Auf ein Speed-Date mit den Chefs

Auf ein Speed-Date mit den Chefs

Ausbildungsmesse "Dein Tag, deine Chance": Rund 1000 Jugendliche schnupperten an den Infoständen der 65 Ausbildungsbetriebe im Tagungsraum der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Trier. Das Speed-Dating ermöglichte Bewerbungen im Fünf-Minuten-Takt.

Lars Feilen möchte Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistung werden. In Katharina Luy von der Firma Kühne und Nagel hat er eine kompetente Gesprächspartnerin. tv-fotos (2): Katja bernardy. Foto: (g_geld )
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trier Man stelle sich vor, die Heizung ist defekt und kein Fachmann kommt. Oder das Lieblingsrestaurant schließt, weil kein Koch zu finden ist. In Handwerk, Handel, Industrie und in Dienstleistungsfirmen fehlt der Nachwuchs. Die elfte Ausbildungsmesse - eine gemeinschaftliche Veranstaltung des Trierischen Volksfreunds, der Handwerkskammer Trier, der Industrie- und Handelskammer Trier sowie der lokalen Agentur für Arbeit - ist eine Antwort auf diese Situation: Sie brachte am Freitagnachmittag 1000 Schüler mit Ausbildungsbetrieben zusammen.
Darunter Saleh Barakat (14), vor knapp zwei Jahren mit seiner Familie aus Syrien geflohen. Der Neuntklässler der Stefan-Andres-Realschule plus in Schweich spricht gut Deutsch und hat bereits fünf freiwillige Praktika absolviert. Mit der Hoffnung und seinem Vater - ein Maschinenbauingenieur - im Schlepptau suchte er nach einem Ausbildungsplatz.
Milena Reiche aus Trier war mit ihrer Mutter auf Schnuppertour. Die 16-Jährige tut sich schwer mit der Berufswahl. Sie kann sich vorstellen, in einer Bank zu arbeiten, in einem Chemielabor oder auch etwas anderes zu machen. Die Messe nutzte sie in erster Linie, um mehr über Berufe zu erfahren.
"Dass Besucher Einblicke in Berufsfelder bekommen, die sie nicht auf ihrem Zettel stehen haben", hob TV-Chefredakteur Thomas Roth an der Messe hervor. Der TV mache mit, weil er Vermittler sein wolle und weil das Thema Ausbildung im ganzen Haus und der Redaktion sehr wichtig sei.
Carl-Ludwig Centner, Geschäftsführer der Handwerkskammer Trier, lobte die dargebotene breite Palette der Ausbildungsberufe.
Jan Glockauer, Hauptgeschäftsführer der IHK Trier, kann sich an Zeiten erinnern, als er 30 Bewerbungen auf dem Tisch hatte und daraus drei Auszubildende auswählen konnte. "Heute müssen Unternehmen sich deutlich mehr engagieren, um diese drei Personen zu finden", sagte er. Dabei helfe die Messe, Hauptsache das Ergebnis stimme.
Ebenso bekannt wie begehrt ist mittlerweile das Speed-Dating: Junge Leute haben exakt fünf Minuten Zeit, sich an Stehtischen Firmenchefs und Ausbildungsleitern vorzustellen. Lars Feilen möchte Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistung werden und hat sich Katharina Luy von Kühne und Nagel empfohlen. "Anfangs war ich nervös, dann ging es", sagt der 19-Jährige mit Abitur. Seine Bewerbung hat er abgegeben, jetzt hofft er auf ein positives Ergebnis.
"Hier passiert richtig was", fasste Heribert Wilhelmi, Chef der Arbeitsagentur Trier, zusammen, was sich im IHK-Tagungsraum drei Stunden lang abspielte.
Die Messe war auch Spiegel der Situation rund um die Ausbildungsplätze. Beim Speed-Dating hatte sich zur Halbzeit noch niemand am Stand der Firma Elenz für den Beruf des Straßenbauers beworben. "Viele haben eine falsche Vorstellung von unserem Beruf", sagte der stellvertretende Ausbildungsleiter. Ein unverbindliches Gespräch könne die Vorstellung geraderücken. Auch dazu diente die elfte Ausbildungsmesse.