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Arbeitslos – und jetzt? Was Betroffene tun können

Einen Notfallplan entwickeln : Arbeitslos – und jetzt? Was Betroffene tun können

Den Job zu verlieren, ist für viele Menschen eine der größten Sorgen. Schließlich brauchen sie die Arbeit, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Vielleicht tragen sie die finanzielle Verantwortung für eine Familie oder müssen noch Schulden für ihr Eigenheim abbezahlen. Dennoch kann die Arbeitslosigkeit jeden treffen, manchmal ganz plötzlich und ohne eigenes Verschulden. Wichtig ist, dass Betroffene dann nicht in Panik verfallen, sondern ihre Optionen prüfen und diese schwierige Zeit bestmöglich überbrücken.

Rheinland-Pfalz gehört zu jenen Bundesländern in Deutschland, die im Regelfall unter dem Durchschnitt liegen, wenn es um die Arbeitslosenquote geht. Konjunkturelle Schwankungen sind zwar auch hier zu beobachten, dennoch blieb der Wert in den vergangenen Monaten stets zwischen 4,2 und 4,7 Prozent. Allerdings brachte das Jahr 2019 gegenüber dem Vorjahr einen leichten Anstieg mit sich. So lag die Arbeitslosenquote im Dezember etwa vier Prozent höher als zum gleichen Zeitpunkt im Jahr 2018. Zudem befindet sich Deutschland derzeit in einer Ausnahmesituation, die sich zwar noch nicht in den aktuellen Zahlen der Agentur für Arbeit widerspiegelt, dennoch erwarten Experten demnächst einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit in der Pfalz. Trotzdem herrscht Optimismus vor. Vermutlich wird sich die Wirtschaft im Jahr 2021 sehr schnell und gut von dieser Rezession erholen, so lauten zumindest aktuelle Prognosen. Für viele Arbeitnehmer aus der Region könnte das bedeuten, plötzlich arbeitslos zu werden - aber spätestens im kommenden Jahr wieder hervorragende Aussichten auf eine neue Anstellung zu haben.

Einen Notfallplan entwickeln

Wer sich in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis befindet, sollte immer aufmerksam bleiben und auf eventuelle Anzeichen für eine drohende Kündigung achten. Das gilt vor allem, wenn sich das Unternehmen in einer Krise befindet und Stellen abbaut. Aber auch Umstrukturierungs- und Einsparungsmaßnahmen oder andere Veränderungen können dazu führen, dass ein Arbeitnehmer gekündigt wird. Es müssen also nicht immer persönliche Gründe wie eine schlechte Leistung oder ein Fehlverhalten zugrunde liegen. Selbst unbefristete Arbeitsverträge dürfen beispielsweise arbeitgeberseitig gekündigt werden, wenn es einen Auftrags- oder Umsatzrückgang gibt oder ein Betriebsteil stillgelegt wird.

Diese sind nur einige von vielen möglichen Gründen für eine ordentliche Kündigung durch den Arbeitgeber. Wann genau diese rechtmäßig ist und wie sie aussehen muss, hängt dabei von unterschiedlichen Faktoren ab. Dennoch sollte jedem Arbeitnehmer bewusst sein, dass er eines Tages seinen Job verlieren könnte - trotz unbefristetem Arbeitsvertrag und Kündigungsschutz. Es ist daher immer sinnvoll, sich einen Notfallplan zurechtzulegen. Zudem schadet es niemals, einen finanziellen Puffer anzusparen, um eben solche Zeiten besser überbrücken zu können.

Nach der Kündigung richtig reagieren

Bestenfalls kommt der Jobverlust also nicht völlig unerwartet und der Betroffene weiß bereits, wie er die Zeit finanziell überbrücken kann, welche Weiterbildung er belegen oder bei welchem Arbeitgeber er sich bewerben möchte. Auch eine Selbständigkeit kommt nun infrage oder eine Auszeit, um diese für eine Weltreise zu nutzen. Die Möglichkeiten sind vielfältig und diese Beispiele machen deutlich, dass eine Kündigung stets auch eine Chance sein kann - um sich lang gehegte Träume zu erfüllen oder beruflich neu zu orientieren. Viele andere Menschen reagieren aber (erst einmal) ängstlich. Sie fragen sich, wie sie mit der ungewissen Zukunft umgehen oder ihren Lebensunterhalt weiterhin stemmen können. Diese Ängste führen häufig zu Kurzschlussreaktionen bei oder direkt nach dem Erhalt der Kündigung. Genau solche gilt es aber zu verhindern.

Wer plötzlich die eigene Kündigung in den Händen hält, sollte unbedingt Ruhe bewahren. Der erste Weg führt dann am besten direkt zu einem Anwalt für Arbeitsrecht. Denn dieser kann prüfen, ob die Kündigung rechtmäßig ist oder angefochten werden kann. In letzterem Fall kann der Betroffene eine Kündigungsschutzklage einreichen. Dafür gilt es allerdings eine Frist von drei Wochen nach Erhalt der Kündigung zu beachten. In dieser Situation ist schnelles Handeln gefragt. Bestenfalls endet das Gerichtsverfahren mit der Wiedereinstellung. Genau deshalb sind Beleidigungen oder ein anderes unangemessenes Verhalten gegenüber dem Arbeitgeber nach der Kündigung tabu. Aber auch eine Abfindung ist häufig das Ergebnis einer entsprechenden Klage. Dadurch ist zumindest die finanzielle Ausgangssituation in der Arbeitslosigkeit besser. Zudem ist es dann wichtig, ein qualifiziertes Arbeitszeugnis anzufordern, denn dieses wird für die anstehende Bewerbungsphase benötigt.

Finanzielle Fragen klären

Kommt es nicht zur Wiedereinstellung und auf die Schnelle ist kein neuer Job in Sicht, muss mit einer mehrmonatigen Arbeitslosigkeit gerechnet werden. Anstatt in Hektik zu verfallen, ist es dann erst einmal wichtig, die finanziellen Fragen zu klären. Im Regelfall besteht ein Anspruch auf Arbeitslosengeld, welches bei der Agentur für Arbeit beantragt werden muss. Allerdings kann es bis zur ersten Auszahlung einige Wochen dauern oder die Höhe des Arbeitslosengeldes reicht für den Lebensunterhalt der Familie nicht aus. In solchen Fällen gibt es folgende Möglichkeiten: Bestenfalls kann der Betroffene auf Ersparnisse zurückgreifen und somit das fehlende Einkommen ausgleichen. Ist das nicht der Fall, kommt auch ein Kredit infrage. Es gibt entsprechende Angebote ohne Schufa, die speziell für solche Ausnahmesituationen gedacht sind. So ist die schnelle Auszahlung von bis zu 100.000 Euro möglich, um eine Finanzlücke in der Arbeitslosigkeit auszugleichen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, einen Nebenjob anzunehmen oder eine andere Einnahmequelle zu nutzen, beispielsweise eine nebenberufliche Selbständigkeit, um das Arbeitslosengeld aufzustocken.

Neue Perspektiven finden

Sobald die finanziellen Fragen geklärt sind, gilt es, den Stress aus der Situation zu nehmen. Schließlich empfangen die meisten gekündigten Arbeitnehmer für 18 Monate das Arbeitslosengeld I und damit 60 bis 67 Prozent des letzten Nettogehalts. Das bedeutet - gegebenenfalls in Kombination mit dem Ersparten, dem Nebenjob oder den anderen genannten Möglichkeiten - für 18 Monate ein gesichertes Einkommen und damit ausreichend Zeit für die Suche nach einem neuen Job. Anstatt sich also blind auf jede ausgeschriebene Stelle zu bewerben und gegebenenfalls auch einen schlechten Job anzunehmen, der unter den eigenen Qualifikationen oder (Gehalts-) Vorstellungen liegt, ist es sinnvoller, mit System an die Jobsuche heranzugehen. Dafür ist es wichtig, eine Perspektive für die eigene berufliche Zukunft zu entwickeln.

Wie bereits erwähnt, ist eine Arbeitslosigkeit nämlich stets auch eine Chance. Viele Menschen waren ohnehin unzufrieden im Job, haben sich aber nie getraut, diesen zu kündigen. Oder sie träumen schon lange von der Selbständigkeit, aber waren auf das regelmäßige Einkommen angewiesen. Nun sind also 18 Monate Zeit, um genau den Weg einzuschlagen, der perfekt zu einem passt. Dabei ist es durchaus möglich, sich auf denselben Job bei einem anderen Arbeitgeber zu bewerben. Aber es gibt noch viele weitere Möglichkeiten:

- Eine Fort- oder Weiterbildung kann die eigenen Qualifikationen verbessern, die Lücke im Lebenslauf sinnvoll füllen und neue berufliche Perspektiven eröffnen - zum Beispiel die Übernahme einer Führungsposition.

- Eine berufliche Umorientierung oder eine komplette Neuorientierung im Sinne einer erneuten Ausbildung oder eines Studiums ist ebenfalls möglich. Sinnvoll ist das, wenn derjenige im bisherigen Job unglücklich war.

- Der Sprung in die Selbständigkeit, sei es mit der bisherigen oder einer anderen Tätigkeit. Zu Beginn kann es sinnvoll sein, zusätzlich einen Nebenjob anzunehmen, wenn das Einkommen gebraucht wird oder, um nützliche Kontakte in die Branche zu knüpfen.

Das Netzwerken ist ohnehin immer eine gute Idee - das gilt in der Selbständigkeit, aber auch, wenn der Jobsuchende sich erneut bewerben möchte.

Erfolgreich bewerben aus der Arbeitslosigkeit

Denn schlussendlich sind es die Kontakte, welche im Berufsleben die meisten Türen öffnen. Auch deshalb ist es wichtig, beim bisherigen Arbeitgeber einen guten Eindruck zu hinterlassen und einen "stilvollen Abgang" hinzulegen. Denn die früheren Kollegen sowie Vorgesetzten, die ehemaligen Geschäftspartner und Kunden, die Kontakte über berufliche Netzwerke oder von Messen, private Freunde und Familienangehörige - all diese Personen können der Schlüssel zum neuen Job sein. Was viele Bewerber nämlich nicht wissen, ist, dass nur 35 Prozent der vakanten Stellen öffentlich ausgeschrieben werden. Das bedeutet: 65 Prozent der Jobs werden über Kontakte vergeben, sozusagen unter der Hand und ohne, dass eine offizielle Bewerbung notwendig wäre. Wer also plötzlich arbeitslos wird, sollte sich überlegen, wohin der berufliche Weg gehen soll, aktiv netzwerken und eventuell einige ausgewählte Bewerbungen in hoher Qualität versenden. Mit diesen Strategien ist die Arbeitslosigkeit schnell überwunden - und führt bestenfalls im Anschluss zu einer (noch) zufriedenstellenderen beruflichen Position als zuvor.