Ins rechte Röntgenlicht gerückt

Berlin/Fulda · Radiologieassistenten durchleuchten ihre Patienten, um mögliche Krankheiten zu entdecken. Das erfordert technisches Verständnis, Fingerspitzengefühl und ein finanzielles Polster. Denn bezahlt wird die Ausbildung meist nicht.

Berlin/Fulda (dpa) Medizinisch-technische Radiologieassistenten (MTRA) machen Bilder von dem, was sonst niemand sieht. Mit Hilfe von Strahlung durchleuchten sie die Körper ihrer Patienten und erstellen zwei- oder dreidimensionale Aufnahmen vom Körperinneren. Manchmal nutzen sie auch radioaktive Stoffe, um krankhafte Veränderungen des Körpers oder Verletzungen zu entdecken, wie die Auszubildende Nina Uhlich erklärt.
MTRA arbeiten im Röntgen, in der Strahlentherapie oder in der Nuklearmedizin. Sie müssen zur richtigen Zeit die richtigen Knöpfe drücken. Doch das ist längst nicht alles. Sie bereiten den Patienten auch auf Untersuchungen oder Behandlungen vor und bringen ihn in die richtige Position, damit die Strahlung die betroffene Stelle erreicht. Auf diesem Weg diagnostizieren sie Krankheiten, Frakturen und Fehlfunktionen.
Uhlich hat ihre Ausbildung zur medizinisch-technischen Radiologieassistentin an der staatlichen Akademie der Gesundheit Berlin-Brandenburg fast abgeschlossen. Ihre Praktika, insgesamt rund ein Jahr, hat sie fast ausschließlich in der Berliner Charité absolviert. Dort startet sie im Herbst auch in ihre erste Festanstellung.
So schnell eine Anstellung zu finden ist für medizinisch-technische Radiologieassistenten nicht ungewöhnlich. In Krankenhäusern und Praxen seien sie unersetzbar, sagt Martin Alfrink von der IB Hochschule aus Coburg, eine der wenigen Schulen in Deutschland, die mit dem Bachelor-Studiengang Medizinische Radiologie-Technologie mehr als eine Ausbildung anbieten. Rein rechnerisch könnten alle Radiologieassistenten eine Arbeitsstelle bekommen, erklärt Paul Ebsen von der Bundesagentur für Arbeit.
Dass die Jobsuche nach der Ausbildung relativ leicht fällt, liegt laut Alfons auch an der unattraktiven Ausbildungssituation. Denn mit einer Vergütung können angehende MTRA in der Regel nicht rechnen, obwohl sie drei Jahre lang abwechselnd die Schulbank drücken und in Krankenhäusern oder Praxen arbeiten. Für die Ausbildung an privaten Berufsfachschulen fallen stattdessen Schulgebühren an. An staatliche Berufsfachschulen zahlen Auszubildende immerhin nur für die nötigen Unterrichtsmaterialien und Gebühren für die Prüfung.
Die 23-jährige Nina Uhlich konnte während der Ausbildung bei ihrer Familie wohnen. Einige ihrer Mitschüler bekommen Bafög, andere jobben nebenher. "Ich möchte jetzt erst mal arbeiten und Erfahrung sammeln", sagt Uhlich. "Darum habe ich mich für ein großes Krankenhaus entschieden." Sie könnte stattdessen auch in einer Arztpraxis arbeiten, in der Forschung, beim Landesamt für Gesundheit oder als Lehrerin an einer der Berufsschulen.
Medizinisch-technische Radiologieassistenten brauchen Verantwortungsgefühl, räumliches Vorstellungsvermögen sowie Interesse an Technik und an der Patientenversorgung, erläutert Rebecca Lauterbach, Präsidentin des Dachverbandes für Technologen und Analytiker in der Medizin Deutschland (DVTA) in Fulda.
Außerdem sei körperliche Belastbarkeit in diesem Beruf extrem wichtig, denn MTRA müssen oft im Schichtsystem arbeiten.Extra: KOSTENPFLICHTIGE AUSBILDUNG


(hei) Medizinisch-technische Radiologieassistenten erstellen Röntgenaufnahmen, setzen tomographische Verfahren ein und führen nuklearmedizinische Untersuchungen mit Hilfe von radioaktiven Substanzen durch, um krankhafte Veränderungen des Körpers oder innere Verletzungen zu erkennen. Die Ausbildung dauert drei Jahre, eine Vergütung gibt es nicht. Vielmehr entstehen Ausbildungskosten. Die Bruttogrundvergütung im Tarifbereich des öffentlichen Diensts liegt je nach Bundesland zwischen 2896 bis 3204 Euro im Monat.