein neues Outfit gut - vor allem, wenn die Fassade mit der Zeit Risse und Löcher bekommen hat. Frische Farbe verleiht ihr Attraktivität und steigert den Wert der Immobilie. Aber Hausbesitzer dürfen nicht einfach zu Spachtel und Kelle greifen, um frischen Putz aufzutragen. Vorher gilt es, gut zu recherchieren. Denn Putz ist nicht gleich Putz. Und Haus ist nicht gleich Haus.

Früher gab es den guten, alten Baustellenmörtel, der für fast jedes Gebäude verwendet wurde. „Er darf aber nicht mehr eingesetzt werden, außer für die Denkmalpflege“, erklärt Heinz Held, Vorsitzender der Fachgruppe Putz im Bundesverband Farbe, Gestaltung, Bautenschutz in Frankfurt am Main. Aber es gibt viele Nachfolger: Der Bauherr hat die Auswahl zwischen Putzen aus unterschiedlichen Materialien.

Grundsätzlich unterscheiden Fachleute zwischen mineralischen und Kunststoffputzen. In den meisten Fällen geeignet ist der mineralische Putz. „Er hat Eigenschaften, die das Gebäude gesund erhalten“, sagt Ulrich Zink, Vorsitzender des Bundesarbeitskreises Altbausanierung in Berlin. „Weil er diffusionsoffen ist, puffert er sogar Schlagregen und gibt die Feuchtigkeit dann wieder an die Umwelt ab.“

Ökologisch bewusste Hausbesitzer greifen gerne auf alte Putzarten zurück. „Im Trend liegen Reinkalkputze und hydraulische Kalkputze“, berichtet Branchenexperte Heinz Held. „Die sind ganz natürlich.“ Auch Kunstharzputze werden häufig im Außenbereich verwendet, weil sie gut haften und ihr Farbton lange erhalten bleibt. „Allerdings platzen Putze mit Kunststoffanteil bei Feuchtigkeit gerne ab“, warnt Zink.

Vorsicht sei dann geboten, wenn Kunstharzputz auf mineralischen Putz aufgetragen werden soll. „Die alte Schicht muss vorher unbedingt entfernt werden, sonst fällt der neue Putz schnell wieder runter“, erklärt Zink. Die einzelnen Putze haben Vor- und Nachteile. Grobes Material hält gut, aber es bleibt schnell Schmutz daran hängen. Feinputz sieht glatter aus, es bilden sich aber eher feine Rissen.

Daneben gibt es hunderte Farben und Muster - fast alles ist machbar. „Oft wird mit neuartigen Eigenschaften geworben wie dem Lotuseffekt“, erläutert Zink. „Aber was toll klingt, muss nicht für jeden Einsatzfall gut sein.“ So bewirke der Lotuseffekt, dass das Wasser von der Fassade abperlt. „Das erhöht zwar die Lebensdauer des Putzes, kann aber auch zur Verschmutzung der Fassade führen.“

Die klimatischen Verhältnisse im Umfeld der Immobilien sind entscheidend für die Wahl des geeigneten Putzes. In feuchten Gegenden setzen mineralische Putze leicht Moos, Flechten und Algen an. Hier könnte ein Silikat- oder Kunststoffputz die bessere Wahl sein. „Man muss auch immer den Untergrund der Fassade berücksichtigen“, ergänzt Zink. Wer die Bauphysik nicht beachtet, riskiert mittel- und langfristig Schäden an der Außenhaut des Hauses.

„Sind mehr als 25 Prozent des alten Putzes defekt, reicht das Ausbessern und Anstreichen nicht mehr“, sagt Heinz Held. Und dann kommt auch gleich eine gesetzliche Regelung zum Tragen: „Dann muss das ganze Haus wärmegedämmt und neu verputzt werden.“ Das sieht die Energieeinsparverordnung (EnEV) vor.