Wie Förderungen Bauprojekte massiv günstiger machen können

Baukindergeld & Co. : Wie Förderungen Bauprojekte massiv günstiger machen können

Bauen ist in den zurückliegenden Jahren für viele Haushalte aus einem Grund interessanter geworden - niedrigen Bauzinsen. Die Herausforderung: Seit Jahren steigen die Preise auf dem Immobilienmarkt an - sowohl für Gebäude aus dem Bestand als auch den Neubau.

Mehrere hunderttausend Euro sind für viele Familien eine rote Linie. Lassen sich die Kosten reduzieren? Oder gibt es Förderungen, dank derer die Finanzierung leichter zu stemmen ist?

Die Standardförderung: Das bekommt fast jeder

Zu den Standardlösungen im Bereich der Immobilienförderung gehört das Wohneigentumsprogramm der KfW. Geführt unter der Nummer "124" geht es hier vor allem um eine breite Förderung für Bauherren und Erwerber. Dabei wird nicht auf eine besonders umfassende Energieeffizienz geachtet. Was wird hier von der Kreditanstalt für Wiederaufbau konkret gefördert?

Bis Ende September 2019 greift die KfW Haushalten beim Kauf oder Bau einer Immobilie finanziell unter die Arme. Gefördert werden also der Neubau sowie der Erwerb aus dem Bestand. Die Fördersumme ist identisch, es geht immer um einen Betrag von 50.000 Euro. Ab 01. Oktober 2019 wird dieser nochmal angehoben.

Mit dem Monatswechsel erhöht sich die maximale Fördersumme auf 100.000 Euro. Die Förderung besteht ausschließlich aus einem Darlehen mit besonderen Zinskonditionen. Wählbar sind Laufzeiten zwischen vier bis 25 Jahre. Zusätzlich kann jeder Antragsteller eine tilgungsfreie Phase in Anspruch nehmen. Letztere erstreckt sich auf eine Anlaufzeit von einem bis drei Jahren. Gewählt werden kann zwischen zwei Zinsbindungsfristen - von jeweils fünf Jahren oder 10 Jahren.

Voraussetzungen: Was kann nicht gefördert werden?

Für das Förderprogramm der KfW gibt es einige Einschränkungen. Sprich: Nicht jedes Bau- oder Kaufvorhaben ist den Förderrichtlinien nach begünstigt. Ausgeschlossen sind aus dem Programm unter anderem:

- Ferienwohnungen

- Ferienhäuser

- Umschuldungen und Anschlussfinanzierungen

Auch kann vermieteter Wohnraum nicht über den Kredit gefördert werden. Gleiches gilt auch für gewerblich genutzte Flächen. Und selbst, wenn die Immobilie vom Antragsteller zu Wohnzwecken verwendet wird, kann eine Förderung ausfallen - sofern es sich bei der Maßnahme um eine Erweiterung des Wohnraums handelt.

Achtung: Das Förderdarlehen ist zu 100 Prozent auszahlbar. Der Abruf kann auch in Teilsummen erfolgen. Allerdings muss in diesem Zusammenhang jedem Bauherrn/Erwerber klar sein, dass Bereitstellungszinsen erhoben werden - ab dem 5. Monat nach Zusage des Darlehens. Der Bereitstellungszins wird monatlich in Höhe von 0,15 Prozent durch die KfW erhoben.

Energetische Sanierung: Günstige Darlehen und Zuschüsse

Der Staat will in Deutschland nur allgemein die Schaffung von selbstgenutztem Wohnraum fördern. In Berlin und den Landeshauptstädten hat schon lange die Erkenntnis Fuß gefasst, dass Wohneigentum auch unter energetischen Gesichtspunkten zu fördern ist. Dabei verfolgt der Staat natürlich bestimmte Ziele mit der Förderung von Eigentümern. Es geht darum, die sich von der Bundesregierung selbst auferlegten Ziele zum Schutz des Klimas zu erreichen.

Die Förderungen bestehen in diesem Zusammenhang aus zwei Möglichkeiten:

- Auf der einen Seite geht es hier um Förderungen durch günstige Darlehen.

- Andererseits nutzen staatliche Stellen in diesem Zusammenhang auch Zuschüsse, um Haushalten unter die Arme zu greifen.

Förderungen durch zinsgünstige Darlehen

Im Rahmen der Förderung für mehr Energieeffizienz setzt der Staat auf verschiedene Kreditprogramme. Besonders bekannt sind die KfW-Programme 151 und 153. Erstgenanntes richtet sich an Besitzer einer Immobilie aus dem Bestand. Beim zweiten Förderprogramm handelt es sich um das Pendant für Bauherren. Welche Summen werden mit den Maßnahmen genau gefördert?

KfW-Programm "Energieeffizient sanieren" (Nr. 151)

Die maximale Fördersumme für das Programm liegt bei 100.000 Euro pro Immobilie. Alternativ können bis 50.000 Euro für Einzelmaßnahmen in Anspruch genommen werden. Weiterhin sind günstige Zinskonditionen Teil der Förderung. Neben einem niedrigen Zinssatz schließt dies auch eine tilgungsfreie Anlaufphase ein. Diese kann zwischen zwei bis fünf Jahren liegen. Bei der Laufzeit sind vier bis 30 Jahre möglich. Eigentümer müssen im Hinterkopf behalten, dass die Zinsbindungsfrist deutlich geringer ausfällt und nur bei zehn Jahren liegt.

KfW-Programm "Energieeffizient bauen" (Nr. 153)

Auf den ersten Blick wirkt das Förderprogramm für den Bau energieeffizienten Wohnraums wie das Spiegelbild der Sanierungsförderung. Auf den zweiten Blick fallen einige Unterschiede auf: So gibt es keine Förderung für Einzelmaßnahmen. Das Programm beinhaltet 100.000 Euro für den Bau neuer Immobilien. Diese müssen vorgeschriebene Standards erreichen. Bei den Konditionen sind beide Programme wieder gleich. Auch der Neubau wird von der KfW mit bis zu einer Laufzeit von 30 Jahren gefördert. Und auch in diesem Programm sind tilgungsfreie Zeiten möglich.

Weitere Leistungen der Förderprogramme

In beiden Programmen stecken noch einige weitere Leistungen. Beispiel Sanierungsdarlehen: Hier gibt es zusätzlich die Möglichkeit zur Förderung des Energieberaters. Dessen Mitwirkung kann im Rahmen eines Zuschusses gefördert werden. Eigentümer, die Maßnahmen fördern lassen wollen, müssen sich natürlich mit den Förderbedingungen auseinandersetzen. Wichtig ist für beide Programme zu wissen:

- Welche Maßnahmen sind im Detail förderfähig?

- Welche Immobilien werden gefördert?

Im Rahmen der Bauförderung (gilt übrigens auch für den Erwerb energieeffizienten Wohnraums) sind beispielsweise Ferienwohnungen und Ferienhäuser sowie Umschulden und die Finanzierung begonnener Vorhaben ausgeschlossen. Ähnlich sieht die Messlatte auch bei der Förderung für Sanierungsmaßnahmen aus. Damit Vorhaben förderfähig sind, müssen bestimmte Standards erreicht werden.

KfW-Effizienzhaus als Zielvorgabe

Maßgebend ist die KfW Effizienzklasse. Letztere wird als KfW Effizienzhaus XX bezeichnet - wobei sich das doppelte X auf einen Zahlenwert wie 80 oder 70 usw. bezieht. Was hat es damit auf sich? Die EnEV (Energieeinsparverordnung) legt einen verbindlichen Mindeststandard für den Verbrauch an Energie für Neubauten fest. Dieser Primärenergiebedarf ist Ausgangspunkt für die Energieeffizienzförderung.

Ein KfW Effizienzhaus 50 würde bedeuten, dass die Immobilie nur 50 Prozent des Primärenergiebedarfs ausgehend vom EnEV Standard hat. Die Erreichung eines Standards ab KfW Effizienzhaus 50 ist Kernaspekt in der Förderung neuen Wohnraums. Beim Sanierungsprogramm werden auch Einzelmaßnahmen gefördert.

Einzelmaßnahmen bei energetischer Sanierung

Grundsätzlich fördert die Kreditanstalt für Wiederaufbau mit dem Programm 151 alle Maßnahmen, welche die Immobilie zu einem KfW Effizienzhaus machen. Zudem werden Eigentümer mit dem Förderkredit in die Lage versetzt, einzelne Aspekte ihrer Immobilien in Angriff zu nehmen. Zu den geförderten Maßnahmen gehören unter anderem:

- Heizungspaket (Austausch bestehender Anlagen gegen effiziente Heizungstechnik)

- Lüftungspaket (Förderung von Lüftungsanlagen, zusätzliche Maßnahme an der Gebäudehülle erforderlich)

Neben ganzen Sanierungspaketen sind nach den Vergaberichtlinien der KfW auch einzelne Maßnahmen im Rahmen des Förderkredits zur energetischen Sanierung förderfähig. Hierzu gehören:

- Dämmung von Wänden und Decken

- Austausch von Fenstern sowie Türen

- Verbesserungen bei der Heizungsanlage

Wichtig: Damit die Einzelmaßnahmen den Anforderungen des Kreditprogramms genügen, sind gewisse Voraussetzungen zu erfüllen. So darf ein maximaler U-Wert (Wärmedurchgangswert und Maß für den Wärmeverlust) nicht überschritten werden.

Beispiele für Anforderungen der KfW an Einzelmaßnahmen:

Tilgungszuschuss für energetische Sanierung

Die Förderung energetischer Maßnahmen durch einen zinsgünstigen Kredit ist nur eine Seite der Medaille. Seitens der KfW wird Eigentümern und Bauherren in diesem Zusammenhang noch an anderer Stelle unter die Arme gegriffen - mit Zuschüssen. Hierbei handelt es sich um einen Tilgungszuschuss, dessen Höhe variabel ausfällt. Letzteres gilt bis zu einer Deckelung von:

- Einzelmaßnahmen - 7,5 Prozent bis 12,5 Prozent, maximal

- Baudenkmal - 12,5 Prozent, maximal 12.500 Euro

- KfW-Effizienzhaus 115 - 12,5 Prozent, maximal 12.500 Euro

- KfW-Effizienzhaus 100 - 15 Prozent, maximal 15.000 Euro

- KfW-Effizienzhaus 85 - 17,5 Prozent, maximal 17.500 Euro

- KfW-Effizienzhaus 70 - 22,5 Prozent, maximal 22.500 Euro

- KfW-Effizienzhaus 55 - 27,5 Prozent, maximal 27.500 Euro

Für eine energetische Sanierung bedeutet dies im besten Fall die Aufnahme einer Fördersumme von 100.000 Euro für den Kredit, getilgt werden am Ende aber nur 72.500 Euro. Ein ähnliches Modell des Tilgungszuschusses existiert auch für den Neubau, doch sind die Vorgaben hier strenger:

- KfW-Effizienzhaus 55 - 5 Prozent, maximal 5.000 Euro

- KfW-Effizienzhaus 40 - 10 Prozent, maximal 10.000 Euro

- KfW-Effizienzhaus 40 plus - 15 Prozent, maximal 15.000 Euro

Sicherheits- und Altersumbau - weitere Förderungen möglich

Sich im Eigenheim wohlfühlen hat nicht nur etwas mit der Ausstattung, Smart Home und Co. zu tun. Das persönliche Sicherheitsgefühl spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. In den letzten Jahren hat dieser Aspekt auch medial eine massive Aufwertung erfahren. Und Familien, die heute ins Eigenheim ziehen, wollen auch im Alter noch darin wohnen. Allerdings hat beim Kauf oder Bau nicht jeder Haushalt an Barrierefreiheit gedacht.

Gefördert werden Projekte aus dem Bereich Barrierefreiheit und Einbruchsschutz mit Krediten - wie dem Kredit 159 für Barrierefreiheit - und Zuschüssen. Wie sehen die Möglichkeiten für Eigentümer in der Praxis aus?

Barrierefreiheit: Altersgerecht umbauen

Maßnahmen zur Barrierefreiheit wird von der KfW großzügig mit bis zu 50.000 Euro als Kredit gefördert. Das Darlehen bietet einen günstigen Zinssatz, kann sich über eine Laufzeit von vier Jahren bis 30 Jahren erstrecken und ist bei den Zinsbindungsfristen zwischen fünf Jahren bis zehn Jahren wählbar. Eigentümer haben beim Förderkredit die Möglichkeit, zwischen einem bis fünf Jahre tilgungsfreie Anlaufzeit in Anspruch zu nehmen. Neben der Förderung von Einzelmaßnahmen, wie:

- Umbau des Eingangsbereichs

- Barrierefreiheit rund um Treppen/Stufen

- Maßnahmen im Gebäudeumfeld

kann auch der Umbau auf den Standard Altersgerechtes Haus sowie der Kauf einer barrierearm sanierten Immobilie gefördert werden. Neben dem Förderkredit gibt es bei der KfW einen Investitionszuschuss (455-B), der sich auf eine Summe von bis 6.250 Euro je Wohneinheit beläuft.

Einbruchsschutz und Altersgerecht Umbauen in einem Förderprogramm

Das Thema Einbruchsschutz fasst die KfW unter anderem im Förderkredit für den barrierefreien Umbau zusammen. Entsprechend sehen die Konditionen für das Programm aus. Einzelmaßnahmen oder Maßnahmenkataloge werden mit vergünstigten Darlehen in Höhe von 50.000 Euro pro Wohneinheit gefördert. Dabei existieren zahlreiche förderfähige Maßnahmen:

Einbau von Fenstern, Türen und Schlössern

In Bezug auf die Sicherheit sind die natürlichen Einfallstore in die eigene Wohnung die wichtigsten. Somit werden über die KfW auch der Einbau von Sicherheitstüren und speziellen Sicherheitsfenstern gefördert. Die Türen müssen dabei mindestens die DIN EN 1627 erfüllen. Auch die Anbringung spezieller Sicherheitsschlösser ist förderfähig.

Einbau von Alarmanlagen

Auch in Bezug auf Alarmanlagen können Fördermittel abgerufen werden. Hierbei kommt es jedoch sehr auf die jeweilige Anlage an. So gehören Infraschall- oder Luftdrucksysteme nicht zum Förderumfang. Eine Beratung erweist sich hierbei immer als besonders sinnvoll.

The next Generation: Smart Home-Systeme für mehr Sicherheit

Auch Smart Home-Komponenten können in den eigenen vier Wänden die Sicherheit heute erheblich steigern. Dazu gehören zum Beispiel intelligente Bewegungsmelder oder auch Systeme, die Anwesenheit vortäuschen wie eine automatische Jalousien-Steuerung oder auch das regelmäßige Anschalten der Beleuchtung. Doch auch hier sollten Nutzer genau hinschauen: Smartphones und Tablets sind zwar Steuergeräte für Smart Home-Applikation, werden jedoch bei der staatlichen Förderung abgelehnt.

Zusätzlich bietet sich die Möglichkeit, einen Zuschuss in Anspruch zu nehmen. Hierdurch lassen sich Maßnahmen bis zu einer Höhe von 15.000 Euro fördern - durch einen Zuschuss von maximal 1.600 Euro.

Baukindergeld - der Familienjoker

Alle bisher genannten Maßnahmen richten sich pauschal an Bauherren und Eigentümer. Aufgrund der anhaltenden Preisentwicklung wird es allerdings zunehmend schwieriger, selbstgenutzten Wohnraum zu finanzieren. Familien greift der Bund aktuell besonders unter die Arme. Im Rahmen des Baukindergelds (Zuschuss 424) kann sich dieser Personenkreis den Bau oder Erwerb einer Immobilie zusätzlich fördern lassen.

Entscheidend für die maximale Fördersumme ist die Anzahl der im Haushalt lebenden Kinder. Pro Kind winken beim Baukindergeld 12.000 Euro. Aber: Diese Fördersumme gibt es nicht in Form einer Einmalzahlung.

Förderberechtigte Haushalte bekommen pro Kind jährlich 1.200 Euro aus dem Fördertopf für das Baukindergeld. Die Zahlungen erstrecken sich über eine Laufzeit von zehn Jahren. Besonders lohnend ist diese Förderung für einen Mehrkinderhaushalt. Bei zwei Kindern gibt es bereits 24.000 Euro bzw. 2.400 Euro, die sich jedes Jahr in Sondertilgungen investieren lassen. Auf diese Weise wird eine Immobilie sehr viel schneller entschuldet. Aber: Auch das Baukindergeld ist keine bedingungslose Förderung des Staats.

Voraussetzungen für Baukindergeld