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David gegen Goliath: ein ungleiches Duell unter Wirtschaftsprüfern

David gegen Goliath: ein ungleiches Duell unter Wirtschaftsprüfern

Die Zeiten bei mittelständischen WP sind momentan nicht gerade rosig. Sie beklagen dabei nicht ein eventuell leeres Auftragsbuch, sondern vielmehr die gefürchtete Dominanz der 'großen Vier', der vier umsatzstärksten Wirtschaftsprüfungsunternehmen weltweit.

PWC, KPMG, EY und Deloitte heißen sie und sind so etwas wie die Schreckensgespenster des Mittelstands . Natürlich strahlen Dominanz und Stärke stets Respekt aus, doch warum werden diese vier so gefürchtet?
Zusammenbruch kleinerer Gemeinschaften

Die mittelständischen Unternehmer sehen die Stabilität und Gesundheit der Branche durch ihre Übermacht in Gefahr. Darüber hinaus legen die Marktführer eine schon fast zerstörerische Praktik an den Tag, wenn sie kleinere, erfolgreich bestehende Netzwerkes durchbrechen. Wie kann man sich das konkret vorstellen? PCW & Co. kaufen einen Partner aus einer Gemeinschaft heraus, wodurch sie geschwächt wird. Dann vermittelt man den Mandanten der noch bestehenden Kooperation, dass ihnen eine internationale Ausrichtung fehle und dass Sie folglich zu PCW & Co. wechseln sollten.

Zwar wird auf Seiten des Mittelstands auf das Vorgehen der 'Big Four' reagiert und Reformen zu Stabilität und Festigung werden vorangetrieben, die sich zumeist als Fusionen mittelständischer Wirtschaftsprüfer erweisen. Dennoch bleibt der Abstand zwischen den großen Vier und den kleineren Unternehmen immer noch enorm. In Deutschland beträgt der Marktanteil der Big Four fast 75 % .


Ratlose Politik

Auch die Politik erscheint diesem Phänomen gegenüber machtlos. Bereits 2010 versprach die EU-Kommission etwas gegen die ungern gesehene Dominanz zu unternehmen . Im Gespräch waren ein Verbot von gleichzeitiger Prüfung und Beratung, die verpflichtende Prüfung durch zwei Gesellschaften und einen Wechsel der Prüfer nach spätestens sechs Jahren. Viel übrig geblieben davon ist nicht; das Vier-Augen-Prinzip und das Beratungsverbot wurden nicht einmal endgültig beschlossen.

Daher präsentiert sich der Wunsch nach einer ausgeglichenen Wirtschaftsprüfer-Branche wohl als ein sehr frommer.


Daten & Fakten

Zum Schluss noch ein paar Zahlen, die das Übergewicht der großen Vier verdeutlichen.

PWC, KPMG, EY und Deloitte , konnten im Jahr 2014 ein vierprozentiges Wachstum verzeichnen und schloss das Jahr mit einem Gesamtumsatz von 6,4 Milliarden Euro. Im Gegensatz dazu verdienten die mittelständischen Wirtschaftsprüfer gemeinsam 11,8 Milliarden Euro, was lediglich ein Umsatzplus von 2,6 Prozent bedeutet. Das Gefälle zeichnet sich auch an der Börse ab. Zu erkennen. 142 von den 160 wichtigsten börsennotierten Unternehmen sind Mandanten der Marktführer; dies entspricht 88,75%.