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Wenn der Schlüsselnotdienst zu teuer ist

Wenn der Schlüsselnotdienst zu teuer ist

Die schwarzen Schafe unter den Schlüsselnotdiensten beschädigen den Ruf der Branche. Bis zu 1000 Euro hat ein Dienst für das Öffnen der Tür und das Auswechseln des Schlosses an einem Feiertag verlangt.

Kamen. Sind 300 Euro für die Öffnung einer Wohnungstür an einem Sonntag angemessen, obwohl dafür nur rund eine Minute Zeit aufgewendet werden musste? Ja, sagt das Amtsgericht Hannover. Nämlich dann, wenn der Mann vom Schlüsseldienst seinen Kunden vorher darüber informiert hat. Hier fand das Aufklärungsgespräch in dem Hausaufzug auf dem Weg zur Wohnung statt. Neben üblichen Gebühren war von verschiedenen Zuschlägen die Rede. Und dass Barzahlung Bedingung sei. Der Mieter akzeptierte - möglicherweise zum Schein. Und da er nicht über genügend Bares verfügte, fuhr er nach getaner "Arbeit" mit dem Türöffner zur Bank und legte ihm 315 Euro auf die Hand.
Vielleicht hatte er da schon den Gedanken im Hinterkopf, den vermeintlichen Abzocker wegen Wuchers zu verklagen - was ja oft genug schon passierte und nicht selten auch zu Gunsten der Kunden ausgegangen war. Diesmal aber hatte der Schlüsseldienst das bessere Ende für sich. Der Kunde habe sich nicht in einer Zwangslage befunden, die der Mitarbeiter mit dem richtigen Werkzeug ausgenutzt hätte. Denn nur dann könne von Wucher überhaupt die Rede sein (AmG Hannover Az.: 249 Ds 5342 Js 31257/12).
Ansonsten: Ob unverschämte Feiertagszuschläge oder dubiose Einträge im Branchenverzeichnis: Die schwarzen Schafe unter den Schlüsselnotdiensten beschädigen den Ruf der Zunft. Vor Gericht unterliegen sie zwar oft. Doch nicht jeder Kunde, der geprellt worden ist, traut sich gegen die Abzocker vorzugehen.
Gestutzte Rechnung


Sollten sie aber - wie folgende Entscheidungen darlegen: Ein Schlüsseldienst im Bonner Raum berechnete für das Öffnen und Erneuern eines Türschlosses knapp 1000 Euro, weil er an einem Feiertag tätig werden musste. Der Kunde - offenbar völlig perplex - zahlte die Summe vor Ort in bar. Mit klarem Kopf ging er später gegen die Rechnung an - und gewann vor dem Amtsgericht Bonn. Die wucherische Rechnung hatte die Positionen Anfahrt, Ersatzschloss, Arbeitszeit, Sicherheitsbeschlag und Feiertagszuschlag. Das Gericht nahm sich jede einzelne Position vor, ermittelte die üblichen Preise und stutze die Rechnung auf 300 Euro. Die Differenz muss der Schlüsseldienst erstatten (Amtsgericht Bonn, Az.:2 C 237/08). Der Betreiber eines Schlüsselnotdienstes machte im Telefonbuch irreführende Angaben über seinen Betriebssitz. Er gab seinen tatsächlichen Standort nicht eindeutig preis. Das Oberlandesgericht Hamm urteilte, dass das unlauter sei. Schließlich sei es für Verbraucher, die einen solchen Notdienst in Anspruch nehmen müssen, enorm wichtig, dass er nah ist, schnell helfen könne und die (Fahr-) Kosten deswegen nicht allzu hoch ausfallen (OLG Hamm, Az.: 4 U 11/07).
Da Schlüsseldienste meist über Branchentelefonbücher gesucht werden, hat es sich eingebürgert, dass Unternehmen, die "weit vorne" gelistet sein wollen, ihrem Firmennamen ein "A" (oder gleich mehrere) voransetzen.
Das Oberlandesgericht Hamm hält das weder für eine unsachliche Beeinflussung der Verbraucher noch sei das als gezielte Behinderung der Mitbewerber zu beanstanden (OLG Hamm, 4 U 6/04).
Und dann war da noch der etwas anders gelagerte "Türschloss-Fall" vor dem Amtsgericht Oranienburg: Das Schloss eines Mieters wurde durch Unbekannte unbrauchbar gemacht.
Feierabend


Der Mieter beauftragte einen Schlüsseldienst und schickte die - humane - Rechnung über 80 Euro dem Vermieter. Der weigerte sich, zu bezahlen und argumentierte, dass der Hauswart die Reparatur hätte preisgünstiger ausführen können. Damit drang er aber nicht durch. Denn der hatte Feierabend und war nicht mehr erreichbar. Auch der Einwand des Vermieters, der Mieter hätte den Schaden mit seiner Hausratversicherung abrechnen können, ging ins Leere. Denn es lagen die Voraussetzungen dafür nicht vor, weil nicht "in die versicherten Räume eingedrungen", sondern lediglich von außen das Türschloss unbrauchbar gemacht worden war (AmG Oranienburg, Az.: 21 C 300/03). red