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Der Elektroindustrie gehen die Fachkräfte aus

FOTO: Jarmoluk / pixabay.com
Die deutsche Elektroindustrie profitiert vom lang anhaltenden Wirtschaftsaufschwung und vermeldet Rekordwerte. Trotzdem sind viele Experten beunruhigt: Der Fachkräftemangel könnte das Branchenwachstum ausbremsen.

Spitzenwerte bei Produktion und Export

Wie der Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) in einer Pressemeldung mitteilt, ist das um Preiseffekte bereinigte Produktionsvolumen der Branche im Jahr 2017 auf den neuen Spitzenwert von 190 Milliarden Euro gestiegen. Das Exportgeschäft macht ebenfalls eine gute Figur: Hier konnte die Elektroindustrie um mehr als zehn Prozent zulegen – ein weiterer Rekordwert. Besonders viele Exporte gingen nach China, in die USA und nach Frankreich.

Großes Beschäftigungsplus

Auch die Zahlen der Beschäftigten in der Elektroindustrie ist gestiegen – um 22.000 auf insgesamt 868.000 Mitarbeiter. Der höchste Personalstand seit 16 Jahren. Doch der Branche mit den Fachbereichen Automation, Bauelemente, Energietechnik, Medizintechnik sowie der „weißen Ware“ wie Küchengeräte und Waschmaschinen droht ein Problem: Der Fachkräftemangel könnte dem Boom den Stecker ziehen.

MINT-Fachkräfte und Techniker fehlen

Nach Einschätzungen des ZVEI fehlen der Branche bis zu 50.000 qualifizierte Mitarbeiter. Besonders das Fehlen von Fachkräften aus den akademischen MINT-Bereichen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) könnte das Wachstum der Elektrobranche erheblich mindern. Zurzeit kommen von 1.000 Mitarbeitern in der Branche 376 aus dem MINT-Bereich. Im produzierenden Gewerbe beispielsweise sind es lediglich 180.

Die Elektroindustrie hat von allen Branchen den höchsten Bedarf an Mitarbeitern aus den MINT-Bereichen. Zusätzlich fehlt es an Facharbeitern, Logistikpersonal und an Technikern.

Techniker werden besonders von kleinen und mittleren Unternehmen gesucht, wie zum Beispiel der transprotec GmbH, die in Hamburg Produkte und Dienstleistungen rund um die Bereiche Energiezuführungen, Seilwinden, Kettenzüge und Krantechnik anbietet. Das Unternehmen sucht aktuell einen Kundendienstmonteur für Serviceaufgaben im Bereich Krantechnik. Für den Job als Service-Monteur wäre ein Industrieanlagenelektroniker mit Know-how in Antriebs-, Steuer- und Regeltechnik ideal geeignet.

Vollbeschäftigung in vielen Elektroberufen

In zahlreichen Berufen der Branche herrscht de facto Vollbeschäftigung. Vier von fünf Mitgliedsunternehmen des ZVEI haben Mühe, ihre offenen Stellen zu besetzen. Äußere Faktoren wie die Rente schon mit 63 haben verschärfen die Situation zusätzlich. Auch die Bestrebungen der IG Metall, in der aktuellen Tarifrunde kürzere Wochenarbeitszeiten durchzusetzen, stoßen bei den Unternehmen der Elektroindustrie auf wenig Gegenliebe: Das ZVEI hält solche Forderungen in der jetzigen Lage für unverantwortlich – den Unternehmen gegenüber wie dem Gesamtstandtort Deutschland.

Wie die Branche die Lücken füllen will

Vor dem Hintergrund der vielen unbesetzten Stellen blicken die Unternehmen der Elektroindustrie über Deutschlands Grenzen hinaus: Ausländische Fachkräfte sollen die Lücken füllen. Der ZVEI plädiert deshalb für ein Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Zusätzlich sollen junge Frauen in der Phase ihrer Berufswahl verstärkt umworben werden. Außerdem will man die Veteranen der Branche zum Bleiben animieren: Ältere Arbeitnehmer sollen länger in den Betrieben arbeiten, um das Demografie-Problem zu mindern. Hintergrund: Eine hohe Zahl an erfahrenen Facharbeiten geht eigentlich in den nächsten Jahren in Rente.

Doch nicht nur der Fachkräftemangel ist ein Problem, das den Boom in der Elektroindustrie dämpfen könnte: Auch auf globaler Ebene gibt es laut ZVEI Entwicklungen, die der Branche Sorge bereiten. Dazu zählen vor allem drohende Strafzölle auf Exporte in die USA, der Brexit und die politische Lage in Nahost.