Kaum ein Betrieb kommt ohne Lageristen aus

Ausbildung : Unbekannte und unterschätzte Berufe Kaum ein Betrieb kommt ohne Lageristen aus

Kaum ein Industrie- oder Handelsunternehmen kommt ohne Lageristen aus. Die Fachkräfte übernehmen die Warenannahme und die ersten Schritte, um die Lieferungen zu kontrollieren, zu erfassen und einzulagern. Wir stellen den Beruf, den es tausendfach in der Republik gibt, der aber vielfach unterschätzt wird, vor. Außerdem verraten wir, was man als Lagerist verdient.

Es gibt Berufe, ohne die ein Industrie- oder Handelsunternehmen niemals funktionieren würde. Berufe, die man in fast jedem dieser Betriebe findet und die in der Gesellschaft dennoch unbekannt oder unterschätzt werden. Einer dieser Berufe ist der des Lageristen. Der Lagerist ist für die Annahme, Lagerung und interne Weitergabe sämtlicher Wareneingänge in einem Unternehmen zuständig. Bei einem Versandhändler wie Amazon sind das beispielsweise die Waren, die dann weiterverkauft werden. Bei einem verarbeitenden Industriebetrieb wie einer Galvanik sind es die Kundenteile, die veredelt und anschließend zurückgeschickt werden.

Welche Aufgaben hat der Lagerist?

Bis der Lagerist seine Tätigkeit beendet hat, sind einige Arbeitsschritte notwendig. Er ist in der Regel Ansprechpartner für alle ankommenden Lieferanten, seien es Paketzusteller, Speditionen oder LKW, die direkt vom Kunden kommen. Als erstes nimmt er immer die Lieferpapiere in Empfang. Danach muss er überprüfen, ob die Daten auf dem Lieferschein auch mit der tatsächlichen Lieferung übereinstimmen. In diesem Zuge wird zugleich eine erste Sichtkontrolle vorgenommen, ob die Ware in dem Zustand ist, in dem sie sich befinden sollte.

Nachdem die Vollständigkeit und Unversehrtheit festgestellt wurde, muss die Lieferung in der EDV erfasst werden. Auf diese Weise werden meistens die nachfolgenden Abteilungen informiert, dass die Ware zur weiteren Verarbeitung oder zum Verkauf im Haus ist. Der Lagerist lagert diese zunächst ein. Meist stehen verschiedene Lagerplätze zur Verfügung. Ware, die schnell weiterverarbeitet wird, wird häufig lediglich auf einem Bereitstellungsplatz zwischengelagert. Bei der richtigen Einlagerung ist wichtig, dass der Lagerplatz erfasst wird, damit alle Beteiligten wissen, wo sie die Ware für die nächsten Schritte finden. Meist fordert beispielsweise die Produktion die Ware beim Lageristen an, der dann für die interne Bereitstellung an einer Produktionsanlage zuständig ist.

Womit arbeitet ein Lagerist?

War früher viel Papierkram notwendig, um all die Arbeitsschritte zu dokumentieren, läuft heute vieles digital. Die Lieferscheine werden gleich zu Beginn eingescannt und die Ware bekommt einen individuellen Barcode, der sie "das ganze Leben" durch den Betrieb begleitet und identifizierbar macht. Jeder Lagerist hat einen Handscanner und kann überall im Betrieb Informationen zur Ware abrufen und ihren neuen Status bzw. Standort festhalten. Häufig weiß der Computer auch über freie Lagerplätze Bescheid und gibt dem Lageristen vor, wo er die Ware abzustellen hat. Dieses chaosmathematische Lagersystem wird mittlerweile von allen großen Versandhändlern genutzt.

Aber auch die Lagermöglichkeiten selbst haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Um in Bestandsgebäuden Platz zu sparen, nutzen viele Betriebe Lagerbühnen, die das Lagern über mehrere Ebenen ermöglichen. So lässt sich die Lagerkapazität häufig mehr als verdoppeln. Solche Lagersysteme stellen allerdings auch höhere Ansprüche an die Lageristen, die die Ware mit einem Gabelstapler meist auf wenige Zentimeter genau platzieren müssen. Viele Neubauten verfügen zudem über ein Hochregallager, das die Einlagerung zwar meist selbstständig übernimmt, aber dafür komplex in der Bedienung und Wartung ist.

Welche Voraussetzungen braucht man als Lagerist?

Nicht jeder Betrieb setzt für den Beruf des Lageristen eine abgeschlossene Ausbildung voraus. Sie hilft jedoch bei der Karriere. Denn ausgebildete Fachlageristen übernehmen meist Führungsverantwortung und verdienen auch entsprechend mehr. Oft wird ein Gabelstaplerführerschein vorausgesetzt.

Der Fachlagerist ist ein anerkannter Ausbildungsberuf, der zwei Lehrjahre in Anspruch nimmt. In der Regel genügt ein Hauptschulabschluss als Bildungsvoraussetzung. Eine Alternative ist die dreijährige Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik, die sowohl in der Ausbildung als auch später besser vergütet wird, aber auch anspruchsvoller ist. Fachlageristen verdienen nach der Ausbildung zwischen 1.800 und 2.100 Euro, Fachkräfte für Lagerlogistik 2.100 bis 2.500 Euro.

Mehr von Volksfreund