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Wenn der Mieter Flagge zeigt

Wenn der Mieter Flagge zeigt

Pünktlich zur Weltmeisterschaft verwandelt sich Deutschland wieder in ein Fahnenmeer. Doch auch für eingefleischte Fans gibt es Regeln: Sowohl bei der Dekoration als auch bei der Feier sind ihnen Grenzen gesetzt.

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien nähert sich der heißen Phase, für Fußball-Fans ohne Zweifel die größte Partyzeit des Jahres. Bei aller Begeisterung: Mieter müssen jedoch einige Regeln beachten.

Fahnen:
Wer eine National-fahne hissen will, kann das grundsätzlich tun. Das gehört mit zum Recht der freien Persönlichkeitsentfaltung, die jedem Mieter zugestanden werden muss. Sowohl in den Fenstern als auch am Balkon können Fahnen ohne Probleme hängen - da ist der Mieter Herr im Hause. Etwas anderes wäre es allerdings, wenn per Mietvertrag Dekorationen untersagt worden sind und der Mieter das akzeptiert hat.
An Fassaden oder etwa auf dem Dach sollten persönliche Fanbekundungen nur dann gehisst werden, wenn sich der Vermieter und gegebenenfalls die Eigentümergemeinschaft damit einverstanden erklärt haben.
Das gleiche gilt für gemeinschaftlich genutzte Gärten oder Terrassen. Das gilt insbesondere dann, wenn spezielle Halterungen fest am Gebäude installiert werden sollen.
Partys: Der Mieter kann in seine Wohnung im Prinzip so viele Leute einladen wie reinpassen. Von einer "Überbelegung" kann der Vermieter bei einem vorübergehenden Besuch nicht sprechen. Allerdings haftet der Mieter natürlich für alles, was seine Gäste anstellen, etwa für Schäden oder Verschmutzungen im Treppenhaus. Findet die WM-Party auf dem Balkon oder im Garten statt, so muss das grundsätzlich ebenfalls hingenommen werden. Das Landgericht Frankfurt (Az: 2/21 O 424/88) sah 24 Teilnehmer einer Gartenparty noch "im Rahmen gesellschaftlicher Gepflogenheiten". Es liege außerdem in der Natur eines solchen Festes, "dass gelacht und auch lauter geredet wird".
Lärm: Egal, ob zehn oder 50 Gäste gekommen sind - es gelten die Lärmvorschriften, die sich aus den Landes-Immissionsschutzgesetzen ergeben. So sind genau genommen in einem gemischten Wohngebiet tagsüber nur 55 dB(A) erlaubt, also weniger als üblicher Staubsauger-lärm - was aber wohl kaum jemand während der WM nachmessen wird. Die Nachtruhe ab 22 Uhr sollte indes beachtet werden. Anders als vielfach vermutet, gibt es kein Recht auf Krach bis Mitternacht während eines Großereignisses wie der WM.
Ab 22 Uhr muss ein Nachbar schlafen können. Daran sollten Fußball-Fans besonders dann denken, wenn sie einen Fernseher auf den Balkon oder in den Garten stellen und nach dem Abpfiff noch ein wenig feiern wollen.

Grillen:
Bratwürstchen und Steaks zum Bier machen die WM-Party erst perfekt. Hier allerdings ist erhöhte Sensibilität gefragt: Ein generelles Recht darauf, draußen zu grillen, gibt es nicht. Per Hausordnung oder Mietvertrag ist es Mietern mitunter sogar ausdrücklich untersagt. Wer sich trotz Abmahnung nicht daran hält, muss im schlimmsten Fall mit einer Kündigung rechnen (Landgericht Essen, Az: 10 S 438/01).
Nicht nur das: Wegen Verstoßes gegen das jeweilige Landes-Immissionsschutzgesetz kann ein Bußgeld von bis zu 500 Euro verhängt werden, zum Beispiel dann, wenn Rauch nebenan in Wohn- und Schlafräume zieht (OLG Düsseldorf, Az: 5 Ss 149/95).
Wer einen Elektrogrill benutzt, kann solchem Ärger vorbeugen, da beim Elektrogrill die Rauchentwicklung erheblich geringer ist. np