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Trockenlegen nach der Flut: Nur lüften reicht meist nicht

Trockenlegen nach der Flut: Nur lüften reicht meist nicht

München (dpa/tmn) - Nach der Flut kommt das Aufräumen - das Gebäude muss getrocknet werden. Doch mehr als erst einmal zu lüften, können viele Betroffene nicht tun. Gibt es Estrich, Fußbodenheizungen und viel Holz im Haus, kann meist nur der Profi etwas retten.

Das Wasser ist weg, aber die Wände und Böden im Haus sind noch feucht. Und jetzt? Vor dieser Frage stehen derzeit viele in den Hochwassergebieten. „Das eine, was ich selbst zunächst machen kann - und das ist auch das Einfachste, was ich tun kann -, ist die Luft zu trocknen“, sagt Prof. Norbert Gebbeken von der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau . Das heißt: Fenster und Türen öffnen und für Durchzug sorgen. Mit der Luft zieht auch Feuchtigkeit aus den Wänden nach draußen. „Dann einen Heizlüfter zuschalten - sofern ich die Möglichkeit habe“, empfahl Gebbeken. Ein Hygrometer kontrolliert die Luftfeuchtigkeit. Diese ist im Normalfall nicht höher als 60 Prozent.

„Wenn ich einen Estrich habe, reicht es aber üblicherweise nicht aus, nur die Luft zu trocknen“, erläuterte der Professor für Baustatik an der Universität der Bundeswehr in München. Dann muss der Estrich angebohrt werden. „Der Laie kann das nicht machen.“ Vor allem wenn es eine Fußbodenheizung gibt, sollte kein Hausbesitzer im Übereifer selbst zur Bohrmaschine greifen: „Sie wissen nicht, wo die Schlaufen liegen, und wenn Sie den Estrich anboren, können Sie Ihre Fußbodenheizung zerstören.“

Betroffene sollten sich rasch um einen Handwerker, Ingenieur oder sonstigen Experten bemühen, wenn es biologische Dämmstoffe im Haus gibt. „Dämmstoffe nehmen Feuchtigkeit besonders auf, da sie viele Poren haben“, erläuterte Gebbeken. In feuchten biologischen Dämmstoffen wachsen Algen, und Schimmel bildet sich. Weniger anfällig sind mineralische Stoffe wie Steinwolle.

In den überfluteten Altstädten sind die Folgen in den schönen Fachwerkhäuser besonders schlimm, aber auch jeder Neubau mit Parkettboden hat ein Problem: „Wir haben wenig Möglichkeiten, die Feuchtigkeit aus Holz herauszuholen.“ Nur Spezialgeräte können das. Gebbeken vergleicht ihre Funktionsweise mit einem trockenen Handtuch: „Wenn man beispielsweise Kleidung schnell trocknen will, wickelt man sie in ein Handtuch. Das ist trocken, porig und nimmt die Feuchtigkeit sehr schnell raus.“

Aber in den ersten Tagen nach der Flut dürften Betroffene nur mit Glück einen Handwerker bekommen. Daher rät der Baustatiker Hausbesitzern mit solchen Baumaterialien im Gebäude, erst einmal abzuwarten. Sie sollten nur eigenhändig loslegen, wenn sie deutliche Wasserschäden entdecken: „Wenn ich sehe, dass sich das Parkett oder der Estrich gewellt hat oder dass die Wandverkleidung aufgequollen ist, dann so schnell wie möglich raus damit.“ Die Materialien seien dann eh nicht mehr zu retten, und der Hausbesitzer könne immerhin Vorarbeit leisten, bis ein Handwerker verfügbar ist. „Ich gebe dann der Wand, die dahinter ist, die Möglichkeit, schneller zu entfeuchten.“

Glück hat, wer modern gebaut hat - wenn also der Keller eine Stahlbetonwanne hat und Industriebeton statt Estrich verlegt wurde. „Diese Konstruktionen bekommen wir am ehesten wieder trocken“, sagte Gebbeken. Hier brauche es unter Umständen nur viel Zugluft und einen Heizlüfter. Die Geräte können Betroffene in Baumärkten leihen oder kaufen. Spezialisierte Firmen, die ebenfalls Trocknungsgeräte vermieten, können Betroffene über Listen der Handwerkskammern und der Ingenieurkammern der Länder finden.

Service:

Die Verbraucherzentralen beraten Opfer des Hochwassers kostenlos zu Fragen rund um das Aufräumen. Unter der Telefonnummer 0800/100 37 11 stehen die Experten montags bis freitags zwischen 9.00 und 16.00 Uhr zu Verfügung. Sie erläutern, was im Schadensfall zu beachten ist und welche Versicherungen greifen. Außerdem können sie Auskunft über Finanzspritzen durch Bund und Länder geben und auch Alltagsfragen beantworten, ob zum Beispiel bestimmte Lebensmittel aus überfluteten Häusern noch genießbar sind.

Bayerische Ingenieurekammer-Bau

Umweltamt Dresden

„In dem Moment, in dem ich auspumpe, wird das Haus wie ein kleines Boot. Es schwimmt auf dem Wasser. So entsteht zusätzlicher Druck auf die Seitenwände und den Boden. Wenn ich bei einem Meter Wasserstand auspumpe, kommt auf den Quadratmeter eine Kraft von etwa einer Tonne. Der Kellerfußboden wird reißen. Solange das Wasser drinnen wie draußen steht, gibt es einen Druckausgleich“, sagt der Leiter des Dresdner Umweltamts, Christian Korndörfer.