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Lebenslanges Lernen immer wichtiger

Du lernst nicht für die Schule : Lebenslanges Lernen immer wichtiger

Bereits seit 1996 empfiehlt die Europäische Union das lebenslange Lernen. Warum man mittlerweile wirklich nicht mehr "nur” für die Schule lernt, wird angesichts des technischen Wandels immer klarer. Wäre da nicht ein kleiner Haken.

Lebenslanges Lernen ist ein Begriff, den vermutlich jeder Arbeitnehmer in Deutschland bereits gehört hat. Der Haken: viele Arbeitnehmer können es sich nicht leisten, ihren Beruf zu unterbrechen, um an Vollzeitbildungsmaßnahmen teilzunehmen. Helfen können dabei Wochenendseminare oder Fernstudiengänge. Hier existieren viele Optionen, um sich nebenberuflich weiterzubilden. Und gerade das Fernstudium ist in Deutschland durch die Zentralstelle für Fernunterricht qualitativ gut reguliert. Doch warum sollte man sich überhaupt weiterbilden?

Kreative Zerstörung lässt ganze Branchen verschwinden

Die Welt verändert sich rasant. Grund dafür ist die "kreative Zerstörung”. Ein Begriff, den der Ökonom Joseph Schumpeter geprägt hat. Der Hintergrund ist einfach zu verstehen: eine neue Idee, die sich durchsetzt, zerstört alte Strukturen. Ein gutes Beispiel ist das Telefon, das die komplette Telegramm-Industrie zerstört hat. Das einst mächtige Telegrafie-Unternehmen Western Union schickt heute beispielsweise - als Schatten seiner selbst - nur noch Geld durch die Welt.

Und während diese Zerstörung zumindest noch einige Jahrzehnte dauerte, werden in Zeiten des Internets ganze Industriezweige innerhalb weniger Jahre dem Erdboden gleich gemacht. Wer sich vor zwanzig Jahren beispielsweise noch zum Kartografen hat ausbilden lassen, wurde durch GPS-Navigationsgeräte und Google Maps innerhalb weniger Jahre arbeitslos. Zudem ist heutzutage auch die Ausbildung der Kartografen praktisch nichts mehr am Berufsmarkt wert. Und so kann selbst ein Diplomstudiengang in Kartografie dazu führen, dass man ohne Schuld arbeitslos wird. Oder haben Sie in jüngster Zeit noch irgendwo gedruckte Landkarten zum Kauf angeboten bekommen?

Gleiches gilt für viele andere Branchen und Produktkategorien. Von der Videothek bis zum Musikladen. Dem Camcorder oder der Stereo-Anlage. Innerhalb weniger Jahre waren sie alle vom Markt verschwunden. Und mit ihnen auch jede Menge Arbeitsplätze. Solche enormen Veränderungen waren noch vor dreißig Jahren in dieser Geschwindigkeit undenkbar. Eine gute Ausbildung in einer sicheren Profession war zu diesen Zeiten ein Garant für ein sicheres, lebenslanges Einkommen.

Doch mit den rapiden Entwicklungen im Technologiebereich kann heutzutage schon in wenigen Jahren passieren, was früher Dekaden dauerte. Kein Mitarbeiter des finnischen Handyherstellers Nokia hätte 2006 vermutlich damit gerechnet, dass das Unternehmen schon ein Jahr später - mit Vorstellung des ersten iPhones - mit dem Ruin konfrontiert werden würde.

Internet und Technologie machen immer mehr Berufe obsolet

Versucht man heute in die Zukunft zu schauen, deutet sich schon an, wer "als Nächstes dran” ist. Man denke nur an Postboten, die zunehmend durch E-Mails ersetzt werden. Reisebüros, die schon jetzt mehr und mehr ihres Umsatzes an Reiseportale im Internet verlieren. Oder Übersetzer - egal, ob gesprochen oder geschrieben, die sich mit immer besser werdender Technologie konfrontiert sehen. Aber selbst Steuerberater und Buchhalter die ebenfalls durch Software unter Druck stehen und damit zu rechnen haben, dass auch diese Programme in naher Zukunft flexibel und variiert beraten können - und dabei auf schier unendliche Datensätze von Gerichtsentscheidungen und Gesetzen zurückgreifen können, müssen um ihre einstmals sicheren Berufe fürchten.

Buchhändler und Büchereien stehen bereits jetzt unter starkem Druck aus dem Internet und die enorme Angebotsvielfalt, die dieses zu bieten hat, wird über kurz oder lang die klassischen Läden mit Sicherheit ersetzen. Wer denkt, der Postbote mag zwar unnötig werden, der Paketbote angesichts der vielen Online-Bestellungen hingegen nicht, der vergisst, dass auch Drohnen-Technologie immer besser wird und schon bald unsere Pakete zur Wunschzeit und gänzlich ohne menschliches Zutun ausliefern könnte.

Wie lange wird es noch dauern, bis die Burger in der Fastfoodkette von Maschinen zubereitet werden? Oder Kochautomaten als Fortentwicklungen von Thermomix und Co gleich ganze Küchen übernehmen? Und ab wann werden landwirtschaftlichen Betriebe ihren Grund und Boden durch automatisierte Maschinen, die auch kleinste Faktoren in Erde und Wetter messen und intelligent kombinieren können, bestellen?

Selbstfahrende Autos werden über kurz oder lang alle Bus-, Taxi und LKW-Fahrer ersetzen. Und selbst Piloten und Lokführer könnte intelligente Technologie schon bald unnötig machen. Auch klassische TV-Sender werden vermutlich schon in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren nicht mehr am Markt sein und müssen sich jetzt darauf einstellen, dass zumindest die Nutzer der nächsten Generation nur noch "on-demand” konsumieren werden. Das heißt, das sehen, was sie wollen, wann sie wollen. Und wer kann schon sagen, was mit Fabriken geschieht, wenn sich jeder viele seiner Produkte am heimischen 3D-Drucker selbst herstellen kann?

Eine einzige Ausbildung reicht heute nicht mehr

All diese Entwicklungen erfordern in erster Linie eines: Flexibilität. Wer denkt, dass eine einzige Ausbildung oder ein einziges Studium heutzutage noch ein Leben lang reicht, liegt falsch. Selbst dann, wenn man ein Arzt ist und somit mit hoher Wahrscheinlichkeit auch noch in zwanzig Jahren damit arbeiten können wird. Denn auch hier entwickelt sich die Wissenschaft und das Wissen natürlich ständig weiter. Neue Technologien werden auch vermeintlich sichere Berufe auf mittelfristige Sicht verändern. Wer da nicht am Puls der Zeit bleibt, fällt der Technologie zum Opfer.

Gleichzeitig gilt natürlich selbst für Bürojobs, dass ständige Weiterbildung nicht nur dem eigenen Wissen guttut, sondern eben auch der Karriere. Wer neben dem Beruf lernt, zeigt nicht nur, dass er oder sie engagiert ist. Vielmehr beweist man auch wichtige Eigenschaften, wie die Fähigkeit dazu, eigen motiviert und selbständig zu arbeiten, seine Zeit zu managen und dass man am Tätigkeitsfeld des Unternehmens interessiert ist.

Gerade Fernstudienanbieter sind in Deutschland strikt reguliert. Die staatliche Zentralstelle für Fernunterricht in Köln begutachtet dabei angebotene Fernlehr- und Fernstudiengänge und bewertet diese dahingehend, ob das Lehrziel mithilfe der Materialien und des Studienaufbaus sicher erreicht werden kann. Auch Lehrmaterial und Verhalten der Anbieter stehen unter dieser Aufsicht. Sie sind somit - von klassischen universitären Angeboten abgesehen - ein sicheres Anlaufsziel, wenn man sich um die eigene Karriere bemühen möchte.

Wohin entwickeln sich Wirtschaft und Gesellschaft?

Laut Schumpeter sorgt der Prozess der kreativen Zerstörung dafür, dass alte Strukturen verschwinden und neue, bessere aufgebaut werden. Doch wenn dies so rapide vonstattengeht, wie dies heutzutage geschieht, muss man die Frage stellen, wohin sich die Wirtschaft und mit ihr die Gesellschaft entwickelt. Schließlich war es früher natürlich so, dass die neuen Strukturen ebenfalls von Menschen gesteuert wurden. Wohingegen heutzutage eine Maschine, künstliche Intelligenz und Algorithmen die Arbeit übernehmen.

Philosophen und Ökonomen haben hier unterschiedliche Ansichtsweisen und natürlich viele Ideen. Richard David Precht schlägt beispielsweise ein bedingungsloses Grundeinkommen für jeden Bürger vor und verbindet dies mit einer Pflicht zur freiwilligen sozialen Arbeit - beispielsweise in Altenheimen oder Kindergärten. Dies hätte natürlich zweifelsohne zur Folge, dass die Gesellschaft auch kulturell profitieren würde. Mehr Zeit für Familie, Kunst, Musik, Literatur und andere wertvolle Dinge. Dagegen steht das Weltbild der Ökonomen, die wie das Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit nicht davon ausgehen, dass das klassische Modell der Erwerbsarbeit verschwinden wird. Auch wenn Berufsfelder natürlich schnellen, starken Veränderungen unterliegen und in Zukunft in anderen, eventuell neuen Bereichen liegen werden. Wer hätte schließlich vor zehn bis fünfzehn Jahren damit gerechnet, dass es mal professionelle YouTuber, Social Media Berater oder Virtuelle Assistenten geben würde? Natürlich müssen auch all die Maschinen und Algorithmen von jemandem programmiert und ersonnen werden.

Wie auch immer es ausgeht, intellektuelle Flexibilität und die Bereitschaft, sich neben dem Beruf weiterzubilden, sind mit Sicherheit eine gute Strategie, um am Berufsmarkt attraktiv zu bleiben. Und auch wenn dies früher vielleicht so zu sein gewesen scheint, lernt man heutzutage tatsächlich nicht mehr für die Schule, sondern für das Leben. Zumindest dann, wenn man auch in Zukunft noch über ein Einkommen verfügen möchte.